Ausgang des Verfahrens „noch völlig offen“

LÜDENSCHEID ▪ Der Fahndungserfolg nach dem tödlichen Unfall mit Fahrerflucht auf der Talstraße (wir berichteten) bedeutet längst nicht das Ende der Ermittlungen. Denn nun kommt es darauf an, den Grad der Schuld, die die 69-jährige Citroën-Fahrerin an dem Unfall hat, festzustellen und juristisch zu bewerten. Die Frau hatte eingeräumt, zur Tatzeit allein mit ihrem Wagen an der Unfallstelle gewesen zu sein – bestreitet aber, etwas von dem Zusammenprall mit dem 21-jährigen Martin T. bemerkt zu haben.

Derzeit ermitteln die Behörden gegen die Beschuldigte wegen des dringenden Tatverdachts der fahrlässigen Tötung im Straßenverkehr und der Verkehrsunfallflucht. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hagen, Oberstaatsanwalt Hans-Werner Münker, gestern im LN-Gespräch sagte, sieht das Gesetz für Unfallflucht eine Ahndung zwischen Geldstrafe und drei Jahren Freiheitsstrafe vor. Für fahrlässige Tötung im Straßenverkehr reicht der Strafrahmen zwischen Geldstrafe und fünf Jahren Gefängnis.

Zu Prognosen ließ sich Hans-Werner Münker nicht hinreißen. „Das Verfahren ist völlig ergebnisoffen.“

Dieser Einschätzung schließt sich Dirk Denker, Lüdenscheider Fachanwalt für Verkehrsrecht, an. „An diese Sache sollte man sehr, sehr vorsichtig herangehen“, sagte er gestern auf LN-Anfrage. „So lange keine Beweismittel über den tatsächlichen Unfallhergang vorliegen, kann man nur spekulieren.“

Dass der Zusammenprall hinter der leichten Rechtskurve tatsächlich stattgefunden hat, sei eine objektive Erkenntnis, sagte der Rechtsanwalt. „Aber derzeit bleibt die Frage offen, ob die Beschuldigte wirklich keine Kenntnis von dem Unfall hatte.“ Eine Möglichkeit, die Kriminalhauptkommissar Oliver Petrosch als „schwer zu glauben“ bezeichnet hatte.

Wie Dirk Denker weiter sagte, könne die Beschuldigte nur dann überführt werden, wenn ihr nachgewiesen sei, dass sie angehalten und die Lage beurteilt habe – und dann weitergefahren sei. Dann käme auch der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung in Betracht. Ein Richter könne nur einen Schuldspruch fällen, wenn feststehe, dass die Frau Kenntnis von dem Unfall gehabt habe. Hier müssten Gutachter feststellen, „was man unter welchen Bedingungen vom Unfall merkt“.

Olaf Moos

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