84 Treppenstufen bis zur Behandlung

Aufzug defekt: Schwerkranke Patienten müssen vier Etagen in Arztpraxis getragen werden

Frau im Treppenhaus und Fahrstuhl
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Wenn der Aufzug kaputt ist, steht den Besuchern der beiden Arztpraxen in den Obergeschossen des Commerzbank-Hauses ein anstrengender Aufstieg bevor.

Es sind Praxisräume in 1a-Lage der Lüdenscheider Innenstadt, zentral, großflächig, modern ausgestattet. Und trotzdem zeitweise schlecht erreichbar, vor allem für körperlich geschwächte oder gehbehinderte Patienten.

Lüdenscheid - Denn immer wieder fällt der Personenaufzug im viergeschossigen Commerzbank-Gebäude am Rathausplatz aus, manchmal wochenlang. Der Geduldsfaden der Mieter wird immer dünner.

Die Ärzte und ihre Teams in den beiden oberen Etagen sind allzu oft gezwungen zu improvisieren. Die Commerzbank verspricht „zum wiederholten Mal“ Abhilfe, wie Internist Dr. Dietrich Kämpfe aus dem vierten Stock sagt. Der Mediziner hat längst aufgehört, die technischen Defekte an dem Aufzug mitzuzählen. „Die Fahrstuhlsituation ist schon so lange labil wie ich hier meine Praxis betreibe.“ Dr. Kämpfe ist seit 18 Jahren Mieter bei der Commerzbank.

Ein LN-Leser, der namentlich ungenannt bleiben will, erinnert sich an einen Vorfall aus der vergangenen Woche. „Da saß im Erdgeschoss eine ältere Dame im Rollstuhl vor dem kaputten Aufzug, und eine Arzthelferin kam durchs Treppenhaus 84 Stufen herunter, um im Hausflur eine Blutentnahme vorzunehmen.“

Arzt aus Lüdenscheid: „Wir machen hier manchmal Buschmedizin“

Dr. Kämpfe bestätigt den Vorgang, der nach eigenen Worten keinen Einzelfall darstellt. „Wir machen hier manchmal Buschmedizin.“ Doch zum Scherzen ist dem Arzt nicht zumute. „Das Ganze ist außerordentlich ärgerlich.“ Zumal der Onkologe vielfach schwerstkranke Krebspatienten in seiner Praxis betreut.

Meistens werden Schäden am Aufzug „innerhalb von einem bis zwei Tagen behoben“, doch auf eine nachhaltige Instandsetzung warten die Betroffenen bislang vergeblich. Dr. Dietrich Kämpfe: „Im Juni fiel die Anlage für drei bis vier Wochen aus, auch im Herbst 2020 dauerten die Reparaturarbeiten rund vier Wochen.“

Derzeit sei der Aufzug seit einer Woche erneut außer Betrieb. „Ich habe eine Kraft extra dafür abgestellt, jeden einzelnen Patienten anzurufen und vor seinem Besuch auf die Situation hinzuweisen.“ Das Verständnis der Patienten sei „dankenswerterweise überaus groß“.

Bei allem Unmut freut sich der Mediziner vor allem über die Unterstützung der Krankentransportdienste. „Mein besonderer Dank gilt den Kräften, die meine Patienten im Tragestuhl die Treppen hoch und wieder runter schaffen müssen.“ Für ganz schwere Fälle – etwa bei anstehenden Bluttransfusionen – hat Dr. Kämpfe nach eigenen Worten eine Kooperation mit dem Klinikum begründet, das oftmals barrierefreier zu erreichen ist als seine Praxis.

Commerzbank räumt „Abfolge von technischen Schwierigkeiten“ ein

Der „dringliche Appell an die Commerzbank, im Hausflur für den Notfall einen Treppenlift zu installieren“, ist nach Angaben des Mieters noch unbeantwortet. Der Pressesprecher der Bank, Dr. Matthias Kretschmer, räumt jedoch ein, dass es „in der jüngeren Vergangenheit zu einer Abfolge von technischen Schwierigkeiten“ gekommen sei. Bei Störungen werde jeweils umgehend ein Dienstleister benachrichtigt.

Die laut Dr. Kämpfe „oftmals schleppende Bearbeitung“ von Schäden liegt nach Kretschmers Angaben an „Lieferengpässen bei der Beschaffung von Ersatzteilen“, die die „Reparaturen zudem verzögert“ hätten. Der Pressesprecher: „Auch hier spielt Corona eine Rolle.“

Wie es weiter heißt, hole die Commerzbank derzeit „Kostenvoranschläge für eine umfassende Sanierung des Aufzugs“ ein, „sodass wir möglichst bald eine nachhaltige Funktionsfähigkeit gewährleisten können“. Und: „Wir bitten unsere Kunden und die betroffenen Patienten für diese Unannehmlichkeiten um Entschuldigung.“

Der Mediziner sagt, er habe die Aufzug-Monteure vor Ort gefragt. „Dass es Lieferengpässe gibt, haben die mir gegenüber verneint.“

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