Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Seidel

Reaktionen auf Giebel-Kritik an Klinikum-Leitung

LÜDENSCHEID ▪ Er redet Tacheles und provoziert Reaktionen: Prof. Dr. Gerfried Giebel ist nicht schweigend in den Ruhestand getreten, sondern gibt dem Klinikum Hellersen für die Zukunft einiges mit auf den Weg.

Im LN-Interview am Mittwoch machte er seine Kritik vor allem an der Person des Geschäftsführers und Management-Entscheidungen fest. Eine Meinung, die er, wie er gestern betonte, intern immer vehement vertreten und für die er Abmahnungen kassiert habe. Der Weg zu früherer öffentlicher Kritik sei versperrt gewesen: „Auch als Chefarzt wird man fristlos gekündigt.“ Den Aufsichtsrat forderte er auf, er möge „endlich aufwachen und sich aktiv einschalten“.

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Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Seidel (CDU) reagierte gestern auf LN-Nachfrage spontan mit „Wir haben wahrlich andere Sorgen“ – in Anspielung auf das hohe Defizit des Klinikums. Er könne nicht nachvollziehen, dass ein Geschäftsführer so angegangen werde: „Herr Dr. Schwilk hat eine ganze Menge für das Klinikum getan.“ Zudem werde regelmäßig die Mitarbeiterzufriedenheit abgefragt, und allein fünf Vertreter im fünfzehnköpfigen Aufsichtsrat stammten aus dem Betriebsrat. So sieht er dafür Sorge getragen, dass die kritisierte breite Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern im Zweifel auch dem Aufsichtsrat nicht verborgen bliebe. „Das riecht nach persönlicher Konfrontation“, urteilt Seidel. Es gehöre auch nicht zu den Aufgaben eines Aufsichtsrates, sich ins operative Geschäft einzumischen, findet Seidel. Dazu zählt er unter anderem die Sekretariats-Managerin, die nun die Sekretärinnen zuweise. Dieses „Hin- und Herschieben im Hause“, einhergehend mit Reibungsverlusten, war ein weiterer Kritikpunkt Giebels.

Aufsichtsratsvorsitzender Märkische Kliniken, Detlef Seidel (CDU).

Ralf Schwarzkopf, Lüdenscheider CDU-Vorsitzender und Kreistagsabgeordneter, sitzt ebenfalls im Aufsichtsrat der Märkischen Kliniken. Ein Aufsichtsrat habe Verschwiegenheitspflicht, das mache Reaktionen schwierig, sagte er gestern. Er zeigte sich „schockiert“ und überrascht über die Art und Weise der öffentlich geäußerten – „und unkommentierten“ – Kritik. Wie im Aufsichtsrat gearbeitet werde, darüber wisse Professor Giebel nichts. Dort werde inhaltlich viel diskutiert, zum Glück über die Parteigrenzen hinweg und „mindestens einmal im Monat“: „Keiner macht sich das da leicht.“ Was etwa die von Giebel als „teure Consulting-Firmen“ kritisierten Gutachter angehe: „Das war vorgeschrieben von den Banken.“

Landrat Thomas Gemke (CDU) ließ gestern ausrichten, er sage dazu nichts, das sei Sache des Aufsichtsrates. Der Märkische Kreis ist Träger der Märkische Kliniken GmbH.

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