Mieter dürfen in ihren Wohnungen bleiben

Erfolgreiche Anleiterprobe am Hochhaus an der Handweiserstraße: Zwangsräumung abgewendet

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Arbeiter des Altenaer Tiefbauunternehmens Rattke haben bereits am Freitag mit dem Bau der Rampe begonnen.

Lüdenscheid - Die Verträge sind unterschrieben. Seit Freitagvormittag ist es amtlich: Die von einer Zwangsräumung bedrohten sechs Mietparteien im Hochhaus Handweiserstraße 16 dürfen in ihren Wohnungen bleiben.

Die Bauarbeiten zur Schaffung einer Zufahrtsrampe, 24 Meter lang und fünf Meter breit, sowie einer Aufstellfläche für Feuerwehrfahrzeuge haben begonnen. Die Mieter bekommen die Gebühren, die ihnen die Stadt für die Ordnungsverfügung auferlegt hat, zurückerstattet. 

Das sind die Eckpunkte der Vereinbarung, die die Verantwortlichen der Stadtverwaltung mit Ute Schwarz als Sprecherin der Eigentümergemeinschaft geschlossen haben. Architektin Barbara Hemicker ist beauftragt, bis zum 27. Juli eine provisorische Lösung zu realisieren, „die geeignet ist, benutzt zu werden“, wie der städtische Planungschef Martin Bärwolf formuliert. 

Tiefbauer schneller als erwartet

Das Hochhaus Handweiserstraße 16 hat bereits seit Montag einen zweiten Rettungsweg. Noch schneller ging es kaum: Eine Woche vor Ablauf der Frist, die die Stadtverwaltung für die Erstellung einer provisorischen Rampe mit Aufstellfläche für Feuerwehrfahrzeuge gesetzt hatte, haben die Tiefbauer der Altenaer Firma Rattke vorgestern Nachmittag Vollzug gemeldet. 

Mehr zur drohenden Zwangsräumung

Wie die zuständige Architektin Barbara Hemicker bestätigte, habe Feuerwehrchef Martin Walter spontan eine sogenannte Anleiterprobe veranlasst, um zu prüfen, ob die Retter von der neuen Fläche aus die sechs bislang „abgeschnittenen“ Wohnungen erreichen können. Hemicker: „Alles ist zufriedenstellend gelaufen.“ 

Das bedeutet, dass die drohende Zwangsräumung der Wohnungen vom Tisch ist. Nun bereitet die Architektin den Bauantrag vor, um den von der Stadtverwaltung geforderten Rettungsweg endgültig herstellen zu können

Bis zum 10. August soll ein endgültiger Bauantrag im Rathaus vorliegen. Schon jetzt und während der Zeit bis zur Genehmigung darf gebaut werden, hatte die kommissarische Chefin der Bauaufsicht, Dr. Irina Vellay, zugesagt. 

Zwei bis drei Monate bis zum endgültigen Ausbau

Barbara Hemicker rechnet mit einer Dauer von zwei bis drei Monaten für Planung und Ausführung. 

„Leib und Leben von Bürgern sicherzustellen, das ist unser Job“, so Martin Bärwolf gestern bei der Bekanntgabe der aktuellen Entwicklung. „Da werden wir auch in Zukunft keine Abstriche machen.“ Gleichwohl sei ihm bewusst: „Die Mieter können überhaupt nichts dafür.“ Die Betroffenen in dem Bescheid als „Zustandsstörer“ zu titulieren, sei für sie gewiss nicht angenehm, „aber rechtlich der richtige Begriff“. 

In diesem Zusammenhang hat Bürgermeister Dieter Dzewas bereits am Mittwoch ein Schreiben an die beiden Lüdenscheider Landtagsabgeordneten Angela Freimuth (FDP) und Gordan Dudas (SPD) abgeschickt. Die sollen sich in Düsseldorf für eine Änderung des Gebührengesetzes NRW einsetzen, „so dass die betroffenen Mieter künftig nicht mehr mit den (...) Verwaltungskosten belastet werden“. 

Verwaltungsgebühren werden erstattet

Im Fall Handweiserstraße sagte Bärwolf zu, den Mietern die bereits entrichteten Gebühren zu erstatten. Die Unsicherheit und der Stress, unter dem die Bewohner spätestens nach Erhalt der Ordnungsverfügung gelitten haben, hätte vermieden werden können. 

Doch Ute Schwarz hatte sich mit der Hausverwaltung des benachbarten Gebäudes nicht einigen können. Wie die Hauseigentümerin sagt, hätte sie für die Einräumung des Wegerechts für die Feuerwehr 20 000 Euro bezahlen müssen. „Diese Forderung war viel zu hoch.“ Die Kosten für die nun in Auftrag gegebenen Bauarbeiten für Rampe und Aufstellfläche bezeichnet Ute Schwarz als „günstiger“. 

Für Roland Desens, Schwiegersohn der Mieterin Anna Dabrowski (85) und Sprecher der betroffenen Nachbarn in dem Hochhaus, endet mit der jetzt erzielten Einigung eine aufregende Zeit. „Mir ist es wichtig, allen Beteiligten, die zu dieser Lösung beigetragen haben, einen großen Dank auszusprechen.“ 

"Tolle Leistung" der Architektin

Desens hebt besonders die „tolle Leistung“ von Architektin Barbara Hemicker hervor. Die Baumeisterin hatte den Auftrag zur Lösung des Problems erst vor zwei Wochen erhalten – und sich, teilweise in Nachtarbeit, durch Aktenberge gewühlt und die Verhandlungen nun erfolgreich zum Abschluss gebracht.

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