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Auf Knöllchen-Tour im MK: Jetzt wird‘s deutlich teurer

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Von: Hans-Georg Gottfried Dittmann

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Der Fahrer vergaß seine Parkscheibe einzustellen und muss ein Bußgeld in Höhe von 55 Euro bezahlen.
Der Fahrer des Elektrofahrzeuges hat fast alles richtig gemacht. Da er vergaß, seine Parkscheibe einzustellen, muss er nun ein Bußgeld in Höhe von 55 Euro bezahlen. Der Vorfall wird von Politesse Beatrice Dürand digital vor Ort erfasst. © Hans-Georg Gottfried Dittmann

Im Gleichschritt marschieren Beatrice Dürand und Doreen Reintke die Kerksigstraße hinauf, die eine links, die andere rechts.

Lüdenscheid – Alle paar Meter halten sie inne, beugen sich vor, um hinter die Windschutzscheibe der geparkten Fahrzeuge zu blicken. Nicht immer geht es schnellen Schrittes weiter, und zwar dann, wenn das Diensthandy gezückt werden muss, um Falschparker aufzunehmen.

Seit Dienstag gilt der neue Bußgeldkatalog, zahlreiche Geldstrafen sind erhöht worden. An der täglichen Arbeit ändere das nichts, sagt Dürand. „Alle Geldstrafen sind im System aktualisiert“, erklärt die Verwaltungsangestellte des Fachdienstes, öffentliche Sicherheit und Ordnung, Sonja Ruffer. Spannend werde es erst am Mittwochmorgen, wenn die Daten der Diensthandys ins System überspielt werden.

Das klassische Knöllchen gibt es schon lange nicht mehr, die Ordnungswidrigkeiten werden digital mit einem Handy erfasst – eine enorme Erleichterung für Mitarbeiter. „Mit den alten Apparaturen konnte man jemanden erschlagen“, scherzt Dürand, die bereits seit 2009 für das Ordnungsamt arbeitet. Der neue Bußgeldkatalog ändere die Arbeitsroutine nicht für die Politessen, sondern für die Verwaltung.

Zurück zur Kerksigstraße. Dort inspiziert Dürand gerade ein Elektrofahrzeug, das an einer Ladestation Energie tankt. „Ein Klassiker“, sagt die Lüdenscheiderin, denn um sein Fahrzeug dort aufladen zu dürfen, muss die Parkscheibe eingestellt und sichtbar sein. „Das hat der Fahrer vergessen.“ Als Dürands Handy den neuen Bußgeldbetrag anzeigt, muss die 44-Jährige kurz schlucken. „55 Euro, das ist schon heftig.“

Kulanz ja - aber nur in bestimmten Situationen

Sobald die Daten im System sind, können die Ordnungsamtsmitarbeiter nichts mehr machen, der Bußgeldbescheid wird dann zugestellt. „Einmal übermittelte Knöllchen können wir nicht mehr löschen“, sagt Reintke. Ansonsten komme es auf den Ton an, mit dem die Politessen angesprochen werden. „Wie man in den Wald ruft, so schallt es auch wieder heraus.“ Manchmal könne ein Auge zugedrückt werden, wenn in einem freundlichen Ton kommuniziert werde. Keine Kulanz zeigen die beiden aber bei zugestellten Feuerwehrzufahrten, geparkten Fahrzeugen auf Gehwegen oder vor Bushaltestellen.

Dass die meist doppelt so hohen Geldstrafen die Falschparker zur Besserung erziehen, glaubt Dürand nicht – zumindest nicht die „unverbesserlichen Pappenheimer“: „Wenn ich einige bekannte Autos aus der Ferne sehe, frage ich mich schon, ob diesmal ein Parkschein hinter der Windschutzscheibe liegt.“ Da nun aber auch schnell Punkte dazu kämen und diese sich zu einem Fahrverbot addieren können, könne sich dadurch eventuell ein Lerneffekt einstellen.

Knöllchen werden digital ausgestellt. Hinter die Scheibenwischer klemmen Doreen Reintke (links) und Beatrice Dürand nur noch Benachrichtigungen.
Knöllchen werden digital ausgestellt. Hinter die Scheibenwischer klemmen Doreen Reintke (links) und Beatrice Dürand nur noch Benachrichtigungen. © Hans-Georg Gottfried Dittmann

Befürchtungen, dass sich die Politessen mehr Beschimpfungen anhören müssen, haben die beiden nicht. „Das hat sich in den letzten Jahren nicht verändert“, sagt Dürand, die mittlerweile auch alle Ausreden bestens kenne. „Da höre ich gar nicht mehr richtig hin.“ Das Strafmandat werde dann aber mit Sicherheit ausgestellt.

Dass es anders geht, zeigt sich vor der Sparkasse an der Jockuschstraße. In einem Wagen, der mit laufendem Motor im absoluten Halteverbot steht, sitzt ein Pärchen. Nachdem Reintke ans Fenster geklopft und mit der Fahrerin gesprochen hat, gibt der Beifahrer seiner Freundin einen Kuss und steigt aus. Sie fährt alleine weiter. Problem gelöst – ohne Knöllchen.

Der neue Bußgeldkatalog

Das sind konkrete Neuregelungen des Bußgeldkataloges:

• Autofahrer, die ihr Fahrzeug im allgemeinen Halte- oder Parkverbot abstellen, werden laut Katalog unter dem Scheibenwischer künftig ein Knöllchen von bis zu 55 Euro statt wie bisher bis zu 15 Euro finden.

Innerorts gilt, dass bei Tempoüberschreitungen ab 21 km/h bis 25 km/h 115 Euro statt wie bislang 80 Euro fällig werden; bei 16 bis 20 km/h sind es 70 statt 35 Euro, bei 11 bis 15 km/h 50 statt 25 Euro und bei bis zu 10 km/h 30 Euro statt wie bislang 15. Noch schneller wird noch viel teurer; auch außerorts wurden die Bußgelder erhöht.

• Wer unberechtigt auf einem Schwerbehinderten-Parkplatz parkt, muss mit einem Bußgeld von 55 rechnen (bisher 35 Euro).

• Wer auf die Idee kommt, eine amtlich gekennzeichnete Feuerwehrzufahrt zuzuparken oder ein Rettungsfahrzeug zu behindern, der muss mit 100 Euro Bußgeld rechnen.

• Ganz neu: Unberechtigtes Parken auf einem Parkplatz für Elektro- und Carsharing-Fahrzeuge hat ein Verwarnungsgeld von 55 Euro zur Folge.

• Wer keine Rettungsgasse bildet oder eine solche sogar selbst zum schnelleren Vorankommen mit dem Auto nutzt, muss mit einem Bußgeld zwischen 200 und 320 Euro sowie einem Monat Fahrverbot rechnen.

Lkw-Fahrer, die gegen die neu eingeführte Pflicht verstoßen, mit dem Lastwagen beim Rechtsabbiegen innerorts nur mit Schrittgeschwindigkeit zu fahren, werden mit 70 Euro zur Kasse gebeten.

• Die vorschriftswidrige Nutzung von Gehwegen, Radwegen und Seitenstreifen durch Fahrzeuge wird statt mit bis zu 25 Euro mit bis zu 100 Euro Geldbuße geahndet.

Auto-Poser aufgepasst: Die Geldbuße für das Verursachen von unnötigem Lärm und einer vermeidbaren Abgasbelästigung sowie dem belästigenden unnützen Hin- und Herfahren wird von bis zu 20 Euro auf bis zu 100 Euro angehoben.

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