Zwischenbilanz

Auch zwei Monate nach dem Hochwasser keine Normalität am Lüdenscheider Volme-Ufer

38 Tonnen Hochwassermüll mussten aus dem Innenhof von Cemal Ugur (links) und Christopher Pracht an der Volmestraße entsorgt werden. Jetzt können dort wieder Autos stehen.
+
38 Tonnen Hochwassermüll mussten aus dem Innenhof von Cemal Ugur (links) und Christopher Pracht an der Volmestraße entsorgt werden. Jetzt können dort wieder Autos stehen.

Vor zwei Monaten kam das Hochwasser und suchte vor allem den Ortsteil Brügge heim. Seitdem hat sich einiges getan, doch bis zur Normalität ist es noch ein weiter Weg. Ein Ortsbesuch an der Volmestraße.

Lüdenscheid – Mittlerweile kann Christopher Pracht seinen Dienstwagen wieder auf dem Hof neben seinem Versicherungsbüro parken, dort, wo er und die übrigen Anwohner ihre zerstörten Habseligkeiten vor zwei Monaten aufgetürmt haben. „Insgesamt sind 38 Tonnen Sperrmüll abgeholt worden“, sagt der 34-Jährige. Das sei eine Menge, auch wenn eine mit Wasser vollgesogene Couch wahrscheinlich das dreifache Gewicht auf die Waage bringe als sonst. „Hinter dem Haus stehen weitere gefüllte Container, die bald abgeholt werden“, sagt Anwohner Cemal Ugur. Dabei handele es sich aber ausschließlich um angeschwemmte Gegenstände.

Das grobe Ausmisten sei aber nur der erste Schritt gewesen, erklärt der 60-Jährige. Immerhin habe er ein neues Auto, das er mit der Versicherungssumme seines alten Pkw bezahlen konnte. „Ohne Auto geht es hier nicht.“ Der neue Wagen habe auch eine Anhängerkupplung, die den Transport der vielen Materialien erleichtere. „Im Moment ist es noch schwerer als sonst, Handwerker zu finden. Sie haben jetzt ja noch mehr Aufträge und waren vorher schon ausgebucht. Was ich selber machen kann, mache ich selbst.“

So konnten die provisorischen Stromleitungen erst vor zwei Wochen abgenommen und stattdessen eine feste Elektroversorgung installiert werden. Ohne einen vernünftigen Sicherungskasten sei es auch nicht möglich gewesen, die Trockengeräte gleichzeitig in den Räumen zu betreiben, um die Feuchtigkeit herauszutreiben und Schimmel zu verhindern. „Gott sei Dank hat das Wetter mitgespielt“, sagt Ugur. So habe man mit reinem Durchlüften einige Räume bereits wieder trocken genug werden lassen, um mit den Renovierungsarbeiten zu beginnen.

Der Müll, den das Hochwasser von anderen Betroffenen an die Volmestraße gespült hat, muss noch abgeholt werden.

Doch für die Arbeiten, die nur von ausgebildeten Handwerkern wie Elektrikern oder Fliesenlegern durchgeführt werden können, muss sich Ugur für einen Termin in die langen Warteschlangen einreihen. Der 60-Jährige will nun kleinere Aufträge an eine größere Zahl von Firmen vergeben, statt Gesamtreparaturen an einen Handwerker zu vergeben. „Mal sehen, ob das besser funktioniert“, lacht Ugur. Er weiß, dass er noch viel Geduld braucht, bis alles wieder voll funktionstüchtig ist. „Vielleicht ist im Dezember alles fertig“, wagt er eine Prognose.

Nicht nur auf der Baustelle braucht der 60-Jährige Ausdauer, auch das Handy hat er stets zur Hand, um neben Handwerkern auch mit Versicherungen und anderen Händlern zu sprechen. Die 2000 Euro Fluthilfe habe er mittlerweile bekommen, mit anderen Versicherungen, Gutachtern und Behörden müsse er aber weiterhin viele Telefonate führen. Etwa drei Stunden hänge er an manchen Tagen am Hörer. „Wenigstens kann ich mein Handy jetzt wieder an meiner Steckdose aufladen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare