Klug inszeniertes Rollenspiel

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Atzes Musiktheater zeigte „Das doppelte Lottchen“.

Lüdenscheid - Tourneestart in der Bergstadt: Am frühen Mittwochabend zeigte das Ensemble des Musiktheaters Atze aus Berlin „Das doppelte Lottchen“. Für die Berliner war’s nach „Momo“ und „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ die mittlerweile dritte Adaption einer Kästner-Vorlage. Vor Jahresfrist feierte man in Berlin mit dem „Lottchen“ Premiere, nun gehen die Schauspieler auf Tournee.

Die Geschichte des „Doppelten Lottchens“ ist hinlänglich bekannt. Schrill und laut ging’s rasch hinein ins Ferienlager, in dem sich die schüchterne Lotte (Anna Trimper) und die nassforsche Luise (Guylaine Hemmer) zum ersten Mal begegnen und feststellen, dass sie Zwillingsschwestern sind. Die beiden Darstellerinnen sollten sich bewusst nicht gleichen, lediglich Perücken nutzt die junge Regisseurin Göksen Güntel als Mittel für das Rollenspiel.

Klug inszenierte Videoeinspielungen aufs rückwärtige Bühnenbild verliehen der energiegeladenen Darstellung der Kästner-Geschichte die nötige Tiefe – aufgezeichnete Gedanken der Münchner Mutter, der exaltierte Wiener Vater, dem das Komponieren wichtiger ist als das Wohlergehen der Tochter, später nach dem Rollentausch Gespräche mit den Lehrern der Mädchen.

Temperamentvoll und dann wieder mit leisen Tönen, die in kleinen Köpfen ankommen, zeigte sich die Inszenierung so, wie man es von Atzes Musiktheater gewohnt ist. Behutsam wurde die 1949 in Deutschland auf den Markt gebrachte Geschichte mit Anspielungen auf Facebook, Whatsapp und Co. ins Jetzt transportiert. Das Ende ist irgendwie „happy“, aber eben nicht hundert Prozent, sondern eher dem Gesellschaftsbild der Patchworkfamilie entsprechend. Und damit konnte man nach 120 angenehm überdrehten Spielminuten gut leben. - rudi

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