Maskenpflicht

Angst vor Corona: "Einige gehen gar nicht mehr raus"

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Marlene Dudanski betreut seit 27 Jahren betroffene Lüdenscheider mit Atemwegserkrankungen.

Der Kreis trägt Maske – so will es die behördliche Verordnung des Landes. Allerdings: Dies gilt nicht für Kinder bis zum Schuleintritt. Und auch eine weitere Personengruppe ist von der Maskenpflicht befreit. Die Lüdenscheiderin Marlene Dudanski gehört dazu. Sie ist Vorsitzende der Lüdenscheider Ortsgruppe der „Patientenliga Atemwegserkrankungen“, einer überregionalen Selbsthilfegruppe für Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen.

 „Vorsitzende gezwungenermaßen“, sagt Marlene Dudanski, die mit ihren 81 Jahren eigentlich längst den Vorsitz abgeben wollte. Allerdings findet sich kein Nachfolger im „Amt“.

Treffen, Vorträge, Veranstaltungen, Schulungen – corona-bedingt alles abgesagt für eine Gruppe, die sich nur noch bedingt vor die eigene Haustür wagt. Viele Betroffene verlassen seit Mitte März die eigene Wohnung kaum noch. Mit Maske mal eben im Supermarkt das Notwendige einkaufen – das ist für die Atemwegserkrankten nahezu unmöglich geworden.

Diejenigen, die ohnehin Schwierigkeiten beim Atmen haben, können nur erschwert durch eine Mund-Nasen-Bedeckung Luft holen. „Einige gehen gar nicht mehr raus“, sagt Marlene Dudanski, „wir müssen uns ja schützen. Aber ich kenne zum Beispiel eine Betroffene, die lässt sich von ihrer Tochter Lebensmittel ans Küchenfenster bringen und holt die dann rein.“

Seit 27 Jahren betreut die Lüdenscheiderin Betroffene: „Da macht man sowas mit viel Herzblut.“ Sie trägt einen selbstgenähten Mundschutz, wenn sie einkaufen muss, auch wenn sie durch den entsprechenden Pflegegrad Anspruch auf kostenlose Desinfektionsmittel, Atemschutz oder Handschuhe hat: „Aber man kriegt ja zeitnah nichts. Wenn wir einkaufen gehen, dann sehr früh am Morgen oder ab 13 Uhr. Das sind gute Zeiten, da ist der Laden leer.“

Mit Atemwegserkrankungen und einem Mundschutz in einer Warteschlange an der Wursttheke zu stehen, ist für die Betroffenen eine Qual, für Patienten, die an der chronischen Lungenkrankheit COPD leiden, nahezu unmöglich.

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