Astronaut Ulrich Walter begeistert in Lüdenscheid

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Astronaut, Wissenschaftler und begabter Geschichtenerzähler: Ulrich Walter erfreute sein Publikum im Kulturhaus mit einem lebhaften Vortrag. Der Titel der Veranstaltung: „In 90 Minuten um die Erde“.

Lüdenscheid - Hoch hinaus im Leben – das wollen viele. Höher als bei Ulrich Walter geht es aber kaum. Der gebürtige Iserlohner ist schließlich Astronaut. Am Wochenende war er in Lüdenscheid - und wusste seine Zuhörer bestens zu unterhalten.

Von Sebastian Schmidt

1993 flog Walter zusammen mit seinem deutschen Kollegen Hans Schlegel und fünf amerikanischen Astronauten an Bord der Raumfähre Columbia für zehn Tage ins Weltall. Als Mitglied der zweiten deutschen Spacelab-Mission betreute er dabei wissenschaftliche Experimente.

Doch Walter ist nicht allein Astronaut. Er ist auch Physiker und Professor. Inzwischen lehrt er Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München. Dazu ist er ein talentierter Redner und Geschichtenerzähler. Davon konnten sich jetzt im Kulturhaus gleich mehrere hundert Gäste bei einer internen Kundenveranstaltung der Sparkasse Lüdenscheid überzeugen.

Bei seinem Auftritt amüsierte Walter sein Publikum mit Anekdoten, zeigte spektakuläre Bilder, räumte Vorurteile über seine Branche aus und verriet Kurioses. Etwa über die Schwierigkeiten eines Toilettengangs im Raumshuttle. Neu könnte für seine Zuhörer wohl auch dies gewesen sein: „Wir Raumfahrer fliegen mit einem Schlauchboot ins Weltall“, so Walter.

Warum? „Weil wir bei der Rückkehr zur Erde bis zu zwei Tagen im Pazifik treiben können, bis der Hubschrauber kommt und uns rauszieht.“ Und wenn man während der Wartezeit Hunger bekommt? Kein Problem: „Die Nasa gibt uns neben Trinkwasser auch eine Angel mit. Die steckt in der Beintasche unseres Anzugs. Und im Pazifik gibt es viele Fische.“

Astronaut - ein Traumberuf? Nicht automatisch. Und nicht für jeden. „Vergessen Sie alles, was Sie über Raumfahrt gehört haben. Auch wir haben Plomben und Brillen. Und die Raumfahrt ist nicht immer schön. Natürlich, die eigentliche Mission ist schön, aber vor ihr steht ein langes, teils monotones Training.“ So die Worte Walters.

Er muss es wissen – für seinen zehntägigen Flug ins All hatte er eine fünfjährige Spezialausbildung in Deutschland und den USA zu absolvieren. Die Idee, Astronaut zu werden, kam Walter übrigens beim Fernsehabend mit seiner Frau: „Die Tagesschau berichtete damals über die Suche nach Wissenschaftsastronauten für den zweiten deutschen Spacelab-Flug.“ Walter bewarb sich. Und schaffte es am Ende – als einer von anfangs rund 1800 Kandidaten.

Und – entschädigen die persönlichen Erlebnisse im All für die Mühen der Vorbereitung? Das tun sie offenkundig. Die Fotos, die Walter aus 330 Kilometer Höhe von der Erde gemacht hat, belegen es. Ebenso, wie die teils leidenschaftlichen Schilderungen des Raumfahrers aus dem Sauerland. Welche Weltregionen sehen von oben am schönsten aus? Für Walter gibt es keinen Zweifel: „Die Wüsten sind am schönsten, dort, wo der Mensch nicht oder kaum vorkommt.“

Seine launige Empfehlung ans Publikum: „Das alles muss man mit eigenen Augen sehen. Fliegen Sie mal hoch.“ Das aber dürfte nicht ganz einfach werden – Weltraumtouristen müssen für einen Ausflug ins All schließlich 45 Millionen Euro einplanen.

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