Meinungen aus der Lüdenscheider Innenstadt

Astrazeneca? Warum nicht? Lüdenscheider hoffen auf schnelle Impfung

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Ute und Wolff-Dieter Theissen wollten versuchen, einen der kurzfristigen Impftermine zu bekommen.

Der Ansturm war erwartet gewaltig, als am Samstagmorgen Internetseite und Telefonleitungen freigeschaltet worden waren, auf denen sich über 60-Jährige in Nordrhein-Westfalen Termine für eine Impfung gegen das Coronavirus mit dem Astrazeneca-Wirkstoff sichern konnten. Auch in Lüdenscheid war das ein großes Thema, wie sich in Gesprächen in der Innenstadt zeigte.

Lüdenscheid – Der Ansturm war erwartet gewaltig, als am Samstagmorgen Internetseite und Telefonleitungen freigeschaltet worden waren, auf denen sich über 60-Jährige in Nordrhein-Westfalen Termine für eine Impfung gegen das Coronavirus mit dem Astrazeneca-Wirkstoff sichern konnten. Auch in Lüdenscheid war das ein großes Thema, wie sich in Gesprächen in der Innenstadt zeigte.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl 72.313 (Stand: 31.12.2019)

Lüdenscheider hoffen auf schnelle Impfung mit Astrazeneca

Gegen Mittag traf man Menschen, die glücklich waren, bereits einen der begehrten Termine ergattert zu haben, solche, die es bislang vergeblich versucht hatten und jene, die erst einmal abwarten, obwohl sie zur Altersgruppe gehörten. Aber es gab keinen, der nicht Bescheid wusste über die Möglichkeit, sich für die wegen des Impfstopps für Jüngere mit Astrazeneca verfügbaren Kapazitäten zu melden. Grundsätzlich impfen lassen wollen sich die meisten der Gesprächspartner – mit welchem der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe war für die meisten nebensächlich, da sie das Risiko zu erkranken höher einschätzten als das von Nebenwirkungen einer Impfung.

Eine 80-jährige Marktbesucherin zum Beispiel konnte gut verstehen, dass sich die Menschen so vehement bemühten, Termine zu bekommen. Sie selbst sei erleichtert, dass sie bereits geimpft sei und deshalb auch schon, bei aller gebotenen Vorsicht, Treffen mit Angehörigen möglich waren.

Ein 70-Jähriger berichtete wiederum, dass seine Frau und er abwarten, bis sie die Informationen bekommen, wann sie sich regulär anmelden können. „Wir können es noch erwarten“, sagt er. Das Ehepaar beschränke seine Kontakte seit dem vergangenen Jahr auf ein Minimum und halte sich an alles, was nötig sei, um sich nicht zu infizieren. Dabei hätten sie nie auf ihre Enkel verzichten müssen und auch der wöchentliche Marktbesuch gehöre zum Einkaufen dazu, darüber hinaus gebe es Lieferdienste.

Lüdenscheider hoffen auf schnelle Impfung: Auch ehemaliger Beigeordneter Theissen hat Termin

Lüdenscheids ehemaliger Beigeordneter Wolff-Dieter Theissen und seine Frau Ute haben am Morgen vergeblich versucht, Impftermine zu bekommen. Ute Theissen hat eine Strichliste geführt: 175 Mal habe sie die Hotline versucht anzurufen, während ihr Mann parallel im Internet unterwegs war. Dann haben beide sich erstmal mit dem Fahrrad auf den Weg in die Stadt gemacht. Er wolle es im Lauf des Tages noch einmal probieren, sagte Wolff-Dieter Theissen gegen Mittag. Aber wenn es nicht klappt, sei das auch nicht schlimm. „Wir nehmen’s, wie es kommt.“ Beide seien im Ruhestand und „uns persönlich geht es gut“, deshalb könne er die Aufregung an vielen Stellen nicht verstehen.

Ute Theissen sieht es ähnlich und betont: „Letzten Sommer hieß es von den Virologen, wir können froh sein, wenn wir nächstes Jahr Ostern überhaupt einen Impfstoff haben. Jetzt ist es Ostern und wir haben sogar mehrere gute Impfstoffe und jetzt geht es den Leuten nicht schnell genug.“ Das so viele Impfungen nicht gleichzeitig möglich seien, sei doch logisch. Natürlich habe es an der einen oder anderen Stelle gehakt und Probleme gegeben, sagt Wolff-Dieter Theissen. Aber es habe auch noch nie eine solche Pandemie gegeben, es sei doch völlig normal, dass man sich herantasten müsse und dass dabei Fehler und Irrtümer passieren. In anderen Ländern sei die Situation viel schlimmer. „Ich bin froh, in Deutschland zu leben.“

Lüdenscheider hoffen auf schnelle Impfung: Auch Impfskeptiker in der Bergstadt

Arnd Lüling erledigte seine Einkäufe auf dem Markt, nachdem er am Morgen auch bereits Erfolg hatte und für seine Frau und sich zwei der begehrten Impftermine ergattert hatte. Er selbst ist gelassen, aber er beobachte, dass die Stimmung im Land gekippt sei. Gerade durch das Hin und Her der vergangenen Wochen im Zusammenhang mit den Impfungen habe die Regierung massiv Vertrauen verspielt. Der Lüdenscheider Detlev Schulz sieht die Aufregung gerade um den Atrazeneca-Impfstoff ähnlich kritisch. Deshalb habe er sich jetzt auch nicht um einen Termin bemüht. Er wartet noch ab, werde sich aber auf jeden Fall impfen lassen.

Markthändler Wilhelm Hörnemann will darauf warten, bis auch die Hausärzte impfen. Solange nutzt er die Möglichkeit der wöchentlichen Tests und achtet an seinem Geflügelstand auf die Einhaltung aller Schutzbestimmungen, aber er sagt auch: „Wir alle sind doch froh, wenn alles wieder normal ist.“ Er habe selbst im vergangenen Jahr eine Corona-Infektion überstanden. Er weiß somit aus eigener Erfahrung, wie schlimm die Erkrankung sein kann und habe er überhaupt keine Bedenken, sich impfen zu lassen, egal mit welchem Wirkstoff. „Ich nehme, was ich kriege“, verlässt er sich auf seinen Hausarzt.

Zu den Impfskeptikern gehört Artur Karnieczek. Der Markthändler kann sich nicht vorstellen, dass es in der Kürze der Zeit möglich gewesen sein soll, verlässliche Stoffe zu produzieren, wo doch bei anderen Erkrankungen mitunter jahrzehntelang geforscht werde. Deshalb sagt er: „Ich werde mich nicht impfen lassen.“

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