Asbest im Rathaustunnel: so sieht es im Sperrbereich aus - Fotos und Video!

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Klare Warnung: Hier wurde Asbest verbaut.

Lüdenscheid – Seit Monaten ist der Rathaustunnel einseitig gesperrt. Doch die Sanierung ist wegen eines Asbest-Fundes ins Stocken geraten. Wir waren vor Ort und haben uns angesehen, was derzeit im Sperrbereich passiert.

Rot umrandet lässt das Warnschild an der gesperrten Tunnelröhre an der Altenaer Straße keine Fragen offen: Der Mund der darauf abgebildeten Figur „brüllt“ uns an, die Handfläche nach vorne ausgestreckt signalisiert sie: „Stop!“. „Asbestfasern!“ steht in dicker Schrift darunter. 

Doch stoppen werden wir hier nicht, heute geht's rein in den Sperrbereich – jedenfalls so weit wir dürfen. Denn dort gelten höchste Sicherheitsvorkehrungen. Immerhin sind die Fasern des Anfang der 70er-Jahre im Tunnel verbauten Stoffes giftig, wenn sie freigesetzt werden. 

Die Luft ist rein - jedenfalls zum Teil

Entwarnung im sogenannten Weißbereich: „Sie müssen nicht husten, die Luft wurde gemessen und ist frei von Asbest.“ Stephanie Schmitz und Carsten Spreemann sollten die Fakten kennen. Sie sind von Straßen.NRW als Projektleiter eingesetzt. Dennoch bleibt ein mulmiges Gefühl. Die großen Maschinen im Außenbereich dröhnen laut, aus der Wand aus Spanplatten dringen große weiche Rohre. Im Innern muss Unterdruck hergestellt werden, um den Asbest zu entfernen. 

Die Projektleiter gehen voran: Sachte schieben sie die Plane am Eingangsbereich zur Seite und blicken kurz rein: „Oh, wir warten noch einen Moment“, sagt Schmitz schnell und zieht die Plane wieder zu. Drinnen bereitet sich gerade einer der Monteure für die Schleuse vor: Völlig nackt. Denn Kleidung müssen die Männer für den Schwarzbereich – wo der Asbest abgetragen wird – ablegen. Sie darf nicht vergiftet werden. 

Asbest-Sanierung im Tunnel

Das Prozedere ist festgelegt: Bevor sie dort hineingehen, gibt‘s in der Schleuse eine Zwangsdusche. Sie tragen Atemschutzmasken und Anzüge, um sich vor den Asbestfasern zu schützen und diese später auch nicht mit hinauszutragen. 

Derzeit läuft noch die Probesanierung. Heißt: Straßen.NRW testet verschiedene Verfahren, wie der Asbest unter anderem aus Decke, Spachtelmassen und Farbbeschichtungen entfernt werden kann. Das soll noch knapp zwei Wochen dauern. Danach wird ein Sanierungskonzept für den ganzen Tunnel erstellt. Denn deutschlandweit gibt es für einen solchen Fall noch keins. 

Wie eine Quarantäne-Station

Im Weißbereich sind keine Schutzmasken nötig. Die Luft ist rein. Helme und Warnwesten genügen. Eigenartig fühlt sich der Besuch dennoch an. Umgeben von weißen Planen wirkt der Bereich wie eine Quarantäne-Station. „Ist's ja irgendwie auch“, erwidert Schmitz. 

Gearbeitet wird mit dem freigesetzt giftigen Material direkt nebenan: Im zwölf Meter langen luftdichten Raum. Nichts darf ohne Schutz hinein, nichts ohne Säuberung hinaus. Weder Menschen noch Materialien. Derzeit testen die Experten das Sandstrahlverfahren. Ohne Zweifel: Der Strahl der ein bis zwei Millimeter großen Körner, die den Asbest abtragen, ist nebenan immer wieder sehr deutlich zu hören. Die Wand ist dünn. 

Doch bis auf den leichten Druck auf den Ohren und das stetige Brummen der Maschinen ist im Weißbereich nicht viel los: An den Wänden hängen Kleidung, Handtücher und Atemschutzmasken. Körner für das Verfahren lagern dort, ein Heißluftgerät bläst warme Luft in den Schleusen-Bereich: „Die Arbeiter ziehen sich hier ja aus, da soll es nicht kalt sein“, sagt Schmitz. 

Ursprünglich sollten 2021 beide Tunnelröhren saniert sein. Der Asbest-Fund hat diesen Zeitplan unmöglich gemacht. Bevor die eigentliche Sanierung weitergehen kann – für jede Tunnelröhre ist ein Jahr vorgesehen – muss der Asbest raus. Straßen.NRW möchte sich derzeit noch nicht festlegen. Spreemann: „Klar, dass alles auf uns schaut. Wir wollen schnellstmöglich fertig werden und das werden wir auch.“

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