Nach Asbest-Fund

Es ist Asbest! Rathaus-Tunnel wird zur Sperrzone - Zutritt nur im Schutzanzug

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Luftschleusen, Schutzanzüge, Atemmasken: So sehen die Schutzmaßnahmen für eine Asbest-Sanierung aus (hier auf einer Baustelle in Hamm).

Lüdenscheid – Ursprünglich sollte die zweite Tunnel-Röhre Ende 2020 freigegeben werden, doch seit dem Baustopp kurz vor Ostern steht fest: Die Sanierung des Rathaus-Tunnels wird deutlich länger dauern als geplant. Das hat Gründe.

Bauarbeiter hatten „asbestverdächtige Materialien“, wie es der Bauherr Straßen.NRW formulierte, gefunden.In Abstimmung mit der Bezirksregierung Arnsberg wurde die Baustelle stillgelegt. Mittlerweile ist die östliche Röhre luftdicht verschlossen. 

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur größten Baustelle der Stadt. 

Bislang war nur von einem Asbestverdacht die Rede. Ist es denkbar, dass sich der Verdacht nicht bestätigt? 

Nein. Auf Nachfrage räumt Straßen.NRW ein, dass es sich in Lüdenscheid in jedem Fall um einen Asbestfund handelt. Asbestfasern gelten als krebserregend und können die Staublungenkrankheit auslösen.Schmale Asbest-Streifen befinden sich an der Tunnel-Decke. Sie sind verputzt und verschmutzt und wurden erst im Laufe der Bauarbeiten entdeckt. Daraufhin wurde die Baustelle stillgelegt. 

Muss der Asbest entfernt werden?

Eine Asbestsanierung ist in jedem Fall erforderlich, heißt es von Straßen.NRW. „Es besteht eine Sanierungspflicht, wenn Asbest gefunden wird.Ansonsten hätten unsere Nachfahren in 30 Jahren ja dasselbe Problem“, sagt Bauleiter Carsten Spreemann. Wie umfangreich die Sanierungsmaßnahme ausfällt, hängt davon ab, welche Asbest-Mineralien im Rathaus-Tunnel verbaut wurden. Um das herauszufinden, wurden Proben in der östlichen Tunnel-Röhre genommen. Diese werden derzeit ausgewertet. Ergebnisse sollen spätestens in der übernächsten Woche vorliegen. 

Bestehen Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung? 

Nach Aussage von Straßen.NRW geht von dem in der Tunnel-Röhre gefundenen Asbestkeine Gefährdung für die Bevölkerung aus, da die Asbestfasern in gebundener Form vorliegen. „Gefährlich wird es erst, wenn der Asbest bearbeitet wird und die Fasern freigesetzt werden“, sagt Bauleiter Spreemann. 

Warum wurde die betroffene östliche Tunnel-Röhre dann trotzdem schon zur Sperrzone erklärt und luftdicht verschlossen? 

Es handelt sich zunächst um eine von der Bezirksregierung angeordnete Vorsichtsmaßnahme, da bis zum Fund des Asbestmaterials regulär auf der Baustelle gearbeitet wurde. Zudem wurden bei der Probenentnahme asbestbelastetes Material angebohrt. 

Die östliche Tunnel-Röhre ist abgedichtet. Die westliche Fahrbahn bleibt für den Verkehr geöffnet.

Durch das Verschließen der Röhre soll sicher verhindert werden, dass die luftgängigen Fasern in die Umgebung gelangen. Das Holzgerüst, mit dem beide Eingänge der östlichen Tunnel-Röhre verschlossen sind, ist zudem bereits so konzipiert, dass es alle Anforderungen für eine anstehende Schadstoffsanierung erfüllt. 

Welche Schutzmaßnahmen gelten für die östliche Tunnel-Röhre? 

Das Betreten ist nur in Schutzanzügen und mit Atemmaske erlaubt. Zudem wird es – sobald die Sanierung beginnt – Luftschleusen und -kammern in dem Tunnel geben. 

Fotostrecke zur Tunnel-Sanierung

Die Schutzkleidung muss nach jedem Einsatz als Sondermüll entsorgt werden. Den auf der Baustelle bis zum Baustopp eingesetzten Arbeitern ist es freigestellt, sich auf eine mögliche Belastung mit Asbest untersuchen zu lassen. Allerdings seien Asbestfasern erst nach einer längeren Zeit im Körper nachweisbar, erklärt Straßen.NRW. 

Verzögert sich die Fertigstellung des Rathaus-Tunnels durch den Asbest-Fund?

Ja. Dass es Verzögerungen geben wird, steht für Carsten Spreemann außer Frage. Auch die Kosten für die bislang mit 12,7 Millionen Euro veranschlagte Baumaßnahme werden durch die Verzögerung und die anstehende Asbest-Sanierung steigen. Die ausführende Baufirma hat nach dem Baustopp zudem eine sogenannte Behinderungsanzeige gestellt, um weitergehende Ansprüche geltend machen zu können. 

Wie geht es jetzt weiter? 

Am Montag, 13. Mai, gibt es einen Abstimmungstermin mit allen beteiligten Stellen, bei dem das weitere Vorgehen besprochen wird. Dann sollen auch die Probenergebnisse vorliegen. Auf dieser Grundlage wird dann das neue Sanierungskonzept erstellt. Neben Mitarbeitern von Straßen.NRW, der Stadt Lüdenscheid und von Spezialfirmen sind auch Vertreter der Bezirksregierung und der Berufsgenossenschaft dabei. „Für uns ist eine solche Sanierung aufgrund des großen Luftvolumens im Tunnel komplettes Neuland. Ich bin froh, dass wir so viele Experten mit am Tisch haben“, sagt Bauleiter Spreemann. Es sei „eine Herausforderung für alle Beteiligten“. 

Was passiert während der Asbest-Sanierung mit der westlichen Röhre? 

Obwohl sie baugleich und ebenfalls belastet ist, bleibt die westliche Röhre des 342 Meter langen Tunnels zunächst für den Verkehr geöffnet. Hier liege der Asbest in gebundener Form vor, sodass keine Gefahr bestehe, heißt es von Straßen.NRW. Nach Abschluss der Schadstoffsanierung wird die östliche Röhre freigegeben und der westliche Teil gesperrt. Anschließend muss auch hier der Asbest entfernt werden.

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