Impf-Appell auch an Kinder und Jugendliche

Arzt schreibt Wutbrief: Impfverweigerer müssen „rigorose Einschränkungen“ hinnehmen

Dr. Martin Junker, Hausarzt und Bezirksstellenleiter Lüdenscheid der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), hat einen Appell zur Corona-Impfung geschrieben. Er richtet sich an Erwachsene, Jugendliche und Kinder. Mit Impfverweigerern geht er hart ins Gericht.

Junker beginnt seinen Appell ganz harmlos: „Nur durch eine hohe Impf-Rate werden wir den persönlichen Risiken des Einzelnen wie auch den Risiken persönlicher Lebensqualität und vielfältiger, wirtschaftlicher Existenzen entgehen können“. Dann aber folgt der erste Seitenhieb auf Menschen, die sich noch nicht zu einer Corona-Impfung durchringen können.

KreisMärkischer Kreis
Fläche1061,06 Quadratkilometer
Einwohner408.662 (31. Dez. 2020)

„Mit welcher ernst zu nehmenden Begründung kann man sich da, auch in der Verantwortung gegenüber der Familie, den Nachbarn, den vielen wirtschaftlich bedrohten Berufsgruppen verweigern? Ist die persönliche Freiheit von 10 bis 15 Prozent der Menschen mehr wert als die von den 85 Prozent, die in Lockdown, in Ausgehverbot, in die kulturelle und Bildungs-Wüste geschickt werden, die in ganzen Berufszweigen gefährdet sind?“

Es sei verständlich, dass sich die Ständige Impfkommission (StiKo) aus freien, unabhängigen Wissenschaftlern bestehend, erst nach Vorliegen von großen Erfahrungszahlen entscheidet. Junker: „Aber können wir uns erlauben, darauf zu warten? Immerhin handelt es sich bei allen Covid-19-Impfungen um dafür lange zugelassene ‚Medikamente‘.“ Junker setzt sich permanent fürs Impfen ein - nicht nur bei Corona. Einen Lüdenscheider Arzt, der sich skeptisch äußerte, griff er öffentlich an.

„Schon lange müssen sich Gesundheitsberufe gegen Hepatitis impfen lassen, und wie andere Berufsgruppen gegen Masern – zu recht! Wo blieb da der Freiheits-Aufschrei? Mit welcher Begründung auch?“, schreibt der Hausarzt, der eine Praxis in Olpe betreibt. „Offensichtlich sind die Politiker jeglicher Couleur zu feige (vor der Wahl), eindeutig zu sagen: wer sich die Freiheit nimmt, sich nicht impfen zu lassen, muss von der Multiplikation der Pandemie, der Verbreitung ausgeschlossen werden, muss sich auf eigene Kosten mindestens drei Mal pro Woche testen lassen, kann sonst nicht an Veranstaltungen, Restaurant- und Kneipenbesuchen ohne Test teilnehmen, muss rigorose Einschränkungen seiner Freiheit zugunsten der Geimpften hinnehmen.“

Junkers Vorschlag: „Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sollten sich schnellstens auf eigenen Wunsch und mit Zustimmung der Eltern mit Biontech und andere impfen lassen, damit sie nicht im kommenden Schuljahr nicht aufzuholende Bildungsnachteile und „Freiheitsberaubungen“ erleiden müssen“. Leider habe man anderthalb Jahre versäumt, die Schulklassen und Gemeinschaftseinrichtungen mit einfachen UV-C-Filtern (statt unsinnigem Kältelüften) auszurüsten.

Nach den Worten von Ärzte-Vertreter Junker sind „die Impfzentren, Kinder- und Jugendärzte, Hausärzte in der Lage und bereit, allen ihre Freiheiten wieder zu geben.“ Auch die bisher zögernden Erwachsenen sollten die problemlosen Impfangebote schleunigst nutzen, rät der Mediziner. „Der Nutzen und die geringen Nebenwirkungen, wenn überhaupt, sind längst bewiesen; die Long-Covid-Gesundheitsprobleme nach eigener Kenntnis fürchterlich.“

Junker musste nach eigenen Angaben in seiner Praxis sogar Impfdosen wegschmeißen. „Wenn weltweit es an Impfstoff fehlt, besonders in ärmeren Ländern, tut es in der Seele weh, wenn wir in der eigenen Praxis über 600 Dosen Impfstoff vernichten müssen (auch wegen Verweigerern), da wir das „Eigentum des Bundes“ mangels Kompetenz, Kooperation und wegen überzogener Bürokratie wegwerfen müssen, wie allzuviele andere Praxen auch“, schreibt der Bezirksstellenleiter der KVWL.

Er appelliert an alle Ungeimpften: „Bitte wenden Sie sich an Ihre Haus- und Kinder- und Jugendärzte, an die Impfzentren in Iserlohn, Lüdenscheid, Attendorn, Siegen und lassen Sie sich impfen!“ Impftermine seien bei den niedergelassenen Ärzten meist schon online rund um die Uhr buchbar oder sogar akut auf direkte, telefonische Anfrage. Junker abschließend: „Ein kleiner Pieks – er gibt uns allen wieder die Freiheit und sichert die Gesundheit – Ihnen und all Ihren Lieben!“

Rubriklistenbild: © Daniel Schröder

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