Privilegierung befürchtet

Arzt will 10.000 Euro für Viren-Filter an Gymnasium im MK spenden - Stadt lehnt ab

In der Praxis von Dr. Jörn Tornow stehen inzwischen auch Virenfilter-Geräte, die sich im Alltagsbetrieb bewährt hätten, wie der Arzt betont.
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Dr. Jörn Tornow ist mit der Leistung der Viren-Filter in seiner Praxis so zufrieden, dass er inzwischen auch privat welche angeschafft hat.

Dr. Jörn Tornow möchte gerne Geld spenden. Aber das ist – nach längerem Hin und Her – ausdrücklich nicht erwünscht. „Es war ein wenig deprimierend“, sagt der frustrierte Mediziner über sein Gespräch mit der Stadtverwaltung. Inzwischen hat das Thema die Politik erreicht.

Lüdenscheid - Luftfilter-Geräte möchte er stiften. Die sollten, so hatte er es sich gedacht, im Zeppelin-Gymnasium Viren aus Klassenräumen filtern. Freunde aus dem Rotary-Club hätten direkt signalisiert, die geplante 10 000-Euro-Einzelspende aufzustocken. Damit, so zeigte sich der Klinikdirektor der Berglandklinik überzeugt, könne man schon ein gewisses Kontingent an Geräten anschaffen. Denn mehrere tausend Euro müsse man für ein funktionierendes Gerät nicht ausgeben: Für rund 500 Euro, das habe seine Recherche ergeben, bekomme man geprüfte und ausreichend sichere Geräte mit einem Hepa H 13- oder Hepa H 14-Filter.

Damit habe er auch seine Praxis ausgestattet, sagt der Frauenarzt, der auch nach der aktuellen Corona-Pandemie einen dauerhaft praktischen Nutzen in den Filtern sieht – zu den üblichen Grippezeiten sowieso, aber auch übers Jahr bei Allergien gegen Pollen oder Staub. Die Geräte seien geräuscharm und leistungsfähig. „Natürlich müssen wir noch lüften, das ist das Wichtigste“, betont der Mediziner. Aber Filtergeräte gäben eine zusätzliche Sicherheit.

Stadt möchte keine „Privilegierung des Stabergs“

„Er will die Sicherheit für seine Kinder optimieren“, kontert hingegen Matthias Reuver. Man wolle aber keine Privilegierung des Stabergs, nur weil die Eltern sich das leisten könnten. Also lehnt der Fachbereichsleiter Jugend, Bildung, Sport den Spendenvorstoß ab. Diese städtische Haltung habe man in einem gemeinsamen Gespräch mit Bürgermeister Sebastian Wagemeyer deutlich gemacht und Dr. Tornow vorgeschlagen, „seine Spende zu sozialisieren“. Der Arzt formuliert es etwas anders: Er möge „alle Schulen oder keine“ unterstützen, habe es geheißen. Für alle Lüdenscheider Schulen reicht jedoch die beabsichtigte Privatspende beim besten Willen nicht.

Grundsätzlich für alle Schulen ist hingegen ein Förderprogramm des Landes NRW gedacht – sofern bestimmte Bedingungen zutreffen. Das zuständige Ministerium hat bereits im November ein 50-Millionen-Euro-Sonderprogramm zum Erwerb mobiler Luftfiltergeräte für Schulen und Sporthallen aufgelegt. Für Räume, die nicht ausreichend belüftet werden können, sollen Schulen mit Fördermitteln Luftreinigungsgeräte anschaffen können. Welche das sein müssen, schreibt das Land nicht vor, nur, dass sie Hepa-Filter der Klasse H 13 oder H 14 haben müssen. Das Land fördert bis zu 100 Prozent der Maßnahme, höchstens aber 4000 Euro je Gerät. Zusätzlich wird für jedes geförderte mobile Luftreinigungsgerät pauschal ein einmaliger Zuschuss in Höhe von 500 Euro für Betrieb und Wartung gewährt.

An dieser Maximal-Summe orientiert sich die Stadtverwaltung. Billigere Geräte, urteilt Reuver, seien nicht geeignet, das hätten auch ZGW-Ingenieure berechnet. In der offiziellen Absage, die am frühen Donnerstagabend bei Dr. Tornow eintraf, liest sich das so: „Eine Rückfrage bei der Bezirksregierung Arnsberg hat zunächst ergeben, dass die von Ihnen vorgeschlagenen Geräte zwar grundsätzlich zulässig sind, eine fachliche Expertise aus unserem Haus ist jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass die von Ihnen favorisierten Geräte für den Bedarf in Schulen nicht ausreichend geeignet sind.“ Die Stadt ergänzt das durch einen Anhang mit Beispielrechnung und Anmerkungen. „Er wird das trotzdem nicht verstehen“, sagte Matthias Reuver im LN-Gespräch dazu.

Die Stadt Lüdenscheid hat sich derweil selbst um Luftreinigungsgeräte gekümmert. Zu dem Zweck nutzt sie das Förderprogramm des Landes (siehe Kasten). Einen Ausweg habe Reuver ihm dennoch aufgezeigt, sagt Dr. Tornow. „Wenn Sie etwas stiften wollen, müssen Sie Ihre Kinder auf eine Privatschule schicken“, habe man ihm gesagt: „Ich finde das alles sehr sonderbar.“

In ihrem Ablehnungsschreiben gibt die Stadt allerdings ihrer Hoffnung Ausdruck, dass man „hinsichtlich weiterer möglicher Optionen“ bezüglich der Spendenbereitschaft im konstruktiven Gespräch bleiben möge, natürlich „vor dem Hintergrund der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit aller Lüdenscheider Schülerinnen und Schüler“.

Allein mit dem Fördervereinsvorsitzenden des Zeppelin-Gymnasiums, Frank Zacharias, hatte bis dato niemand gesprochen. „Ich würde mich offen zeigen für eine zweckgebundene Spende“, lautet dessen spontane Reaktion – vorbehaltlich einer rechtlichen Prüfung, ob es diesbezüglich für den Förderverein Beschränkungen gebe. Zumindest Fördervereine dürfen – und das ist satzungsgemäß verbrieft – ausdrücklich nur ihrer Schule und den Schülern Gutes tun.

Nachtrag: Abgelehnte Spende wird am Abend Thema im Ausschuss

Nachtrag 26. Januar, 11.35 Uhr: Hohe Wellen schlug die obige Berichterstattung über die städtische Ablehnung einer privaten Spende für das Zeppelin-Gymnasium durch Dr. Jörn Tornow in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Montag im Kulturhaus. CDU-Fraktionschef Oliver Fröhling setzte das Thema über eine Anfrage kurzfristig auf die Tagesordnung.

Bürgermeister Sebastian Wagemeyer fand „den Zeitungsartikel befremdlich.“ Er finde es „schwierig, aus internen Gesprächen in dieser Art und Weise nach außen zu gehen.“ Die Antwort der Stadtverwaltung sei zudem verkürzt wiedergegeben worden. „Hätte man die ganze Antwort, würde – glaube ich – auch ein anderer Eindruck davon entstehen, wie Verwaltung an der Stelle geantwortet hat.“ Wagemeyer wollte das Antwortschreiben in der Sitzung allerdings nicht selbst verlesen, „weil ich nicht in dieselbe Kerbe treten möchte“. Der Bürgermeister stellte sich zudem vor seine Mitarbeiter, insbesondere vor den Fachbereichsleiter Matthias Reuver. Ihm würde in der Darstellung „ja fast schon eine ideologische Haltung unterstellt.“ Dagegen verwehre er sich.

Reuver selbst betonte, dass „wir als Schulträger die gesamte Schullandschaft im Blick haben“ müssen. Es sei ein substanzieller Unterschied, „ob man eine unterschiedliche Ausstattung an Tablets habe, oder ob wir jetzt anfangen, ein Mehrklassensystem bei der Gesundheitsprävention zu schaffen“. Reuver zur Ablehnung des Spendenangebots: „Gesundheit ist ein Grundpfeiler des Sozialstaatsprinzips. Da sollten wir nicht dran rütteln.“

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