Vorträge zu Herzerkrankungen

„Herz in Gefahr" – Arzt-Patienten-Seminar im Kulturhaus

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Herzensangelegenheit: Rolf Sammet (Dt. Herzstiftung), Ralf Jurka (AOK), Prof. Dr. Bernd Lemke und Dr. Harilaos Bogossian (von links) laden ein zum Arzt-Patienten-Seminar im Kulturhaus.

Lüdenscheid - Ist es der Rücken, ein Zahn, starker Muskelkater oder doch vielleicht das Herz? „Die Patienten sind noch nicht genug sensibilisiert“, sagt Kardiologie-Oberarzt Dr. Harilaos Bogossian im Klinikum Hellersen: „Da haben wir noch viel zu tun.“

Der nächste Schritt auf diesem Weg steht in dieser Woche an: Klinikdirektor Prof. Dr. Bernd Lemke und seine Abteilung laden gemeinsam mit der AOK und der Deutschen Herzstiftung zum nächsten Lüdenscheider Arzt-Patienten-Seminar „Herz in Gefahr – Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt“ ins Kulturhaus ein. Die Veranstaltung findet am Samstag von 9 bis 13 Uhr im Kulturhaus statt. Schirmherr ist Bürgermeister Dieter Dzewas, der auch zum Auftakt sprechen wird.

Mit unterschiedlichen medizinischen Vorträgen möchte man nicht nur Menschen erreichen, die bereits erkrankt sind. Wichtiger ist den Medizinern, das Bewusstsein für Vorsorge und Warnsignale zu schärfen. Deshalb gehört auch ein Stand der Hirsch-Apotheke, an dem Blutzucker, Blutdruck und Cholesterin gemessen werden, zum Angebot.

Man habe viel erreicht in den vergangenen zehn Jahren, betont Prof. Lemke: Man habe die Sterblichkeit verringern, die Aufklärung verbessern können. Optimierte Abläufe und eine Rundum-Bereitschaft sorgen dafür, dass ein Mensch, der mit Verdacht auf Herzinfarkt eingeliefert werde, innerhalb kürzester Zeit, ohne Umweg über die Notaufnahme, behandelt werden könne. Die Behandlungszeit im Krankenhaus nach einem Herzinfarkt wurde verkürzt, die Bedeutung von Sport bei der Reha erkannt. Man setzt vorbeugend bei den Risiken – hoher Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, Rauchen – an.

Gegen die Unvernunft der Menschen allerdings scheint noch kein Mittel gefunden: Raucher mit Herzinfarkt, die unverdrossen weiter rauchen – da kann auch AOK-Sprecher Ralf Jurka nur den Kopf schütteln und lediglich auf Möglichkeiten der Kasse verweisen, Anreize für Entwöhnungskurse zu schaffen. Immerhin: Bei jungen Rauchern scheint’s etwas zu nutzen. „Verstehen ist die eine Sache,“ weiß Prof. Lemke aus langjähriger Erfahrung, „Verhaltensänderung die andere.“ Dass „Herz und Seele“ untrennbar miteinander verbunden sind, ist mittlerweile ebenfalls mehr in den Fokus der Forschung gerückt. Der Zusammenhang zwischen Stress und Herzerkrankungen sei offensichtlich, sagt Prof. Lemke und freut sich, dass am Samstag mit Dr. Gerhard Hildenbrand ein weiterer Fachmann aus dem Klinikum die psychosomatischen Aspekte der koronaren Herzerkrankung erläutert.

Auch die Dortmunder Herzchirurgie, mit der das Klinikum eng vernetzt ist, ist durch den Referenten Priv.-Doz. Dr. Ralf Krakor vertreten.

Und noch etwas wollen die Mediziner mit ihrer Aufklärung erreichen: Die Hemmschwelle, bei Alarmzeichen den Krankenwagen zu rufen, soll sinken. „Die Sorge, dass man sich lächerlich macht, spielt bei einigen doch eine Rolle“, hat Prof. Lemke festgestellt. Zumal, wenn der Schmerz nur kurz aufflammt und wieder verschwindet, hielten immer noch viele Betroffene damit das Problem für verschwunden.

Deshalb gilt es auch im mittlerweile 12. Arzt-Patienten-Seminar vor allem eine Erkenntnis nachhaltig zu vermitteln, so Prof. Lemke: „Der größte Zeitverlust tritt durch den Patienten auf. Wenn die Beschwerden innerhalb von fünf Minuten nicht zurückgehen, sollte man 112 anrufen.

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