Er sprach sich für die Coronaschutzimpfung aus

Arzt im Visier von Impfgegnern: Hassmails und schlechte Bewertungen 

Für eine Covid-19-Impfung können Zuhauselebende über 80-Jährige Hessinnen und Hessen ab Mittwoch Termine vereinbaren.
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Das Für und Wider der Covid-19-Impfung: Die Debatte hat sich verschärft.

Ein Arzt sprach sich für die Corona-Schutzimpfung aus. Dadurch geriet er ins Visier von Impfgegnern.

Lüdenscheid - Dr. Martin Junker sprach sich in unserer Zeitung deutlich für die Corona-Schutzimpfung aus und kritisierte Impfgegner, die sich gegen die Corona-Impfung positionierten. Junker war der einzige Arzt, der sich im Zuge unserer Recherche öffentlich zur Problematik der Impfkritiker in der Ärzteschaft äußern wollte. Als Folge der klaren Positionierung ist der Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Lüdenscheid ins Visier von Impfgegnern geraten. (News zum Coronavirus im MK)

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)

Arzt attackiert Gegner der Corona-Impfung: Jetzt ist er Opfer von persönlichen Attacken

Ziel der persönlichen Attacken war unter anderem die Bewertung seiner Praxis in der Suchmaschine Google. Binnen weniger Tage rutschte die Note hier auf 1,7 von fünf Sternen herunter. Wildfremde Personen, die die Praxis nie besucht hatten, hinterließen schlechte Bewertungen und attestierten dem Mediziner unter anderem Größenwahn und Überego – inzwischen wurden einige Negativkommentare wieder gelöscht.

Auch im Postfach der Arztpraxis gingen zahlreiche diffamierende E-Mails ein, wie Dr. Junker berichtet: „Das war durchweg unter der Gürtellinie.“ Was ihn freute, war der Zuspruch vieler Ärztekollegen, die ihm unter der Hand für seine öffentliche Stellungnahme gegen Impfkritiker dankten.

Anlass für die Anfrage unserer Redaktion bei der KVWL war eine Stellungnahme des Lüdenscheider Lungenfacharztes Dr. Martin Wylicil, der auf seiner Praxis-Homepage die Entwicklung eines Coronaimpfstoffes mit verkürztem Zulassungsverfahren als „riskant und nicht zielführend“ einstufte und auf den Verein „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ verwies.

Die KVWL wiederum leitete die Anfrage an ihren Bezirksstellenleiter – ein Ehrenamt – weiter. Gegenüber unserer Zeitung betont Junker, dass er in den Antworten auf die Fragen zur „Impfskepsis gegenüber einer Corona-Impfung im Allgemeinen wie auch in einem speziellen Fall persönlich, nicht als ehrenamtlicher Mandatsträger der Kassenärztlichen Vereinigung, Stellung“ genommen habe.

„Weiß um die Wirksamkeit und Wichtigkeit von Impfungen aller Art“

Zu dieser persönlichen Meinung stehe er weiterhin: „Aus über 43-jähriger hausärztlicher Tätigkeit weiß ich um die Wirksamkeit und Wichtigkeit von Impfungen aller Art und ihrer möglichen Nebenwirkungen. Wesentliches habe ich dazu nie gesehen – auch nicht bei den bisherigen Corona-Impfungen.“ Nach ebenfalls anfänglicher, persönlicher Skepsis gegenüber den verfügbaren Corona-Impfstoffen müsse er „heute gemäß den gewonnenen, eigenen Erkenntnissen ein solche Impfung absolut befürworten.“

Wenn in jedem Fall eine langjährige Entwicklungszeit gefordert worden wäre, so gebe es heute noch Seuchen wie die Pocken, Diphtherie und andere, „für die, im heroischen Selbstversuch oder mit freiwilligen Probanden, von Ärzten Impfungen gefunden und entwickelt wurden, womit schwerste Krankheiten ausgerottet wurden – zum Teil auch mit Impfpflicht“.

Dr. Junker: Klärendes Gespräch mit Lungenfacharzt aus Lüdenscheid

Junker betonte, dass mit dem Lüdenscheider Pneumologen „von mir inzwischen ein sehr freundliches, kollegiales, klärendes Gespräch geführt wurde, wobei ich seinen persönlichen Standpunkt nicht zu kritisieren habe; zumal er absolut kein Impfgegner ist, wie er versichert.“ Auf die öffentliche Wahrnehmung habe er aber hinweisen müssen, sagt Junker: „Mein Eindruck war, dass damit die unglücklich gelaufene Diskussion einen Abschluss gefunden haben sollte.“

Mit Bezug auf die Berichterstattung, die bundesweit Beachtung fand, merkt der Familienarzt an, dass er „nie über eine juristische Verfolgung des Kollegen gesprochen“ habe. Die ärztliche Berufsordnung, über die die Ärztekammer wacht und die er angesprochen habe, habe „aber auch gar nichts mit dem bürgerlichen Strafrecht zu tun.“ Seine in Leserbriefen und sozialen Netzwerken häufig kritisierte Äußerung „da sträuben sich mir die Nackenhaare“ beziehe sich „nachweislich auf medizinische Berufe, die aktiv Patienten vor Impfungen warnen, sie negativ zu beeinflussen suchen.“ Dies treffe ausdrücklich auf den Kollegen nicht zu, der mit dem Zitat auch nicht gemeint gewesen sei.

Dr. Junker will sich auch weiterhin für eine breite Akzeptanz von Impfungen einsetzen – gerade in der jetzigen Pandemiesituation. Es gehe darum, die 20 bis 30 Prozent unentschlossenen Teile der Bevölkerung für die Impfung zu gewinnen. „Impfen schützt – Impfen rettet Leben. Dies gilt auch für die Corona-Schutzimpfung“, betont der Olper Familienarzt. Hier, wie bei allen von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen, seien mögliche Risiken und „Schäden aller Art durch den Staat versichert und abgedeckt.“

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