Regionalplan Arnsberg

Neues Gewerbegebiet in direkter Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet geplant

Brenscheider Straße Gewerbegebiet Regionalplan Arnsberg
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Blick von der Brenscheider Straße Richtung Waldfriedhof Piepersloh. Parallel zur Werkshagener Straße schlägt der Regionalplan Gewerbeansiedlung vor.

Die Gewerbeflächenvorschläge im Regionalplanentwurf für den Kreis bergen Zündstoff. Die Vorschläge sehen Lüdenscheider Industrieansiedlungen künftig in Halver und in der Nachbarschaft eines Naturschutzgebietes.

Lüdenscheid Der Druck ist groß, aber offensichtlich nicht so groß, dass Städte und Gemeinden, Bürger und Verbände jeden Vorschlag der Bezirksregierung Arnsberg zur Ausweisung neuer Gewerbeflächen akzeptieren. In dem aktuell ausliegenden Regionalplanentwurf schlägt Arnsberg nicht nur ein interkommunales Gewerbegebiet von Lüdenscheid (16 Hektar) und Halver (fünf Hektar) in Halver (Oeckinghausen-Süd) vor, sondern unter anderem auch eine rund 70 Hektar große Fläche im Bereich Brenscheid/Oelken (parallel zur Werkshagener Straße).

In Halver regt sich bereits deutlicher Widerstand; in Lüdenscheid arbeiten Naturschutzverbände gerade an einer Stellungnahme gegen die Brenscheid-Pläne. Am Mittwoch, 10. März, steht der Regionalplan auf der Tagesordnung der gemeinsamen Ausschuss-Sitzung Stadtplanung und Umwelt/Klimaschutz (17 Uhr, Kulturhaus). Dann will Martin Bärwolf, Fachbereichsleiter Planen und Bauen, die städtische Sicht erläutern und der Politik dazu „einen schönen Vorschlag“ machen. Das sagte er am Freitag auf Nachfrage. Man wolle dem Ausschuss „mehrere Steckbriefe plus Ersteinschätzung“ vorlegen.

70 Hektar, das entspricht einer Fläche von umgerechnet etwa 99 Fußballfeldern. Das Gewerbegebiet Rosmart umfasst 40 Hektar. Lüdenscheids Bedarf an Gewerbeflächen bis 2040 beläuft sich noch auf 118 Hektar. Diese Wünsche hatte Arnsberg zu Beginn der Arbeit am Regionalplan abgefragt – und sie auf diese Weise gelöst. Nach welchen Kriterien dort die Ausweisung neuer Gewerbegebiete erfolgt, dazu gab es am Freitag keine Auskunft in Arnsberg mehr.

„Relativ überrascht“

Dass unter anderem 16 Hektar neuer Gewerbefläche für Lüdenscheid demnach in Halver entstehen sollen, stößt allerdings dort wie hier auf Verwunderung. „Wir haben damit nichts zu tun gehabt. Wir sind relativ überrascht davon, dass Arnsberg das gemacht hat“, sagt Lüdenscheids Stadtsprecherin Marit Schulte. Ähnlich überrascht zeigt sich Halvers Bürgermeister Michael Brosch. Der Ansatz sei alles andere als glücklich, sagte er im Gespräch mit der Redaktion. Er könne sich nicht vorstellen, eine der schönsten Flächen für ein interkommunales Projekt zu opfern. Zugleich verweist er aber auch auf die politische Bewertung des Rats, die ausstehe und Grundlage der städtischen Stellungnahme zum Plan sein werde.

„Die Bezirksregierung denkt in die Region“, sagt hingegen Martin Bärwolf. Das bedeute nicht, dass Lüdenscheid irgendwann ein Gewerbegebiet etwa in Menden zugewiesen bekommen könnte: „Es macht Sinn, dass sich das auf aneinandergrenzende Kommunen bezieht.“ Zugleich warnt er davor, Gewerbeflächen vor Ort abzulehnen und lieber auf die Nachbarn zu schauen.

So oder so muss der Brenscheid-Vorschlag vor der Stellungnahme nun diskutiert werden. Natürlich, so Bärwolf, gehe es immer um eine sachgerechte Abwägung aller Belange. „Wir haben Verantwortung gegenüber den Arbeitnehmern und der Natur.“ Durch die Bachläufe und die Hänge sei der Arnsberger Entwurf für Brenscheid nicht 1:1 umsetzbar. Ohnehin seien es nur Optionsflächen, Vorratsflächen: „Man muss die nicht bebauen.“ Für ihn gehört zu dem vielschichtigen Thema Gewerbeflächen letztlich eine neue Art zu bauen, ideenreiche Architektur, weg vom alten Denken: „Flächensparendes Bauen wird künftig eine größere Rolle spielen.“

In rund drei Wochen zieht nun erst einmal das Naturschutzzentrum MK ins idyllische Brenscheider Tal. Nach aufwendigem Umbau ist der Weg frei für den Naturerlebnishof Stilleking Oelken, der an dieser Stelle künftig auch umweltpädagogische Angebote umsetzen möchte. Hans Obergruber, Leiter des Naturschutzzentrums, kennt die Gewerbeflächenpläne für seine neue Nachbarschaft. „Ich weiß gar nicht, wer sich das ausgedacht hat“, sagt er: „Das kann doch nicht ernst gemeint sein.“ Die Naturschutzverbände erarbeiteten gerade eine Stellungnahme. „Das geht nicht“, ist er überzeugt, auch schon allein von der Topografie her: „Da geht’s ganz wild runter. Will man einen Höhensprung von 30 Metern anschütten?“

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