Wer ist besonders gefährdet?

Armutsbericht: Man kann in Lüdenscheid auch verhungern

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Horst Löwenberg bei seinem Gastauftritt bei der Lüdenscheider Linkspartei.

Lüdenscheid - Horst Löwenberg teilt bei seinem Gastauftritt bei der Lüdenscheider Linkspartei mit: Armut in Deutschland ist kein Mythos, sondern existiert und ist statistisch nachweisbar. Er erklärt, wer besonders gefährdet ist und warum Menschen in Deutschland in Armut leben.

Armut in Deutschland – nur ein Mythos unter Linken? Weit gefehlt. Die Armut in Deutschland existiert und ist an Statistiken ablesbar. Diese Botschaft jedenfalls hatte Horst Löwenberg bei seinem Gastauftritt bei der Lüdenscheider Linkspartei parat. Markante Zahl dabei: Fast 14 Millionen Menschen in Deutschland sind arm.

So zumindest steht es im Armutsbericht 2018 des Paritätischen (früher Paritätischer Wohlfahrtsverband). Löwenberg ist Geschäftsführer des Paritätischen im Märkischen Kreis und stellte besagten Armutsbericht in dieser Woche im Linken Zentrum am Knapp vor. Rund ein Dutzend Besucher war erschienen.

Zur Erinnerung: Der Paritätische ist Dachorganisation für soziale Einrichtungen, darunter Kindertagesstätten, Behinderten-Vereinigungen, Kinderschutz-Verbände, Frauenberatungsstellen oder auch Migranten-Gemeinden. Wohlgemerkt: Es ging an diesem Abend nicht um eine absolute Armut wie etwa in Ländern Asiens oder Afrikas.

Sondern um eine „relative“ Armut, die bezogen ist auf die wirtschaftlichen Maßstäbe in Deutschland und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verhindern und materielle Not bedeuten kann. Nach dieser Definition gelten laut Löwenberg Einzelpersonen in der Bundesrepublik als arm, wenn sie weniger als 1086 Euro netto im Monat zur Verfügung haben.

Bei Paaren liegt die Grenze bei 1629 Euro. Demnach wären gemäß Armutsbericht in Deutschland 13,7 Millionen Bürger arm – also 16,8 Prozent beziehungsweise jeder sechste Einwohner. „Und dieser Trend ist steigend“, weiß Löwenberg. Dazu kommt, dass manche Analysen von einer noch höheren Armutsquote ausgehen.

Warum? Weil gerade ältere Menschen bei entsprechenden Umfragen aus Scham ihre ökonomische Lage lieber verschleiern, wie Löwenberg anmerkt. Besonders armutsgefährdet: Alleinerziehende, Eltern mit mehreren Kindern, Menschen mit geringer Bildung und Qualifikation und Arbeitnehmer in Zeitarbeit oder mit befristeten Arbeitsverträgen.

Auch das verrät der Armutsbericht. Zwar gibt es diverse staatliche Hilfsleistungen für Arme. Doch die würden Löwenberg zufolge oft nicht genutzt. Aus welchen Gründen auch immer. Womöglich aus Scham, Unwissenheit oder wegen komplizierter Anträge.

Löwenberg drastisch: „Man kann hier auch verhungern, wenn man sich nicht selbst kümmert. Es gibt keinen Automatismus, der Hilfe in Gang setzt.“ Ein wachsendes Armutsrisiko in Deutschland sei zudem der Faktor Wohnen. Konkret: steigende Mieten.

Drei von zehn Mietern, so ist es im Armutsberichts aufgeführt, sind demnach arm. Ganz anders ist die Situation bei den Immobilienbesitzern. Löwenberg zitiert aus dem Armutsbericht: „Nur vier von hundert Menschen, die Wohneigentum besitzen, sind arm.“

Wesentlicher Grund für die Mieter-Armut sei der stark rückläufige soziale Wohnungsbau. Löwenbergs Worte: „Wir wissen doch alle, dass bezahlbare Wohnungen fehlen.“

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