Armbrustschütze bleibt in Untersuchungshaft

LÜDENSCHEID ▪ Nach dem Angriff eines Jugendlichen auf Polizisten meldet sich auf LN-Anfrage erstmals dessen Verteidiger zu Wort. Rechtsanwalt Frank-Peter Rüggeberg relativiert die Äußerungen von Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer, nach denen der 16-Jährige einen Amoklauf geplant habe.

„Von diesen Plänen hatte sich mein Mandant längst verabschiedet.“ Es handele sich vielmehr um die Verzweiflungstat eines deprimierten und „massiv selbstmordgefährdeten Jungen“. Nach dem Haftprüfungstermin am Freitag steht nach den Worten des Verteidigers fest, dass der 16-Jährige im Iserlohner Jugendgefängnis bleibt. Sowohl der Anstaltspsychologe als auch der Forensiker, den die Staatsanwaltschaft beauftragt hatte, kämen zu dem Ergebnis, dass der U-Häftling gefährdet sei. Rüggeberg: „Mein Mandant wird einmal pro Viertelstunde in seiner Zelle kontrolliert.“ Er habe bereits einen Selbstmordversuch hinter sich.

Als mögliches Tatmotiv geht der Rechtsanwalt davon aus, dass der 16-Jährige sich habe erschießen lassen wollen. Diese Theorie hatten die Behörden bereits zu Beginn ihrer Ermittlungen aufgestellt. Zuletzt aber hätten gelöschte und rekonstruierte Dateien vom Computer des Beschuldigten auf Pläne für einen Amoklauf hingedeutet, sagte Rahmer am Wochenende.

Bilder aus der Tatnacht:

Angriff auf Polizei: Jugendlicher dreht durch

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Tatsächlich habe der Gymnasiast sich Gedanken gemacht, an welchen Stellen der Stadt Brände gelegt und Polizisten angegriffen werden könnten. Rüggeberg: „Aber davon hatte er sich längst verabschiedet und Notizen darüber gelöscht.“ Gegen die zuletzt geäußerten Verdachtsmomente und für die Selbstmordabsicht spreche auch, dass der Jugendliche „aus der Hüfte ungezielt in Richtung der Polizisten“ geschossen habe. „Er hatte nur einen einzigen Pfeil dabei.“ 23 Pfeile seien nach der Bestellung der Armbrust im Internet geliefert worden. Auch die Befürchtung, dass in der Wohnung selbstgebastelte Sprengfallen auf Beamte gewartet hätten, sei nicht zu halten, sagte der Rechtsanwalt im LN-Gespräch. „Es gab keine Bindfäden an Türen oder sonstige Zündvorrichtungen.“ Aber ein Kanister Benzin und Reste von Silvesterböllern seien sichergestellt und würden auf ihre Sprengwirkung untersucht.

Frank-Peter Rüggeberg beschreibt seinen jungen Mandanten als „hyperintelligent“ und „sensibel“. Als Stotterer sei er in Schulen immer wieder gemobbt worden, „aber nicht von bösen Mitschülern, sondern von Lehrern“. Dazu kämen die Pubertät und eine enttäuschte Liebe.

Eine der PC-Dateien ist laut Rüggeberg ein Liedtext, in dem es unter anderem heißt: „Wenn du dich alleine fühlst, abgeschnitten von dieser grausamen Welt (...) Hör auf dein Herz, diese Engelsstimmen, sie singen zu dir.“

Olaf Moos

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