Pläne auf PC gefunden

Armbrust-Schütze plante Amoklauf in Lüdenscheid

Warten auf die Sprengstoffexperten: der Einsatz an der Moltkestraße in der Nacht zum 12. Januar.

LÜDENSCHEID ▪ Einen Amoklauf mit Schusswaffen durch die Stadt plante offenbar der 17-jährige Lüdenscheider, der am Abend des 11. Januar an der Moltkestraße zwei Polizisten mit Armbrust und Machete angriff.

Wie die Staatsanwaltschaft Hagen auf LN-Anfrage erklärte, fanden Ermittler auf dem PC des jungen Lüdenscheiders den detaillierten Ablaufplan für eine Tat, bei der es augenscheinlich „zu ganz erheblichen Personenschäden kommen sollte“.

Lesen Sie auch:

- Streifenpolizisten brauchen Hilfe

- Wollte Armbrust-Schütze sich erschießen lassen?

- 17-Jähriger greift Polizei mit Armbrust und Machete an

Aus den teilgelöschten, aber von den Ermittlern rekonstruierten Dateien hätten sich „deutliche Hinweise“ darauf ergeben, dass der Jugendliche die Beamten in den Hinterhalt gelockt hatte, um sich in den Besitz ihrer Schusswaffen zu bringen, erklärte Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer weiter. Ermittelt werde weiterhin wegen versuchter Tötung.

Wie berichtet, hatte der mutmaßliche Täter die Beamten in der Nähe seines Elternhauses mit einer Armbrust beschossen und mit einer Machete attackiert. Zuvor hatte er sie wegen ruhestörenden Lärms dorthin gerufen. Ein Pfeil traf einen der Polizisten am Arm, blieb aber in dessen Jacke stecken, ohne ihn zu verletzen. Beim anschließenden Zugriff erlitt einer der Polizisten leichte Blessuren. Die beiden Lüdenscheider Beamten werden seither im Rahmen der Einsatznachsorge durch ein speziell geschultes Team betreut.

Am Freitagnachmittag fand ein Haftprüfungstermin für den mutmaßlichen Täter statt. Angesichts der neuen Erkenntnisse und der Tatsache, dass der medizinische Sachverständige dem Jugendlichen volle Schuldfähigkeit attestiert habe, ging Oberstaatsanwalt Rahmer am Mittag davon aus, dass der 17-Jährige in Untersuchungshaft bleibt. Seit seiner Festnahme sitzt der Berufsschüler in Iserlohn ein.

Das offizielle Ergebnis des Haftprüfungstermins wurde bis zum Freitagabend noch nicht bekannt. Die Alternative zur U-Haft ist in der Regel die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Aufgrund erster Aussagen war zunächst angenommen worden, dass sich an jenem Freitagabend ein verzweifelter junger Außenseiter in einer psychischen Ausnahmesituation von der Polizei umbringen lassen wollte. Diese Version erscheine im Licht der neuen Erkenntnisse aus den Dateien aus Sicht der Staatsanwaltschaft als nicht mehr haltbar, so Rahmer. Die jetzt vorliegenden schriftlichen Unterlagen ergäben „ein ganz anderes Bild“. Zudem habe der Gutachter ausdrücklich keinen Anhaltspunkt für eine verminderte Schuldfähigkeit festgestellt.

Als hilfsbereit, schüchtern und still hatten dagegen Nachbarn der Familie den mutmaßlichen Täter unmittelbar nach dem Geschehen beschrieben. Sie mussten in der eisigen Nacht stundenlang in einem beheizten MVG-Bus ausharren: Die Polizei hatte das Mehrfamilienhaus an der Moltkestraße wegen deponierter Sprengfallen in der elterlichen Wohnung des 17-Jährigen evakuiert.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare