Archiv sammelt Bücher aus der Bergstadt

Stadtarchivar Tim Begler mit einem Bruchteil der Lüdenscheider Werke, die im Stadtarchiv lagern. Gern dürfen die Bücher im Besucherraum eingesehen werden. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Melanie Seichters „Feenblut“ liegt auf dem Tisch, gleich neben dem roten „Spinnewipp“-Buch von Egon Neuhaus, der darin seine Kindheit in Lüdenscheid beschreibt. Natürlich auch Kurt Wasserfalls „Gewitterliebe“ und das „Lüdenscheider Gebetbuch“ von Johannes Broxtermann.

 An die 400 Bücher gibt es mittlerweile, die sich entweder mit Lüdenscheid beschäftigen oder von Lüdenscheidern verfasst wurden. „Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass es sich dabei auch um neuere Literatur handelt“, so Stadtarchivar Tim Begler mit Blick auf das „Lüdenscheid Kochbuch“ von Björn Othlinghaus als jüngste Errungenschaft. Mit der Archivierung der Lüdenscheid-Bücher habe sein Vorgänger bereits begonnen, sagt Begler und verschwindet zwischen den hohen Regalen, um auf das Werk „Arzt wider Willen“ von Dr. Walther Hueck aufmerksam zu machen, das Anfang der 1960er Jahre erschien. Autobiografisches Material wie „Kinderlos und rotes Haar“ von Wilma Schwarz steht einträchtig neben wissenschaftlichen Biografien, menschliche Ratgeber wie Bärbel Wildes „Kraft in Krisen“ neben Peter Bürgers Mundart-Nachschlagewerk „Im reyen Koren“, klassischer Fantasy-Literatur wie Christoph Hardebuschs „Trolle“ und „Werwölfe“ und dem Büchlein „Schön, dass es Dich gibt Mama“.

Begler: „Wir wollen damit zeigen, dass hier nicht nur Akten lagern, sondern auch literarisches Schaffen gewürdigt wird, das die Söhne und Töchter unserer Stadt verfasst haben. Und es gibt ja schließlich in Lüdenscheid eine rege literarische Tätigkeit. Die Bandbreite ist groß, auch wenn in dem einen oder anderen Buch die Stadt nur als einzelnes Kapitel gewürdigt wird.“ Viele Lüdenscheider Autoren stellen inzwischen ihre Werke dem Stadtarchiv als Rezensionsexemplar zur Verfügung. Begler hofft, dass dieser Trend anhält: „Auch aus finanziellen Gesichtspunkten. Immerhin – und das sage ich ganz selbstbewusst – kann man nicht viel näher an die Ewigkeit kommen.“

Wer den einen oder anderen Blick in die Bücher werfen möchte, ist gern gesehener Gast im Stadtarchiv. Kopien können angefertigt werden, wobei Begler dazu rät, eine Digitalkamera mitzubringen und Seiten abzufotografieren. Das sei schonender für das Archivgut. Gern können die Besucher aber auf die gute alte Handarbeit zurück greifen und abschreiben: „Wir haben hier zwar kein Lesecafé wie in der Stadtbücherei, aber einen Besucherraum. Ungemütlich ist das bei uns nicht.“

Die in den vergangenen Wochen angepriesenen Archivkartons sind übrigens restlos ausverkauft. ▪ rudi

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