Vision von Architekt Rüdiger Wilde

Vorschlag: E-Kart-Bahn ins Forum am Sternplatz

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Das Forum am Sternplatz könnte zu einer E-Kart-Bahn werden.

Lüdenscheid - Er gehört zwar nicht zum Kreis der Visionäre, aber hat dennoch eine Vision für das leer stehende Forum am Sternplatz: Der Lüdenscheider Architekt Rüdiger Wilde schlägt vor, dort eine sogenannte Indoor-E-Kart-Bahn zu errichten.

Was wird aus dem Forum am Sternplatz? Warum ist ein Abriss schwierig? Wie aufwendig ist ein Umbau? Und: Bekommt Lüdenscheid bald eine E-Kart-Bahn? Wir haben mit Architekt Rüdiger Wilde gesprochen, der eine klare Vorstellung von der Zukunft des Gebäudekomplexes hat. Wir haben Fragen und Antworten zu dem Thema.

Welchen Bezug hat Rüdiger Wilde zum Forum?

Der pensionierte Architekt ist ein intimer Kenner des Gebäudekomplexes. Schließlich hat er Ende der 80er-Jahre gemeinsam mit seinem Kompagnon Hans-Jürgen Altenheiner im Auftrag des Berliner Kaufmanns Erich Wächter das schon seinerzeit marode Forum aufwendig saniert. Bis in die jüngste Vergangenheit war er noch Beauftragter für die Umsetzung der Stilllegung des Gebäudes. Der Redaktion sagt er, er habe bereits in der Vergangenheit für die Kartbahn-Idee geworben, sei aber auf taube Ohren gestoßen. Deshalb gehe er nun in die Öffentlichkeit. 

Wozu ist das Forum überhaupt noch zu gebrauchen?

Das Forum, erläutert Wilde, sei zurzeit für keine der üblichen Nutzungen geeignet. Für Läden bestehe in Lüdenscheid kein zusätzlicher Bedarf. Zwar seien andere Nutzungen denkbar. Diese gingen aber mit hohem technischen Aufwand oder mit umfangreichen baulichen Maßnahmen einher. Damit stellten sie für jeden Interessenten ein zu hohes Investitionsrisiko dar.

Was können die Eigentümer tun?

Rüdiger Wilde: „Alle Eigentümer bezogen auf ihre eigenen Bereiche sind handlungsunfähig ohne die anderen mit involvierten Eigentümer beziehungsweise Rechteinhaber.“ Jede andere Maßnahme, die zum Beispiel bei einem Abriss des Forums die Gebäude angrenzender Eigentümer betreffe, erfordere es, alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen.

Kein schöner Anblick: das Forum.

Das Forum also doch abreißen?

Wilde: „Der so sehr von allen Bürgern gewünschte Gesamtabriss ist aus vielerlei Gründen nur unter sehr erschwerten Umständen mit erheblichem finanziellen Aufwand möglich. Dazu gehörte zwingend ein Neubaukonzept, das vielleicht mit circa 20 Euro pro Quadratmeter Mietpreis rentabel durchzuführen ist. Hierzu fällt mir allerdings keine realistische Projektoption ein.“

Wessen Interessen sind noch zu berücksichtigen?

Nicht nur die Eigentümer spielen bei der künftigen Nutzung des Forums eine Rolle. Laut Wilde gilt es zusätzlich, die im Grundbuch eingetragenen Wegerechte der Firma TK Maxx (zur Warenanlieferung) sowie der Commerzbank (Zugang zum Tresorbereich) zu berücksichtigen. Ebenso besitze die Stadt Lüdenscheid ein Wegerecht durch das Forum hindurch zum Parkhaus Overbergstraße.

Ist die Lage für das Forum hoffnungslos?

Rüdiger Wilde sagt: Nein! Er sieht eine Chance zur Wiederbelebung des Forums und zur Attraktivitäts-Steigerung der Innenstadt darin, im Forum als „Highlight im Kartsport“ eine Elektro-Kartbahn zu errichten.

Wie könnte die E-Kart-Bahn aussehen?

Die sechs Meter breite und 800 Meter lange Kartbahn sei mindestens über zwei Geschosse auszuführen mit „Höhenwechseln“ im Bereich des Wellenbades, die Fahrer und Zuschauer begeistern sollen. Die gesamte Durchgangspassage zum Parkhaus, ganz an die nördliche Gebäudeseite gelegt, gebe Passanten und Zuschauern über 70 Meter attraktive Einblicke ins Renngeschehen. Das mache den Weg vom Parkhaus zu TK Maxx, zum Sternplatz und zum Leffers-Gebäude attraktiver.

So wie die 2017 eröffnete Elektro-Kart-Bahn in Osnabrück könnte die Bahn auch in Lüdenscheid aussehen:

Wie aufwendig wäre der Umbau des Forums?

Der Lüdenscheider Architekt betont, es werde nur der Abriss der meisten Trennwände und Einbauten erforderlich bei geringen baulichen Ergänzungen. Eine Elektro-Kartbahn habe zudem kein Schallschutz- und auch kein Emissionsproblem bezüglich Abgasen. Sie bringe auch nur „sehr geringe“ Anforderungen an Brandschutz und Entfluchtung mit sich. Die Bahn sei „schneller im Startspurt und in Gefahrbereichen extern temporeduzierend steuerbar“. Die bestehenden Parkhäuser ermöglichten gesichertes überdachtes Parken zu jeder Jahreszeit. Barrierefreiheit sei problemlos realisierbar.

Was könnte zusätzlich zur Kartbahn entstehen?

Das oberste Geschoss – ehemals Feelgood/Squash – sei als ergänzendes Event-Hotel für anreisende Gruppen, die ein „Rennwochenende“ erleben wollen, einfach umzubauen. Wünschenswert sei über dem Tunnel ein Abriss der ersten Gebäudeachse im zweiten Obergeschoss und dort die Anlage einer großzügigen Dachterrasse mit dahinter liegendem Hotelbereich. Das sei jedoch fast nur während der zeit der Tunnelsanierung wirtschaftlich realisierbar.

Rüdiger Wilde

Was sagen Experten?

Rüdiger Wilde erläutert, er habe das Forum bereits mit Vertretern der Firma Rimo aus Sundern, des führenden Herstellers von Elektro- und anderen Karts in Deutschland, begangen. Man habe das Gesamtgebäude auf bauliche Realisierbarkeit und bezüglich der zurzeit gültigen internationalen Normen für den Kartsport überprüft. Das Fazit: Das Projekt sei nicht nur machbar, sondern sogar kurzfristig umsetzbar.

Wer soll das bezahlen?

Eine Möglichkeit sieht Rüdiger Wilde darin, dass sich die bisherigen Eigentümer zusammentun, das Projekt entsprechend ihrer Anteile finanzieren und dementsprechend auch die Gewinne aufteilen. Um dies anzustoßen, sei beispielsweise eine Moderation durch die Lüdenscheider Stadtmarketing (LSM) GmbH denkbar. Wilde: „Ansonsten müsste sich jemand um einen Investor und Betreiber kümmern. Da gibt’s doch in Lüdenscheid einige, die unsere Stadt bei mancher Vision mit eigenem Know-how und gegebenenfalls auch weitergehend unterstützt haben.“ Sein Fazit: „Fände sich ein Makler, der entsprechende Interessenten auftun könnte, wäre ein freizeitorientiertes Leuchtturmprojekt mit deutschlandweitem Einmaligkeits-Charakter realisierbar. Die bestehenden Randbedingungen sind optimal.“

Info: Was sind E-Karts?

Bei elektrischen Karts (E-Karts) wird einer möglichen Einschränkung der Fahrdynamik durch das zusätzliche Gewicht der mitgeführten Akkus durch Trennung der Antriebsräder, Verlagerung der Akkupacks zur Mitte des Karts, Veränderung des Nachlaufs und Energierückgewinnung entgegengewirkt. Mit 6 kW (etwa 8 PS) ist eine Geschwindigkeit von über 100 km/h möglich, auf Kartbahnen wird das Tempo jedoch elektronisch auf 50 km/h gedrosselt.

Info: Die Geschichte des Forums

Im Jahr 1978 beginnen die Bauarbeiten am heutigen Forum am Sternplatz, das seinerzeit „Einkaufs- und Freizeitzentrum Innenstadt“ hieß. Der erste Bauabschnitt wird im August 1979 von der Firma Möbel Franz bezogen. Der zweite Bauabschnitt für Ladenlokale und Gastronomie wird im Oktober 1980 eröffnet. Hauptinvestor in dieser Zeit ist der Fellbacher Bauunternehmer Kurt Knödler. Auch die Stadt Lüdenscheid gehört zu den Investoren. Im Frühjahr 1983 ist der Gebäudekomplex, zu dem nun auch das Wellenbad und das Parkhaus an der Overbergstraße gehören, komplett. Während das Wellenbad durchaus erfolgreich betrieben werden kann, verfällt der restliche Bereich in rasantem Tempo.

Der Berliner Kaufmann Erich Wächter ersteigert das Forum im Jahr 1988 für 6,7 Millionen DM. Nach gründlicher Sanierung erlebt das Einkaufscenter zunächst eine Renaissance. Ab dem Jahr 1993 – mit der Eröffnung des Stern-Centers – geht es aber wiederum bergab. Im Jahr 2006 schließt die Stadt das Wellenbad und richtet dort einen Indoor-Spielplatz ein, der bis zum Jahr 2013 betrieben wird. Das Wellenbad samt Parkhaus wird schließlich an die Firma Lanber Properties des irischen Investors Bert Allen verkauft. Im Dezember 2015 erwirbt der Frankfurter Kaufmann M. Saleh Younis für 330 000 Euro jene Teile des Forums, die nicht Bert Allen gehören.

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