Arbeitsvertrag trotz Sprach-Handicaps

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Saskia Schröer, Ria Berges, Hans-Joachim Kussberg und Sabine Kowalewski (v.li.) freuen sich mit Ramona Schemmerling (Mi.), dass sie einen festen Arbeitsvertrag bekommen hat.

Lüdenscheid - Ramona Schemmerling strahlt übers ganze Gesicht. Die 25-Jährige freut sich sehr, nach einer Ausbildung als Küchenhilfe beim Diner-Service Kussberg im Haus Elisabeth einen festen Arbeitsvertrag erhalten zu haben.

Denn so selbstverständlich wie es zunächst scheint, ist das nicht. Nachdem sie zunächst an der Förderschule Sprache in Olpe war, machte sie an der Freien Christlichen Hauptschule ihren Hauptschulabschluss. Aufgrund ihres sprachlichen Handicaps nahm sie eine Reha-Ausbildung in Anspruch und war nach dreieinhalb Jahren Beiköchin. Doch auf der Arbeitsstelle, die sie zuletzt hatte, ging man nicht gut mit ihr um, was sie in ein tiefes Loch warf. Sie wurde depressiv. Doch nach einer Beratung durch die Agentur für Arbeit wendete sich das Blatt. Arbeitsamt und inab, ein Unternehmen für Bildung und eine Tochtergesellschaft der Berufsfortbildungswerkes, förderte sie durch die Maßnahme „Unterstützende Beschäftigung“. Sie dient der beruflichen Orientierung, und die fand Ramona Schemmerling durch die Hilfe von Sabine Kowalewski, Reha-Beraterin der Agentur für Arbeit, sowie den Qualifizierungstrainerinnen Ria Berges und Saskia Schröer von der inab. Sie kooperieren eng mit sozial engagierten Betrieben und fanden mit dem Diner Service Kussberg, der im Caritas-Altenheim Haus Elisabeth für den Küchenbetrieb zuständig ist, den geeigneten Partner.

Das 1993 von Hans-Joachim Kussberg gegründete Unternehmen erwies sich als goldrichtig für die junge Frau. Sie fand durch die Förderung wieder Mut und mit Hans-Joachim Kussberg den richtigen Lehrmeister. „Sie ist sehr hilfsbereit, fleißig und wissbegierig. Ich habe schnell gemerkt, dass sie den nötigen Willen und Spaß an der Arbeit hat“, sagt Kussberg. Inzwischen habe sich ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis entwickelt, was natürlich nicht bedeute, dass – wenn nötig – auch einmal kritische Töne fallen. „Aber wir sind grundsätzlich auf einer Wellenlänge“, fügt er hinzu, und er habe eine gewisse Misserfolgstoleranz, die auch einmal einen Fehler erlaube.

Ramona Schemmerling ist jedenfalls glücklich. Sie hat ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis in Vollzeit. Von Depression keine Spur mehr. Die Medikamente konnte sie absetzen. Inzwischen hat sie auch eine eigene Wohnung ganz in der Nähe der Graf-von-Galen-Straße und ist gut vernetzt.

Zwei Jahre hat die „Unterstützende Beschäftigung“ gedauert. An Projekttagen wurde die junge Frau anhand von Förderplänen in vielen Lebensbereichen unterstützt. Ria Berges und Saskia Schröer führten Motivations- und Aktivierungsgespräche. Sabine Kowalewski führte regelmäßige Sprechtage durch und sah auch im Betrieb vorbei. Noch ein halbes Jahr sind alle mit im Boot. „Wenn darüber hinaus Hilfe benötigt wird, ist der Weg nicht versperrt“, sagt Kowalewski. Insgesamt vier junge Menschen mit Handicap seien auf diesem Weg in den Arbeitsmarkt integriert worden.

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