CDU applaudiert im Regen

LÜDENSCHEID ▪ Vor Wochenfrist Steinmeier für die SPD, am Sonntagvormittag nun Lammert für die CDU – die Lüdenscheider Parteien setzen im NRW-Wahlkampf auch auf die Präsenz von Polit-Prominenz. Der Auftritt des Gasts aus Berlin war dabei auf dem sonntags ohnehin meist ruhigen Sternplatz durchaus von Widrigkeiten geprägt.

Regen und kühle sechs Grad nämlich ließen das flankierende CDU-Familienfest nicht recht auf Touren kommen. Rund 90 Besucher waren zu der Wahlveranstaltung erschienen – ganz überwiegend CDU-Mitglieder. Selbst das Bier – ansonsten in Lüdenscheid eine vom Wetter eher unabhängige Verlockung – floss nur spärlich.

Dass Name und Gesicht von Norbert Lammert manchen Bürgern nicht so geläufig sind wie die anderer Berliner Protagonisten, mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass er als amtierender Bundestagspräsident dem direkten politischen Schlagabtausch ein Stück entrückt ist. Zeitweise war der 63-Jährige bekanntlich auch als möglicher Bundespräsident im Gespräch.

Und eine gewisse präsidiale Zurückhaltung legte Lammert auch gestern in der Bergstadt nicht ab. Denn von rhetorischer Rasanz war seine Rede nicht vorrangig charakterisiert. Und auch kämpferisch übermotiviert zeigte sich der Unionsmann nicht unbedingt. Dafür kamen Sätze wie dieser: „Die Demokratie ist keine Schönwetterveranstaltung.“ Oder auch dieser: „Der Wechsel gehört zu unserer Demokratie. Und das ist gut.“ Derlei Äußerungen paarte Lammert dann gleich mit einem eindringlichen Appell ans Publikum, am 13. Mai zur Wahl zu gehen. Was wohl auch zeigt: Obwohl Umfragen den Christdemokraten aktuell keinen Sieg im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland verheißen, glaubt die CDU an sich.

Lammerts zentrales – und im Grunde auch einziges – Thema an diesem Vormittag: die Schuldenfrage. Seine Botschaft hier: Schuldenbremse und Haushaltsdisziplin sind unabdingbar. Es muss kräftig gespart werden. Was die NRW-SPD und wohl auch die Grünen seiner Meinung aber nicht richtig können. Lammerts Worte: „Diese Regierung ist an ihrem eigenen Haushalt gescheitert. Sie war einfach überfordert.“

Dazu unterstellt Lammert der NRW-Regierung von Hannelore Kraft eine gewisse Lern-Resistenz: „Die allermeisten Staaten der Europäischen Union haben den Ernst der Lage inzwischen erkannt und setzen auf eine Sparpolitik. Nur Nordrhein-Westfalen hat das nicht verstanden.“

Wer solche Thesen noch persönlich mit Lammert diskutieren wollte, konnte das unter schützenden Zeltdächern tun.

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