Appell: Pfändungsschutz noch bis 27. 12. einrichten

Ohne Pfändungsschutzkonto droht hunderten Lüdenscheidern im Januar die Mittellosigkeit. Nur bis zum 27. Dezember ist noch Zeit, bei Bank oder Sparkasse eines einzurichten.

LÜDENSCHEID ▪ Hunderten Lüdenscheidern droht nach wie vor ein Jahresanfang in absoluter Mittellosigkeit: Wer bis zum 1. Januar kein Pfändungsschutzkonto eingerichtet hat, muss damit rechnen, dass ihm das normale Konto leergeräumt wird – ohne Rücksicht auf Mindestbeträge. Allein die Sparkasse Lüdenscheid hat noch 300 Kunden, die vor Silvester ein „P-Konto“ bräuchten, erklärte Sprecher Thomas Meermann auf Anfrage der LN. Er appellierte an alle Betroffenen, noch schnell zu ihrer Bank zu gehen.

Denn die muss das Konto auf Wunsch des Kunden auf den Pfändungsschutz gebührenfrei umstellen oder ein neues einrichten, „und das geht jeweils schnell und fast formlos“, erklärte Meermann. Nur dann ist das Guthaben des Kontoinhabers bis zur Höhe des Grundfreibetrages von 1028,89 Euro vor Zugriffen von außen geschützt – egal, ob es sich um Arbeitseinkommen, die Renten oder soziale Transferleistungen handelt. Ob ein vorhandenes Konto bei der Umwandlung im Minus steht, spielt keine Rolle.

Etwas mehr an Unterlagen braucht es laut Thomas Meermann, wenn Beträge für weitere Personen, etwa Partner (378,22 Euro) oder Kinder (215,73) gesichert werden sollen. „Dafür sind Einzelbescheinigungen des Jobcenters MK nötig.“ Auch Kindergeld-Zahlungen können geschützt werden.

Allerspätestens am Tag nach den Weihnachtsfeiertagen, also am 27. Dezember, muss der P-Konto-Antrag ausgefüllt werden. Denn Banken sind verpflichtet, die Umwandlung dann binnen vier Tagen vorzunehmen, also bis zum Jahresende. Wer diesen Termin verpasst, kann im Januar ohne Geld dastehen – und muss sich dann persönlich mit Gläubigern darüber auseinandersetzen. „Erst wenn die uns grünes Licht geben, können wir auszahlen“, erklärte der Sparkassen-Sprecher. Das sei für alle Seiten unangenehm und mache Arbeit – Schuldnern, Gläubigern und auch Banken oder Sparkassen. Und: Die gepfändeten Beträge können nicht zurückgefordert werden und sind unwiderruflich verloren.

Alle genannten Regelungen gelten auch für andere Institute. Die Sparkasse Lüdenscheid verzeichnet nach eigenen Angaben bisher 1200 P-Konten. Darunter seien 400, die nicht mehr aktiv sind, auf denen also keine Pfändung mehr stattfindet. Bei den übrigen 800 Konten ist das aber noch so“, weiß Meermann.

Der Hauptvorteil des P-Kontos liegt im Guthabenschutz. Bisher mussten Kontoinhaber bei Gericht oder der pfändenden Behörde beantragen, dass ihnen ein monatlicher Freibetrag zum Leben verbleibt. Der Schutz von 1028,89 Euro je Kalendermonat erfolgt beim P-Konto dagegen automatisch. Der Inhaber muss nichts mehr unternehmen, bei einer Pfändung hat er weiter vollen Zugang zum Konto.

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