Krugmann brennt besondere Spirituosen

Apfel, Birne, Pflaume: Letzter Wunsch des gestorbenen Kult-Wirts - sein Schnaps! 

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Frucht-Schnaps mit Charakter-Kopf: Die Etiketten kommen maschinell auf die 0,5 Liter-Apothekerflaschen. Das Motiv ist ein Entwurf des Grafikers Arthur Ayos Dulinski, das Originalfoto hat der Lüdenscheider Fotograf Steffen Schulte-Lippern zur Verfügung gestellt.

Lüdenscheid/Meinerzhagen - Wenn am 4. Juli mit einer Benefiz-Party der 60. Geburtstag von Lüdenscheids verstorbenem Kult-Wirt Klaus Stange vor und in der Kochschule Capitol gefeiert wird, ist einer besonders gespannt.

Krugmann-Geschäftsführer Patrick Fayner steuert das entscheidende Produkt zu der Veranstaltung bei. Denn Klaus sein Schnaps wird eigens für die Party hergestellt und am Stichtag erstmals öffentlich zu probieren sein. 

Danach gibt’s die Spirituose für 19,59 Euro im Fachhandel. Von jeder Flasche fließt ein Betrag in die Spendensammlung fürs Hospiz. Dort ist Klaus Stange am 3. August 2018 verstorben. 

Der gute Zweck ist die eine Sache. Die andere: Mit der Herstellung eines maßgeschneiderten Getränks verwirklichen die Organisatoren zugleich einen spontanen Wunsch. 

Denn in seinem letzten Zeitungs-Interview hatte Klaus Stange scherzhaft über einen Klaus-Obstler nachdacht: „mit Apfel und Birne auf jeden Fall, vielleicht noch ‘ne Pflaume“.

Für Patrick Fayner sind solche individuellen Kreationen durchaus nichts Ungewöhnliches. Die Brennerei Krugmann in Meinerzhagen lebt von der Vielfalt des Geschmacks, der sich in der auch auf kleine Chargen eingestellten Produktion widerspiegelt. 

Der Einhorn-Trend – knallige Wildfrucht mit Glitzer – ebbt gerade ab, weiß Geschäftsführer Patrick Fayner.

Das ermöglicht einen eigenen Schnaps, einen eigenen Gin oder Miniatur-Fläschchen mit People’s No. 1 Apple Liqueur als Hommage an einen anderen Lüdenscheider Kult-Wirt. Solche Signature-Getränke gibt’s im Traditionsbetrieb von der Entwicklung bis zum Etikett als „Rundum-sorglos-Paket“. 

„Dann sind wir Lohnhersteller für Kunden, die das selber vermarkten wollen“, erläutert Fayner. Aktuell arbeite man mit unterschiedlichen Kunden aus ganz Deutschland an insgesamt fünf Gin-Projekten. Die lohnten sich allerdings mit weniger als 1000 Flaschen nicht. Letztlich sei das aber nur ein Nebengeschäft, Geld werde mit anderen Sachen verdient: „Wir sind ganz klar markenorientiert“, so Fayner. 

Die Brennerei Krugmann, ab 1867 mit Korn groß geworden, hat sich mit dem Markt gewandelt ohne ihre Wurzeln zu kappen. Heute reift auch Lager-Korn bis zu zwölf Jahre in Fässern aus dem Holz der französischen Limousin-Eiche, bevor er abgefüllt wird. 

„Da meinen wir, einen Trend zu erkennen“, sagt der Geschäftsführer vorsichtig. Doch heute macht’s die Bandbreite, will man im Genussmittel-Markt bestehen. „Der Verbraucher will auch geschmacklich mehr erleben“, glaubt der Hersteller. 

Rund 150 Produkte stehen für diese Erkenntnis. „Unsere Herausforderung ist, den Trend zu erkennen, schnell ein Produkt zu entwickeln und auf den Markt zu bringen“, erklärt Fayner. Am schnellsten war man nach dem legendären Elchtest. 

Die Mischung macht’s, weiß Destillateurmeister Christian Tigges. Er hat Klaus sein Schnaps komponiert.

Der fand seinen Niederschlag innerhalb einer guten Woche in einem Wildfruchtlikör, abgefüllt in Mini-Fläschchen, und ist bis heute als „Kipp-Elch“ erfolgreich am Markt. „Die Entwicklung kann eine Sache von Stunden sein, von Tagen oder Monaten“, weiß Master Distiller Christian Tigges. 

Am Ende sei immer entscheidend: „Hab’ ich getroffen, was der Kunde sich darunter vorstellt!?“ Apfel, Birne, Pflaume für Klaus sein Schnaps – das sei ein Gedanke, aber noch kein Rezept, sagt der Destillateurmeister, der im Labor Erfahrungswissen in flüssige Form bringt. Der Rest ist – probieren.

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