Jochen Heringhaus: Moderator mit Leib und Seele

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Jochen Heringhaus.

LÜDENSCHEID ▪ Die letzten zwei Minuten hat er ruhig am Stehtisch gestanden. Den linken Arm aufgestützt, den rechten Fuß ausgestellt. Das Mikrofon liegt vor ihm auf dem Tisch. Lediglich auf seine orangefarbene Armbanduhr hat er immer wieder geschaut. So wie jetzt.

„Jetzt kann´s nicht mehr lange dauern“, sagt er ins Mikro. Beginnt, auf der Stelle zu treten. Schnappt sich seinen Fotoapparat, dann sein Mikro. „Herzlich willkommen im Ziel“, ruft er dem schnellsten Läufer zu, und seine Stimme hallt knisternd über die Kurve, in der die Knapper- zur Friedrichstraße wird.

Jochen Heringhaus ist Moderator. Seit 25 Jahren. Mit Leib und Seele, wie er sagt. Fast 2500 Veranstaltungen hat er in dieser Zeit moderiert, überwiegend Laufsport-Events. Kein Wunder: Der 56-Jährige ist nur bekennender Fan des Ausdauerlaufs – und als Moderator für den Sportartikelhändler Runners Point im Einsatz. „Werbekampagnen“ nennt er das.

Heringhaus hat an diesem Freitagabend einen der besten Plätze beim Firmenlauf erwischt: Er steht unter einem grünen Zelt, geschützt vor dem Dauerregen. Die Läuferinnen und Läufer, die er anspricht, duzt er. Spricht sie mit ihren Vornamen an, die unter den Startnummern stehen. Fragt nach ihren Firmen, nach den Tätigkeiten der Starter. Und guckt immer wieder auf seine Armbanduhr, zählt minutenweise den Countdown bis zum Startschuss herunter. Und erinnert an den Spaßcharakter des Firmenlaufs: „Denkt daran, lauft miteinander. Die Zeit ist völlig nebensächlich.“

Heringhaus ist bundesweit im Einsatz. Vor allem an den Wochenenden. Seinen bislang größten Einsatz hatte er in der Hauptstadt, beim Berlin-Marathon. Sein Rezept, um als Moderator locker und souverän zu wirken, besteht aus zwei Zutaten. „Man muss eine Rampensau sein. Und natürlich Zugang zu der Sportat haben“, sagt er. Die hat er: In den 1980er Jahren ist er als Leistungssportler unterwegs gewesen.

Der 56-Jährige ist nicht nur Moderator, sondern auch Dirigent. „Hier rechts abbiegen, nicht geradeaus“, ruft er einer verspäteten Starterin zu. Und schaut wieder auf seine Armbanduhr. Begrüßt die nächsten Läufer im Ziel. Obwohl die Teilnehmerliste fehlt und er alle nur mit Vornamen ansprechen kann. Ein Profi. Mit Herz und Seele.

Sven Prillwitz

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