Anwohner will Stadt verklagen

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Die Bauarbeiten am Wohnhaus: Durch Anschüttungen von Erdreich für den im Hintergrund entstehenden Parkplatz sieht Mike Rolf weitere geschützte Bäume gefährdet. ▪

LÜDENSCHEID ▪ Die irrtümliche Fällung einer Hainbuche an der Freiherr-vom-Stein-Straße hat für die Stadt ein Nachspiel, womöglich ein juristisches. Am 11.

März wurde der geschützte und gesunde Straßenbaum versehentlich gefällt, wofür sich die Stadtverwaltung im Planungsausschuss entschuldigte (LN berichteten). Anwohner Mike Rolf, selbst vom Baufach, will erreichen, dass eine Ersatzpflanzung an gleicher Stelle vorgenommen wird. Das aber dürfte schwierig werden, denn inzwischen werden auf dem Grundstück dahinter bereits die Fundamente für ein 15-Parteien-Wohnhaus gelegt. Würde eine neue Hainbuche wieder an diese Stelle gesetzt, dann ragte ihr Schutzraum bis in den Baukörper hinein. Ohne die Fällung der Buche, das steht für Rolf fest, hätte der Vier-Etagen-Bau mit seiner 30 Meter langen Front also gar nicht errichtet werden dürfen. Und: Trotz zahlreicher Nachfragen im Rathaus sei die laut Bebauungsplan zwingend vorgeschriebene Ersatzpflanzung an gleicher Stelle unterblieben – für Rolf stellt sich hier die Frage nach dem Warum. Auch sei die Fällung unfachmännisch, ohne Sicherung der Straße und augenscheinlich nicht durch de STL oder ein Fachunternehmen erfolgt. Bürgermeister Dieter Dzewas habe ihm in Gesprächen Rückrufe aus der Amtsleitung zugesagt, die es aber nie gegeben habe. Bleibe die Stadt weiter passiv, will Mike Rolf, der auch Unterschriften von Nachbarn gesammelt hat, vors Verwaltungsgericht Arnsberg ziehen, zunächst, um einen Baustopp per einstweiliger Vefügung zu erreichen. „Ich will, dass sich die Stadt an ihre eigenen Festlegungen im Bebauungsplan hält“, sieht er sich in einer höchst ungewöhnlichen Situation. „Der Normalfall ist doch, dass sich Bürger gegen Festsetzungen im Bebauungsplan wehren.“ Sollte er Recht bekommen, könne ein Umbau des Wohnhauses drohen, und im Nachgang Schadenersatzforderungen des Bauherrn gegen die Stadt.

Das Problem kleidete Rolf am Mittwoch vor dem Planungsausschuss in einen Katalog von Fragen. Laut Planungsamtsleiter Martin Bärwolf ist ein Teil davon bereits schriftlich beantwortet, der Irrtum vom Amt sei eingeräumt worden, und es werde kurzfristig weitere Antworten geben, auch zum Standort der Ersatzpflanzung. Eine rechtskräftig erteilte Baugenehmigung könne aber nicht widerrufen werden. Um eine einvernehmliche Lösung zu finden, habe man Mike Rolf zu einem Ortstermin eingeladen, den er aber nicht wahrnahm, ergänzte Bärwolf gestern auf LN-Nachfrage. Rolf dazu: „Was sollte ich da? Ich will ja keine Extrawurst.“

Dass Ersatzbäume fast nie an die Stelle ihrer Vorgänger gesetzt werden können, begründete im Ausschuss Hans-Jürgen Badziura, Leiter der Umweltabteilung im Rathaus, mit Leitungen oder anderen Hindernissen im Boden. Auch im Fall der Hainbuche müsse eine andere Stelle mit ähnlicher städtebaulicher Wirkung gesucht werden. - hgm

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