Lärm und Müll

Nachbarn nur noch genervt: Professioneller Tuner-Treff in Tiefgarage des Kreishauses

+
Lauschiges Plätzchen für die Tuner-Szene: Man trifft sich am Wochenende im Parkhaus des Kreishauses und lässt die Motoren heulen.

Lüdenscheid – Der Kreishaus in Lüdenscheid hat ein Lärm- und Müllproblem. Nicht werktags, wenn gearbeitet wird, das nicht. Aber am Wochenende, nachts. Die Anwohner haben sich zuletzt deshalb sogar mit einem Schreiben an den Landrat gewandt.

Hintergrund: Die Parkplätze auf Ebene des Straßenverkehrsamts in einer offenen, ebenerdigen Garage sollen den Schilderungen der Anwohner zu Folge an den Wochenenden abends bis in die Nacht hinein und da mitunter bis in die frühen Morgenstunden unter anderem von der Tuner-Szene genutzt werden. 

„Da ist jeden Abend Party – die heizen ins Parkhaus und campieren dort“, sagt eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, allerdings gemeinsam mit anderen Anwohnern, die sich gestört fühlen, nun den Weg von Pontius zu Pilatus beschritten hat, um Hilfe zu erhalten. 

Der Vorwurf der Anwohner ist der, dass die getunten Autos des Nachts in einer nicht hinnehmbaren Lautstärke (unter anderem beim Driften) bewegt werden, dass die Partygäste zudem laut Musik hören (zeitweilig aus 20 Autos gleichzeitig), sich unterhalten und lachen würden. So laut, dass die Anwohner kein Auge zumachen. Ein Anwohner hat einem Schreiben an den Landrat zu Folge sogar die Kinderzimmer tauschen müssen, weil ein Kind des Nachts – weinend – nicht mehr habe schlafen können. 

Der Bereich, in dem sich die Gäste aufhalten, ist überdacht, trocken und lockt zudem mit einem freien WLAN. Ein lauschiges Plätzchen, an dem die Gäste zumeist unter sich sind und auch gerne ihren Müll zurücklassen. Nach Schilderung der Anwohner habe der Kreis sogar eine Person eingestellt, die den Müll nach einer Partynacht entsorgt. In Summe Zustände, die für die Anwohner – die Verfasser der E-Mail an den Landrat wohnen seit 1966 dort, also länger als das Kreishaus steht – nicht mehr hinnehmbar ist. „Ständige Anrufe bei der Polizeiwache, Ordnungsamt oder Gesprächssuche mit den Hausmeistern des Kreishauses blieben ohne Erfolg“, schreiben die Anwohner dem Landrat, deshalb wende man sich nun an ihn. Eine E-Mail vom 19. Juli indes zeitigte bis zum 19. August keine Resonanz. 

Kreis verspricht, sich des Problems anzunehmen

Nachfrage beim Kreis und hier beim Leiter der Pressestelle, Hendrik Klein: „Die Bewohner haben recht“, sagt Klein, nachdem er sich an den entsprechenden Stellen erkundigt hat, „das Problem ist erkannt. Der Kreis wird sich darum kümmern, es abzustellen und auch Kontakt mit den Anwohnern aufnehmen.“ Es gebe auch Probleme mit jungen Menschen, die Skateboard fahren würden und da schon Treppenteile beschädigt hätten, ergänzt Hendrik Klein. Das Problem sei, dass der Bereich grundsätzlich offen stehe und auch nicht so einfach mit einer Schranke zu schließen sei. Das erschwere ein gezieltes Vorgehen. Gleichwohl solle nun eine Lösung gefunden werden. 

Das Ordnungsamt der Stadt ist überlastet 

Auch das Ordnungsamt hat Verständnis für die Anliegen der Anwohner – und seit dieser Woche ein Schreiben vorliegen, wie die Leiterin des Ordnungsamtes, Martin von Schaewen, im Gespräch erklärt. Von Schaewen verweist auf die mannigfaltigen Aufgaben, die derzeit aufgrund der Corona-Pandemie auf dem Ordnungsamt lasten. Sie bittet um Nachsicht und erläutert: „Grundsätzlich dürfen sich in diesem Bereich Leute aufhalten, das ist nicht verboten. Aber natürlich dürfen sie nachts keine laute Musik hören und auch keine Motoren aufheulen lassen!“ 

Präventiv habe das Ordnungsamt aufgrund der Pandemie aktuell keine Möglichkeiten, etwas gegen die Szene zu tun, erklärt von Schaewen weiter, verweist aber darauf, dass unter der Rufnummer 0 23 51 / 1 06 50 rund um die Uhr Vergehen angezeigt werden können. Sollte es also auch am Wochenende nachts mal wieder lauter werden, dann sollen die Anwohner über diese Nummer Hilfe rufen, theoretisch sollten dann Ordnungshüter ausrücken.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare