Straßenbeleuchtung ist zu hell

Anwohner im MK sauer: "Sorge, dass ein Flugzeug unsere Straße als Landebahn nutzt"

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Daniel Bahr ist die Straßenbeleuchtung an der Paracelsusstraße nach der Umrüstung (linkes Bild) zu hell. Zuvor (rechts) fand er das Licht viel angenehmer und hätte diese Beleuchtung gerne beibehalten.

Lüdenscheid - Dunkelheit, die Hand vor Augen nicht erkennen, das kann dem Lüdenscheider Daniel Bahr vor seiner Haustür nicht passieren. Im Gegenteil. „Das ist viel zu hell“, ist er der Meinung, seit die Stadt die Beleuchtung an der Paracelsusstraße vor einiger Zeit umgerüstet hat.

„Abends, wenn die Straßenbeleuchtung per Rundsteuerimpuls gestartet zum Leben erwachte, wurde unsere Straße ins heimelige Licht der Natriumdampflampen gehüllt, welche eine Farbtemperatur von etwa 2000 Kelvin besitzen. 2000 Kelvin bedeuten in ihrer Wirkung auf das menschliche Auge ein als gemütlich und behaglich empfundenes Licht, passend zu dem ruhigen und beschaulichen Wohngebiet“, schildert Daniel Bahr die Ausgangslage, mit der er sehr zufrieden war.

Die seit Jahren gewohnte, gemütliche und einladende Atmosphäre sei mit den neuen Lampen ad hoc vernichtet worden. Sicherlich gewöhne man sich an die Situation und er habe auch nichts dagegen, dass der Gehweg ordentlich beleuchtet sei. Zuvor sei eine Taschenlampe jedoch auch nicht nötig gewesen. Er empfindet die Straße nun nicht sicherer, sondern ungemütlicher. Nicht nur die Lichtfarbe habe sich drastisch geändert, auch der Lichtstrom sei durch gefühlt überdimensionierte Leuchtmittel immens erhöht.

Den Unterschied bei der Beleuchtung mache schon allein die Ausrichtung der Lampe. Während die alten Leuchtmittel von unten in die Lampe geschraubt worden seien und daher einen Kreis auf die Straße geworfen hätten, seien die neuen Leuchtmittel von oben eingeschraubt, schildert Daniel Bahr seine Beobachtungen.

„Ich habe nun große Sorge, dass bald ein Flugzeug unsere Straße als Landebahn nutzt, der Hubschrauberpilot des benachbarten Krankenhauses die Landezone verwechselt oder gar Außerirdische bei uns landen, da man diese Ausleuchtung sicher auch vom Planeten Vulcan deutlich erkennen kann. Wir fühlen uns wie die Nachbarn der Familie Griswold aus der Komödie ‘Hilfe, es weihnachtet sehr’, wenn diese ihre übertriebene Weihnachtsbeleuchtung aktivieren und die Nachbarn vom gleißenden Licht geblendet werden“, versucht Daniel Bahr zu verdeutlichen, wie er die neue Situation empfindet.

Seinen Nachbarn treffe es noch schlimmer. Die Laterne steht direkt neben seiner Grundstücksgrenze in Höhe der Terrasse. „Gemütliche Sommerabende bei Kerzenschein – passé! Nun braucht man auch am Abend eine Sonnenbrille auf der Terrasse…“, führt der Anwohner weiter aus.

Die Lampe sei so hell, dass er nachts ohne Zusatzbeleuchtung seine Reifen wechseln könne. Und auch drinnen sei es so hell, dass keine Zimmerbeleuchtung eingeschaltet werden müsse.

Natürlich habe diese „Optimierung“ auch Vorteile, wie Daniel Bahr ironisch erklärt. Nun könne er nachts in der Küche Zeitung lesen, ohne das Licht einzuschalten. „Ich hab die Küchenleuchte gleich mal abgeklemmt, so spart man Energie. Auch kann ich nun, nach Einbruch der Dunkelheit, in meiner Einfahrt einen Radwechsel ohne Zusatzbeleuchtung durchführen, und meine Kinder können die ganze Nacht auf der Spielstraße Federball spielen. Immer, wenn ich den unvermeidlichen Blick durch das Küchenfenster riskiere, erschrecke ich, da ich denke, dass gerade ein verglühender Meteorit, so wie in Tscheljabinsk, vor unserem Haus einschlägt“, macht der Lüdenscheider darauf aufmerksam, dass ihm und seiner Familie die neue Beleuchtung einfach zu hell ist. Er könne zudem nicht nachvollziehen, wieso eine beschauliche Nebenstraße besser ausgeleuchtet sei als zum Beispiel der Sternplatz mitten in der Innenstadt.

Seine Frau macht auf einen noch ganz anderen Aspekt aufmerksam: den Tierschutz. Die Vögel würden aus ihrem Rhythmus gebracht und auch andere Tiere würden durch das künstliche Licht gestört und an 24 Stunden Tageslicht glauben.

Ein Beispiel, wie die Straßenbeleuchtung farblich in seinen Augen besser wäre, sei die Herscheider Landstraße, die vor ein oder zwei Jahren erneuert worden sei.

Für die Stadt steht hingegen der Sicherheitsaspekt im Vordergrund. So sollen Fußgänger oder Tiere auf der Fahrbahn besser erkannt werden. Hinzu komme der Umweltaspekt und auch Ersatzteile für die Natriumdampflampen gebe es nicht mehr.

Grundsätzlich wird in Lüdenscheid auf LED-Lampen umgerüstet. Allerdings hat die Stadt dabei einen festen Budgetplan zu berücksichtigen sowie Bestellzeiten. Wann genau die Straßenbeleuchtung an der Paracelsusstraße auf LED-Licht umgestellt wird, hängt von den finanziellen Möglichkeiten der Stadt und den technischen Notwendigkeiten ab. Bei der Umstellung auf LED müssen nämlich nicht nur die Leuchtenköpfe, sondern auch die Masten ausgetauscht werden, da diese eine Einheit bilden, und das ist sehr teuer.

„Da die Leuchtmittel jetzt erst ausgetauscht worden sind, ist nach derzeitigem Stand nicht damit zu rechnen, dass die Umstellung auf LED innerhalb der nächsten vier Jahre erfolgt“, erklärt Stadtsprecher Sven Prillwitz. Seit 2010 wird die Straßenbeleuchtung in Lüdenscheid saniert. 70 Prozent der städtischen Beleuchtung seien bisher modernisiert worden.

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