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Anwohner sauer auf die Stadt: „Erst geht nichts, dann geht alles“

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Von: Thomas Machatzke

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Stadt Lüdenscheid Kaiserallee Schulumzug
Sauer auf die Stadt: die Anwohner der Kaiserallee. © Thomas Machatzke

Für die Grundschule Lösenbach beginnt an der Kaiserallee in dieser Woche ein neues Kapitel. Die Anwohner indes sind sauer, weil sie in allen Planungen von der Stadt nicht miteinbezogen worden sind.

Lüdenscheid – Wenn in der nächsten Woche die Schule nach den Sommerferien wieder den Betrieb aufnimmt, dann wird im Gebäude der ehemaligen Albert-Schweitzer-Hauptschule die Grundschule Lösenbach ihr Übergangsquartier – wahrscheinlich für mehrere Jahre – beziehen. Die Schule siedelt um, weil im Gebäude am Buckesfeld der Brandschutz nicht mehr gewährleistet ist.

Weil ein Schulumzug von Grundschülern in einen entfernten Stadtteil alles andere als gewöhnlich ist, hat sich die Stadt zuletzt sehr darum bemüht, den Bau an der Kaiserallee in Schuss zu bringen. Mittlerweile ist das gesamte Areal eingezäunt worden. Es gibt nun am Eingang der Kaiserallee eine neue Gestaltung mit Sperrpfosten – der Startpunkt für den Schulweg vom Bus-Haltepunkt durch die Kaiserallee aufs Schulareal am Ende der Straße. Auf dem Schulgelände sind die in die Jahre gekommenen Pavillons abgerissen worden. Also: Allein im Außenbereich hat sich viel getan. Und in der Schule gewiss noch mehr.

Die Anwohner der Kaiserallee haben die Entwicklung vor allem in der Zeitung verfolgt. Die Straße ist eine der ganz alten Straßen in Lüdenscheid. 1932 sind die Häuser erbaut. Es ist eine gute, schöne, zentrale Wohngegend.

Anwohner sauer auf die Stadt: „Erst geht nichts, dann geht alles“

Aber auch eine, in der die Anwohner nun auf die Stadt nicht gut zu sprechen sind, weil sie bei allen Planungen nicht gefragt worden sind. Und weil sie Zweifel haben, wie es nun werden wird. Weil sie die Planung in Detailpunkten für grundsätzlich überdenkenswert halten.

Vater und Sohn Zahnow, die auch hier wohnen, haben ein Treffen der Anwohner organisiert, um einmal die Sicht der Menschen der Kaiserallee auf die jüngsten Entwicklungen darzustellen. Es ist Mittwochnachmittag, und rund 20 Anwohner sind gekommen, jüngere und ältere – sie eint ihre Unzufriedenheit mit der Stadt. „Wir haben nichts gegen die Grundschüler“, sagt einer von ihnen. „Wir haben auch nichts gegen die Flüchtlinge gehabt, die Hauptschüler, die Schüler vom BGL. Im Gegenteil, ein bisschen Leben in der Straße ist gut. Wir haben uns eigentlich drauf gefreut, aber so wie es nun gelaufen ist, haben alle die Nase voll.“

Von der Stadt, genauer vom Fachbereich Planen und Bauen, haben die Anwohner zum ersten Mal ganz konkret erst in einem Schreiben am 18. Juli gehört.

Ein Angriff auf Jahrzehnte alte Parkgewohnheiten

Schulwegsicherheit Kaiserallee, steht im Betreff. Angekündigt wird ein erhöhtes Fußgängeraufkommen – mit der Bitte um Vorsicht. Und das Amt schreibt zudem: „Bei einer Ortsbesichtigung ist uns außerdem aufgefallen, dass die Gehwege vor ihren Häusern oftmals überparkt und somit in der Breite eingeschränkt werden. Sollte die Sicherheit der Schüler durch verbotswidrig abgestellte Fahrzeuge nicht gewährleistet sein, werden Verwarnungsgelder durch das Ordnungsamt ausgesprochen.“

Dieser Brief und zuletzt der Zaun, der das von vielen Kindern der Straße in der Freizeit genutzt Außengelände der Schule abriegelt – es waren die Tropfen, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Die Kommunikation zwischen Anwohnern und der Stadt hat nämlich durchaus eine Geschichte, auch eine Geschichte, in der Anwohner-Parkplätze eine Rolle spielen. Um gute Parklösungen für die Kaiserallee hat sich die Stadt nämlich in der Vergangenheit gedrückt und stattdessen toleriert, wenn Pkw neben Laternen in den Grünstreifen halb auf der Straße parkten. Und zudem natürlich, wenn Anwohner ihre Pkw auf der einen Seite auf jenem Abschnitt zwischen Straße und Grundstück geparkt haben, der der Kommune gehört und über den auch der Bürgersteig verläuft. Die Pkw standen hier mit dem Kofferraum immer ein Stück weit auf diesem Bürgersteig, sodass Passanten leicht ausweichen mussten, was aber nie zum Problem geworden ist. Erst jetzt.

Die Anwohner erzählen am Mittwochnachmittag auch die Geschichte davon, wie sich die Stadt um eben jenen Bereich zwischen Grundstücken und Straße eigentlich kaum geschert hat in der Vergangenheit – trotz häufiger Anwohneranfragen und -beschwerden. Die Pflege der Büsche und Pflanzen auf städtischem Terrain? Haben im Zweifel auf diesem Stück die Anwohner übernommen. Das in die Jahre gekommene Pflaster, das uneben ist und bei starkem Regen tiefe Pfützen zeitigt, was gerade im Winter problematisch ist bei Schnee und Eis – die Stadt habe es nie aufgenommen und neu verlegt, sagen die Anwohner, und den Anwohnern sei dies auch untersagt worden.

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Nicht ganz legal, aber seit Jahrzehnten so geduldet: Parken an der Kaiserallee. © Thomas Machatzke

Eigentlich ist die Geschichte von der Kaiserallee somit ein Klassiker: Erst werden die Anwohnerinteressen nicht gehört, nichts tut sich. Dann kommt ein neuer Gast in die Straße, und auf einmal geht alles Mögliche, was vorher nicht ging. Und die Anwohner bleiben draußen vor der Tür, werden nicht einmal mit einbezogen.

Dass sie nun womöglich Strafgelder zahlen sollen, wenn sie parken, wie sie seit eh und je geparkt haben, ist das eine Ärgernis. Sie halten die nun von der Stadt angedachten Lösungen indes generell für schlecht. Der komplette Schulhof inklusive daneben liegender Wiese sei grundsätzlich nicht mehr zugänglich, stellt Vater Zahnow in einer Zusammenfassung der Beschwerden fest, auch außerhalb der Schulzeiten bleibe dieser Bereich, Stand jetzt, verschlossen. Somit entfalle eine beliebte Freizeitfläche für viele Nutzer, vor allem auch mit Kindern. Auch aus dem Bereich Kluse waren bisher viele Familien zu diesem idyllisch gelegenen Areal gekommen.

Ein anderer Anwohner verweist darauf, dass man sich zum Sport nun immer zentral am Zaun treffen müsse, weil die Gruppe sonst gar nicht mehr in die Halle komme. Wer zu spät kommt, hat Pech gehabt…

Den Standort der Hol- und Bringzone direkt hinter dem schmalsten Teil der Kaiserallee halten die Anwohner für keine glückliche Wahl – zu Stoßzeiten fürchten sie Behinderungen. Tatsächlich wird es wohl beim Verkehr in der Straße schwierig werden, wenn am Morgen das Lehrpersonal kommt und parallel die Eltern in die schmale Straße fahren, um ihre Kinder zu bringen. Verkehr, der sich begegnet, ist hier schwer zu handhaben. Im Winter dürfte, so die Befürchtung, das pure Chaos ausbrechen.

Stadt Lüdenscheid Kaiserallee Pfützen Schulumzug
Tiefe Pfützen auf dem städtischen Gehweg - aber die Stadt macht nichts dran... © Thomas Machatzke

Die Anwohner haben sich Gedanken gemacht und drei Ideen entwickelt, die ihrer Meinung nach praktikabler wären für den Bustransfer und Fußweg. Sie alle haben schon viele Erfahrungen mit Schulnutzern und dem Verkehr gemacht haben. Sie kennen den Kiez, wahrscheinlich besser als die Verantwortlichen im Rathaus.

Dieser Bereich zwischen Spielplatz Hotopstraße und dem Autoverkehr auf der Kaiserallee ist ein kleiner Grünstreifen mit Trampelpfad, der alternativ auch als Anwohner-Parkplatz planiert werden könnte, merkt einer der Anwohner an. Das wäre immerhin ein Angebot, dass die Stadt den Anwohnern machen könnte. Stattdessen nun die lapidare Strafgeld-Androhung. Nur Forderungen, keine Lösungsansätze.

Eine junge Frau sagt, dass sie abends nach Fortbildungen nicht irgendwo weit weg parken und dann durch die Nacht laufen wolle nach Hause. Das sei ihr zu gefährlich. Bisher musste sie das auch nicht. Auch sie hat ein ernst zu nehmendes Interesse an einem sicheren Heimweg.

Die Anwohner-Interessen mit den Interessen der Grundschüler unter einen Hut zu bringen – das wäre der Königsweg gewesen für die Stadtverwaltung. Königswege indes sind zumeist keine Einbahnstraßen, sie hätte sich in beide Richtungen bewegen müssen. An der Kaiserallee aber war kein Platz für den Königsweg.

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