Nun rudert die Politik zurück...

Anwohner nicht gefragt: Riesen-Ärger über Straßenumbenennung

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Die Anwohner des Jahnplatzes sind sauer über die geplante Namensänderung. Das machten sie auch bei einem Ortstermin mit der CDU deutlich.

Lüdenscheid – Völlig überrascht zeigen sich die Anwohner des Jahnplatzes von den Plänen, ihre Adresse umzubenennen in „Platz der Kinderrechte“. Und sie sind sichtlich empört.

Einem entsprechenden Antrag von Bündnis 90 /Die Grünen hatte der Rat der Stadt Lüdenscheid im Mai mehrheitlich zugestimmt. Die vier Familien, die dort wohnen, wurden nach der Ratssitzung von der Stadt Lüdenscheid über die bevorstehende Umbenennung informiert und sind nach eigenen Angaben aus allen Wolken gefallen. 

Bei einem Ortstermin mit der CDU, die im Rat gegen die Umbenennung gestimmt und als Alternative vorschlagen hatte, einen Platz im Rahmen der Neugestaltung der Altstadt „Platz der Kinderrechte“ zu nennen, machten die Anwohner ihrem Ärger Luft. 

Alle Familien sind erst in den vergangenen ein bis zwei Jahren in ihre neuen Häuser gezogen und haben gerade erst den mit Neubau und Umzug verbundenen Verwaltungsaufwand hinter sich. Sich nunmehr schon wieder um eine neue Adresse zu bemühen, empfinden sie als Zumutung, zumal es dabei nicht nur um die Änderung einiger Ausweispapiere gehe, wie sie überzeugt sind. „Der Notar wird das meiste kosten.“ 

Nach eigenen Angaben haben sie gemeinsam auf das Schreiben der Stadt Lüdenscheid reagiert, und alle die Stellungnahmen unterzeichnet, in der sie sich gegen die Umbenennung des Platzes aussprechen. Dabei habe man grundsätzlich nichts gegen einen „Platz der Kinderrechte“, aber bitte an anderer Stelle, so die Meinung der Anwohner. „Das passt hier nicht.“ 

Neben den vier Einfamilienhäusern befinden sich am Jahnplatz das Familienzentrum Kita Regenbogen in Trägerschaft des Kinderschutzbundes, der sein Büro an der angrenzenden Jahnstraße hat. Vonseiten der Stadt Lüdenscheid wurde bestätigt, dass die Anwohner über den Ratsbeschluss zur Umbenennung des Platzes informiert und um eine Stellungnahme gebeten wurden. 

Das Ergebnis werde dann in den entsprechenden Gremien, voraussichtlich zunächst im Bau- und Verkehrsausschuss, bekannt gegeben. Ob es Möglichkeiten gebe, die Umbenennung noch aufzuhalten, wurde allerdings nicht beantwortet. Die CDU kündigte beim Ortstermin mit den Anwohnern an, dies zumindest prüfen zu wollen.

Update: Überraschende Entwicklung

Inzwischen plädiert die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen dafür, den bereits im Hauptausschuss getroffenen Beschluss zu kassieren und neu zu verhandeln – diesmal auch unter Einbeziehung der Anwohner. 

Fraktionsvorsitzender Otto Bodenheimer schreibt dazu an die LN: „Es war offensichtlich ein Fehler, sich zur Gänze auf die Mitteilung des Kinderschutzbundes zu verlassen, in dessen Stellungnahme nicht die Anlieger mit einer Stellungnahme zur beantragten Namensänderung angeführt wurden, sondern nur der Kinderschutzbund und der Johannes-Busch-Wohnverbund. Dennoch haben wir im Hauptausschuss auf einer Abstimmung bestanden. Dies bedauern wir, und dafür entschuldigen wir uns.“ 

„Erfreulicherweise“, so schreibt Bodenheimer weiter, sei dieser Fehler vergleichsweise einfach zu beheben – „und das wollen wir auch“. Ein erster Schritt in diese Richtung sei der neue Grünen-Antrag, diesen Beschluss aufzuheben und das Problem der Namensgebung in einen erneuten Abwägungsprozess zu geben, an dem alle Betroffenen einbezogen werden. 

Um alle Diskussionen darüber „zeitnah einzufangen“, biete sich für die Rücknahme des Beschlusses aus der Hauptausschuss-Sitzung die Sitzung des Ältestenrats am 14. Juli an. In diesem dann zu führenden Abwägungsprozess werde sich als Ergebnis zeigen, ob ein öffentliches Interesse an einer Namensänderung überwiege oder nicht. 

Bodenheimer selbst wollte jüngst vor Ort versuchen, möglichst viele Anlieger für ein Gespräch zu erreichen, in dem er um Verzeihung „wegen unseres Fehlers“ bitten und die weitere Vorgehensweise in Aussicht stellen werde.

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