Lichtraumprofilschnitt entlang der L561

Anwohner klagen über Kahlschlag - Behörde spricht von "Pflege mit Augenmaß"

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Aus Gründen der Verkehrssicherheit wurden viele Äste, Bäume und Sträucher entfernt – vor allem jene, die geschädigt oder sturmgefährdet sind. Zudem wurden jene Äste entfernt, die über die Fahrbahn hängen und den Verkehr gefährden würden (Lichtraumprofilschnitt).

Lüdenscheid - Für die einen ist es ein „radikales Abholzen“ , für die anderen eine notwendige Maßnahme zur Verkehrssicherung: Das Bild entlang der Herscheider Landstraße (L561) hat sich in den vergangenen Wochen verändert. 

Vom Abzweig Paulmannshöher Straße und weiter in Richtung Autobahn-Zubringer sind viele Bäume verschwunden und die Begrünung am Straßenrand hat sich deutlich gelichtet. Das hat seinen Grund.

Wie auf der Homepage des Landesbetriebs Straßen.NRW zu lesen ist, finden im Stadtgebiet Gehölzarbeiten sowie sogenannte Lichtraumprofilschnitte statt. Das bedeutet: Die Bäume am Straßenrand werden so zurückgeschnitten, dass sie nicht über die Straße ragen und möglicherweise große Fahrzeuge wie Lastwagen berühren. Dazu können Grob- und Schwach-äste eingekürzt oder abgesägt werden. Laut Straßenverkehrsgesetz muss der lichte Raum über Straßen 4,5 Meter, über Gehwegen 2,5 Meter betragen. Denn auch Radfahrer oder Fußgänger dürfen durch herabhängende Zweige nicht gefährdet werden, weiß auch Andreas Berg von Straßen.NRW.

Doch nicht nur das Freischneiden des Lichtprofils beschäftigt derzeit die Mitarbeiter des Landesbetriebs, auch weitere Gehölzarbeiten sind notwendig – aus Gründen der Verkehrssicherheit. Schadhafte Bäume, Totholz oder sturmgefährdete Stämme – sie alle werden im Rahmen der turnusmäßigen Kontrollen entfernt. Lagert einiges derzeit noch auf Plätzen entlang der Straße, wird es in absehbarer Zeit abgeholt und „ökologisch verwertet“, erläutert Berg weiter. In der Regel werde das Holz einem Kraftwerk zur Gewinnung von Strom und Wärme zugeführt.

Für Aufregung sorgte bei so manchem vor allem jedoch eines: das sogenannte Auf-den-Stock-setzen. Hierbei werden die Gehölze etwa 20 Zentimeter über dem Boden gekappt, damit sie im Frühjahr wieder neu austreiben. „Das sieht auf den ersten Blick zunächst radikal aus, aber die Bäume sind ja nicht weg“, möchte Andreas Berg besorgte Bürger beruhigen. „Man wird sehen, dass die Gehölze bald wieder austreiben. Wir pflegen mit Augenmaß“, betont Berg.

Und verweist darauf, dass die Maßnahmen, die derzeit im ganzen Land – nicht zuletzt entlang der Autobahnen – durchgeführt werden, bereits in der kommenden Woche abgeschlossen sein müssen. Denn: Für bestimmte Gehölze besteht im Zeitraum 1. März bis 30. September ein zeitlich begrenztes Fäll- beziehungsweise Beseitigungsverbot. „Diese Schutzbestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes sollen dazu beitragen, die Lebensräume bestimmter Arten zu schützen und so die biologische Vielfalt zu erhalten“, heißt es vom Landes-Umweltministerium. Berg: „Das heißt auch für uns: Am 29. Februar ist Schluss.“

Regeln der Gehölzpflege

Gehölze und andere Anpflanzungen entlang von Straßen erfüllen wichtige Funktionen: Aus verkehrstechnischen Aspekten dienen sie als Sicht-, Blend- und Windschutz, aus bautechnischer Sicht unter anderem als Böschungssicherung, heißt es auf der Internetseite von Straßen.NRW. Aber: Der „Baustoff“ Pflanze lebt und verändert sich ständig. Deshalb müssen Gehölzflächen an Straßen immer wieder gepflegt werden. Dafür gelten jedoch Regeln: 

Gehölze dürfen nicht die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer gefährden, indem sie die Sicht auf Schilder, Ampeln oder Kreuzungen verdecken

Kranke und alte Bäume verlieren ihre Standsicherheit und werden dann zur Gefahr für Verkehrsteilnehmer.

Ein regelmäßiger Rückschnitt der Gehölze erhält die Funktion des Grüns neben der Straße.

Schmale Gehölzstreifen mit höchstens vier Reihen werden regelmäßig „geläutert“. Einzelne Gehölze werden dabei entfernt, damit die verbleibenden neue Seitentriebe ausbilden.

Bei breiten Gehölzstreifen wird genau hingeschaut: Ist der Bestand noch jung, genügt ein gezieltes „Läutern“ zur selektiven Förderung von dauerhaft stabilen Bäumen. Auch für ältere Bestände gilt als Ziel die Förderung von Dauerbäumen in einer mehrschichtigen, stabilen Bestandsstruktur. Nur bei älteren, überdichten und instabilen Beständen bleibt oft nur die Möglichkeit des abschnittsweisen Auf-den-Stock-setzen.

Zur Förderung einer stabilen Bestandstruktur sollen standsichere und erhaltenswerte Einzelbäume, Sträucher und Gehölzgruppen innerhalb der Pflegeabschnitte verbleiben.

Durch das abschnittsweise Vorgehen bei der Gehölzpflege haben Kleintiere und Insekten die Möglichkeit, sich auf die neue Situation einzustellen.

Die Gehölzpflege richtet sich nach den Vorgaben des Gesetzes über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz) und den Hinweisen für die Gehölzpflege an Bundesfern- und Landesstraßen in Nordrhein-Westfalen. Damit wird gewährleistet, dass die Anforderungen des Natur- und Artenschutzes Berücksichtigung finden.

Die regelmäßige Gehölzpflege findet vom 1. Oktober bis 28. Februar statt. Während der übrigen Zeit, der Vegetationsphase, muss bei Maßnahmen der Gehölzpflege die Verkehrssicherheit gefährdet sein. Form- und Pflegeschnitte sind auch erlaubt.

Straßen.NRW betreibt seine Gehölzpflege im ständigen Dialog mit den Fach- und Naturschutzbehörden.

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