Erste Erfahrungen mit neuen Tests

Antikörper-Tests: Lüdenscheider Labor verrät, wer sich testen lässt und wer nicht

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Antikörper-Tests sind seit einigen Wochen auf dem Markt (Symbolbild). 

Lüdenscheid – Der massenhafte Einsatz von Antikörper-Tests soll in Deutschland den Weg aus der Corona-Krise ebnen. Voraussetzung dafür ist, dass die Krankenkassen die Kosten für den Test übernehmen.

Eine Vorentscheidung darüber sollte noch in dieser Woche fallen. Das Medizinische Labor Wahl bietet seit Mitte April Antikörper-Tests für Sars-CoV-2 an. Mehr als 1.000 Blutproben wurden seitdem im Lüdenscheider Labor untersucht. 

Die größte Nachfrage kommt derzeit von den Intensivstationen der Krankenhäuser, auf denen schwer kranke Covid-19-Patienten behandelt werden. Mit den Tests wollen die Mediziner überprüfen, wie viele Antikörper sich im Blut der Patienten bilden – und wie schnell.

„Wir haben bei den Tests festgestellt, dass Intensivpatienten auf das Virus unterschiedliche Immunantworten geben. Es gibt eine Gruppe, die sehr früh Antikörper bildet. Bei einer zweiten Gruppe beginnt die Bildung von Antikörpern sehr spät und steigt auch nicht stark an“, berichtet Laborleiter PD Dr. Dr. Hans Günther Wahl.

Auch Privatpersonen gehören seit Mitte April zu den Wahl-Kunden. Die Nachweise von Antikörpern bei den dabei durchgeführten Tests seien aber „ganz deutlich geringer“ als bei den Covid-19-Patienten, sagt der Facharzt für Laboratoriumsmedizin. 

Der Grund: Es kommen vor allem Personen, die bislang überhaupt keine grippeähnlichen Symptome hatten. „Bei manchen Kunden ist die Durchführung des Antikörper-Tests von der Hoffnung begleitet, dass sie die Krankheit schon durchgemacht haben, ohne es zu merken“, sagt der Mediziner. 

PD Dr. Dr. Hans Günther Wahl ist Leiter des Labors Wahl im Klinikum Lüdenscheid.

Eine weitere Beobachtung unter anderem am Abstrichzentrum in Warstein erklärt den bisher geringen Anteil von Antikörper-Nachweisen bei den privaten Anfragen. Wahl: „Personen, die nach einem Abstrich positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden, wollen keinen Antikörper-Test mehr durchführen.“ Sie wüssten ja, dass sie das Virus überstanden haben. 

Das Labor Wahl befindet sich im Untergeschoss des Klinikums Lüdenscheid. Seit dem strikten Besuchsverbot entnehmen die Labor-Mitarbeiter das für den Antikörper-Test notwendige Blut nicht mehr vor Ort. 

Wer den Service nutzen möchte, muss daher eine Blutprobe einsenden. Die Kosten für den Antikörper-Test – derzeit sind in der Lüdenscheider Einrichtung drei verschiedene im Angebot – belaufen sich für Selbstzahler auf weniger als 20 Euro. 

Trotz der Kritik an der Zuverlässigkeit der Ergebnisse – unter anderem wegen möglicher Reaktionen des Tests auf Antikörper anderer Coronaviren – hält Laborleiter Wahl die bisher vorhandenen Tests für „nicht so schlecht“. Zudem kommen immer neue, verbesserte Tests zum Einsatz. 

Sollten Antikörper-Tests auf das Coronavirus – wie von der Bundesregierung vorgesehen – eine Kassenleistung werden, rechnet Hans Günther Wahl in den kommenden Wochen mit einer deutlich anziehenden Nachfrage. 

Die stellt der Geschäftsführer – trotz gesunkener Infiziertenzahlen in Deutschland – seit ein paar Tagen auch wieder bei den Corona-PCR-Tests fest. Während der Antikörper-Test erst einige Zeit nach Ausbruch der Erkrankung Ergebnisse liefert, kann mittels PCR-Test die akute Infektion nachgewiesen werden. Nur Personen, bei denen dieser Test positiv ausfiel, gelten laut Robert-Koch-Institut überhaupt als Corona-Fall. 

Der Grund für den erneuten Anstieg sind Bemühungen der Krankenhäuser zur schrittweisen Rückkehr in den Normalbetrieb. Dazu ist die Testung eines jeden neuaufzunehmenden Patienten erforderlich. 

Allein das Klinikum Lüdenscheid lässt nun mehr als 60 zusätzliche PCR-Test am Tag durchführen. Weitere Kliniken haben ebenfalls Mehrbedarf angemeldet. Weil in den Krankenhäuser nun mehr Menschen getestet werden, die keinerlei Covid-19-Symptome zeigen, ist die Quote der positiven Tests deutlich in den einstelligen Bereich abgesunken. 

Laborleiter Wahl nennt das einen „Verdünnungseffekt.“ Anfang April waren noch 14 Prozent der Corona-Tests im Labor Wahl positiv. 8,2 Stunden dauert es im Schnitt, bis das Testergebnis bei den Wahl-Kunden eintrifft, darunter rund 100 Arztpraxen in NRW und Hessen. In den Krankenhäusern geht es schneller. Die Anfragen der Kliniken sind zeitkritisch, denn bis zum Vorliegen des Ergebnisses müssen die neuaufzunehmenden Patienten separat betreut werden.

Alle Infos gibt es im

Corona-Ticker für den Märkischen Kreis

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