Lasterhöhlen und Lustparaden

Mord mit Sex galt es in den Geschichten zu verbinden.

Lüdenscheid - Das Bestechende ist die Nähe. Eifel-Krimis, solche an Nord- und Ostsee oder gar im Taunus – alles viel zu weit weg. Aber Morde entlang des Hellwegs, des berühmtesten aller Hellwege, der alten Heer- und Handelstraße von Duisburg über Essen, Dortmund, Unna nach Paderborn, der zwischen Lippe, Emscher und Ruhr, das ist nah dran.

„Sexy.Hölle.Hellweg“ heißt die mittlerweile siebte Anthologie, die zu Europas größtem Krimifestival aufgelegt wurde, einmal mehr im grafit-Verlag und von Anfang an ein fester Bestandteil des Festivals. 21 Autorinnen und Autoren entdecken als literarische Killer die verruchte Seite des Hellwegs und zeigen eindrucksvoll, dass die Region entlang des westfälischen Hellwegs alles andere ist als brav.

Ralf Kramp zum Beispiel schildert in seiner Geschichte sowas wie einen „Eigentlich hab ich das ja gar nicht gewollt“-Mord, indem er seine Frau auf einer Exkursion der VHS Unna-Holzwickede-Fröndenberg mit dem Nothammer des Reisebusses erschlägt.

314 Seiten, 11 Euro, Verlag: Grafit Verlag

ISBN-13: 978-3894254483

Die Glocken von St. Petri in Soest, schwäbisch-hallische Landschweine, Nudeln süßsauer aus einer Pappschachtel in Lünen oder auch die Obsessionen eines Wolf Pötters in seinem Polyesterjackett in Holzwickede – was immer die Autoren, die den Ort des Geschehens zugelost kriegen, an Bordellen, Ehebetten, Lasterhöhlen und Straßenstrichen zusammen tragen, kann sich der geneigte Leser der Region bildhaft vorstellen. Nicht zuletzt, weil er oder sie am einen oder anderen Tatort schon mal gewesen oder zumindest durchgefahren ist.

Gelegentlich verheißen die Titel der Kurzgeschichten, die in diesem Jahr zwingend mit Sex und einem Mord zu tun haben mussten, mehr, als die Geschichte am Ende bietet – „Shades of Kamen“ von Arno Strobel zum Beispiel. Aber durchweg sind die Shortstories flott in der Mittagspause oder auf der Parkbank zu lesen.

Gabriella Wollenhaupt, die für die Anthologie den Beitrag über Lüdenscheid schrieb, konnte sich nach eigenem Bekunden zunächst nicht vorstellen, Leidenschaft und Lüdenscheid in Einklang zu bringen. „Lüdenscheider Lustparade“ heißt ihre knapp 15-seitige Geschichte, die an dieser Stelle noch im Dunkeln bleibt.

Denn Wollenhaupt liest morgen Abend ab 19.30 Uhr in der Seniorenwohnanlage Reseda Lutea und stellt bei der Gelegenheit auch ihre eigentliche Krimi-Protagonistin vor. Karten für die Lesung gibt’s bei Thalia. - rudi

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