Anonyme Schmähbriefe „Ansporn“ für Unterstützer

Lüdenscheid - Die Zahl der sogenannten Schmähbriefe, die anonyme Verfasser an Menschen verschicken, die sich für Flüchtlinge einsetzen, wächst offenbar. Aktuelles Beispiel ist ein Pamphlet, dass der Sprecher der Lüdenscheider Linken, Michael Thomas-Lienkämper, erhalten und nach eigenen Angaben sofort an den Staatsschutz in Hagen weitergeleitet hat.

In dem Schreiben, das laut Briefkopf in Aachen aufgesetzt wurde und an Thomas-Lienkämper persönlich gerichtet ist, ist unter anderem von der „unaufhaltsamen Islamisierung Deutschlands“ die Rede. Weiter heißt es etwa: „Die alle wissen genau, wo sich das Schlaraffenland befindet.“

Nach Angaben eines Sprechers der Staatsschutzabteilung beim Polizeipräsidenten in Hagen weiten sich Ermittlungen wegen täglich neuer Schmähbriefe bundesweit immer weiter aus. Vielfach böten die Briefe keine Grundlage für eine strafrechtliche Verfolgung, trotzdem werde versucht, die Urheber ausfindig zu machen.

Bei den Adressaten entstehe oft ein mulmiges Gefühl, weil die Verfasser von Schmähbriefen auch signalisieren: „Wir wissen, wo du wohnst und wer du bist!“ Trotzdem, heißt es beim Staatsschutz weiter, solle man sich durch solche Einschüchterungsversuche nicht verunsichern lassen.

Diesen Rat hat der linke Kommunalpolitiker Michael Thomas-Lienkämper kaum nötig. Im LN-Gespräch sagt er: „Ich habe keine Angst. Im Zweifel spornt mich so was sogar an.“ Bei einer Kundgebung Anfang Dezember hatte sich Thomas-Lienkämper in einer öffentlichen Rede für das Bleiberecht einer Familie aus dem Kosovo stark gemacht. Kurz darauf fand er den Umschlag ohne Absenderangaben in seinem Briefkasten.

„Das gehört heute wohl zur gesellschaftlichen Realität“ sagt der Linken-Sprecher. Er habe das Schreiben sogleich nicht nur an den Staatsschutz, sondern auch an Fraktionskollegen, den Bürgermeister und den Stadtkämmerer weitergeleitet. „Die haben solche Briefe nicht gekriegt.“

Was ihn ärgere, sei, dass die Versender der Schmähbriefe „nicht mit offenem Visier“ zu Werke gegen, sondern sich „feige in der Anonymität verstecken“ und „verdeckt aus dem Gebüsch heraus agieren“, so der Politiker.

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