Alkoholkranker Anrufer legte Zugverkehr lahm

Bewährungsstrafe nach anonymer Bombendrohung

+
Die Bahnhöfe in Werdohl (Foto) und Lüdenscheid waren am 23. November wegen einer anonymen Bombendrohung für mehrere Stunden gesperrt.

Lüdenscheid - Wegen einer anonymen Bombendrohung waren am 23. November 2015 die Bahnhöfe in Werdohl und Lüdenscheid für mehrere Stunden gesperrt. Der Zugverkehr ruhte. Am Abend gab's Entwarnung und einen Tag später den schnellen Fahndungserfolg. Nun musste sich ein 55-jähriger Lüdenscheider vor dem Amtsgericht für seine Tat verantworten.

Nichts ging mehr am Nachmittag des 23. November auf der Ruhr-Sieg-Strecke und am Bahnhof Lüdenscheid. Weil ein anonymer Anrufer um 16.46 Uhr die 112 wählte und in der Kreisleitstelle zu Protokoll gab, dass in einem Bahnhof gegenüber der Polizeistation eine Bombe hochgehen werde, wurden die Bahnhöfe in Werdohl und Lüdenscheid komplett geräumt. 

Der dazugehörige Bahnverkehr wurde umfassend lahmgelegt. Die Regionalbahn 52 von Dortmund nach Lüdenscheid kam nur noch bis Brügge, und die Ruhr-Siegstrecke blieb bis gegen 19 Uhr gesperrt. Die MVG leitete alle Busse um, die einen der beiden Bahnhöfe anfahren sollten. Und dann wurde gesucht: „Während die Polizeibeamten in Lüdenscheid – auch mangels eines Bahnhofsgebäudes – ausgesprochen unauffällig agieren konnten, mussten sie im Werdohler Bahnhof im Erdgeschoss das Café und im Obergeschoss ein Sitzungszimmer räumen, in dem gerade die Wohnungsgesellschaft tagte“, hieß es in einem Bericht. Bei der Durchsuchung fanden weder die Beamten, noch die eingesetzten Sprengstoffspürhunde irgendwelche verdächtigen Gegenstände.

Die Fahndung nach dem Anrufer brauchte nicht lange, um einen 55-jährigen Lüdenscheider als Täter zu identifizieren. Er hatte weder seine Rufnummerkennung unterdrückt, noch den Anruf bei der Kreisleitstelle aus seiner Anrufliste gestrichen. Als ein Kriminalbeamter ihn anrief, erkannte er die Stimme des Anrufers wieder und lud ihn zu einem Gespräch in die Lüdenscheider Polizeiwache.

„Ich weiß das gar nicht“, versicherte der Angeklagte im Amtsgericht Lüdenscheid, wo er sich wegen einer „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“ verantworten musste. Anderthalb Flaschen Wodka habe er an jenem Tag getrunken, begründete er sein schwaches Gedächtnis – eine durchaus übliche Ration im Leben des schwer alkoholkranken Mannes. Als er einige Tage später um elf Uhr morgens in die Polizeiwache kam, ergab ein Atemalkoholtest einen Wert von 1,8 Promille. „Man konnte sich mit ihm ganz normal unterhalten“, staunte der Beamte. Der Angeklagte war unzureichend orientiert über das Ausmaß seiner alkoholbedingten Probleme: „Ich will keine Therapie. Ich mach das selbst“, murmelte er und sicherte zu, dass ab sofort Schluss sei mit dem Alkohol. Weil an den Erfolg dieses Vorhabens sonst niemand im Gerichtssaal glaubte, empfahl Richterin Kristina Thies ihm dringend, einen Arzt aufzusuchen und sich um eine Therapie zu bemühen.

„Sie scheinen einen starken Drang zu verspüren, regelmäßig mit der Polizei zu telefonieren“, stellte die Richterin mit Blick auf mehrere frühere Verurteilungen wegen des Missbrauchs von Notrufen fest. Sie verurteilte den 55-Jährigen zu einer Haftstrafe von drei Monaten auf Bewährung und machte zum Abschied klar: „Wenn Sie wieder solchen Blödsinn veranstalten, gehen Sie ins Gefängnis!“

Lesen Sie dazu auch:

- Alkoholisierter Lüdenscheider (55) setzte Bombendrohung in die Welt

Bombendrohung: Bahnhöfe in Lüdenscheid und Werdohl lahmgelegt

Entwarnung nach Bombendrohung: Bahnhöfe Lüdenscheid und Werdohl frei

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare