Annette Schmidt-Kob verabschiedet sich

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Annette Schmidt-Kob geht in den Ruhestand.

Lüdenscheid -  „Ich mach’ jetzt erst mal nix. Mal sehen, was passiert, wenn ich keinen Plan habe. Mal gucken, ob ich auch noch etwas anderes kann als Schule“, sagt Annette Schmidt-Kob und lächelt. Der Pausengong tönt laut durch ihr Büro. Unzählige Male hat sie ihn schon gehört in ihrem Berufsleben. Jetzt nimmt ihn die Leiterin der Friedensschule gar nicht mehr wahr. Wie ist das so kurz vor der Verabschiedung in den Ruhestand? Schwingt da auch Wehmut mit?

Die 63-jährige Leiterin der Förderschule für Lernen, die morgen die Altersteilzeit antritt, schlägt die Beine übereinander, schaut aus dem Fenster und lässt sich Zeit mit der Antwort: „Mein Beruf und ich haben zusammengepasst. Es war nicht eine Minute langweilig, und meine Arbeit hat mein Leben bereichert. Doch jetzt ist auch mal was anderes dran, Zeit, in einen nächsten Raum zu gehen.“

Natürlich werde sie auch einiges vermissen, fügt die zweifache Mutter hinzu: „Fehlen wird mir die Brille, durch die Kinder und Jugendliche auf die Dinge blicken. Es ist einfach eine ganz andere Sicht als die der Erwachsenen. Fehlen werden mir auch die vielen Kontakte. Wenn’s Probleme gab, war ich nie allein.“

Apropos Probleme: Viele Schüler der Friedensschule kommen aus nicht gerade einfachen Familienverhältnissen, haben zum Teil schon heftige Geschichten erlebt. Sind sie schwieriger geworden in all den Jahren, anders in ihrem Verhalten? „Anders ja, aber nicht schwieriger. Die Zeiten sind anders, die Kinder, wir selbst ja auch. Schule ist dafür da, sich darauf einzustellen – immer mit Blick auf das einzelne Kind, um ihm dann eine Entwicklung zu ermöglichen, die zu ihm passt. Diese Kinder sind auf den Schonraum Förderschule angewiesen, und wir müssen diesen Weg offen halten, damit kein Kind verloren geht. Alle sind wertvoll. Vielleicht ist ihr Verhalten manchmal nicht liebenswert, aber die jungen Menschen sind es schon“, sagt Annette Schmidt-Kob.

Das ist bei allem Verständnis für die Inklusion ein leidenschaftliches Plädoyer für die Förderschule, das auf einer jahrelangen Erfahrung fußt: Nach dem Abitur in Wipperfürth studierte sie Sonderpädagogik in Köln, machte ein Referendariat in Brühl, kam 1976 nach Lüdenscheid zur Schule für Lernbehinderte.

1977 betrat sie erstmals die Friedensschule, doch nur für ein Jahr. Sie wurde im Seminar Olpe Fachleiterin für die Lehrerausbildung. Als es geschlossen wurde, leitete sie von 1984 bis 1998 die Schule für Kranke an der Hohfuhrstraße. Danach kehrte sie zurück zur Friedensschule – diesmal als Leiterin und mit vielen Erfahrungen im Gepäck. Berufsbegleitend hatte sie auch eine Supervisoren-Ausbildung gemacht. „Das waren alles schöne Erfahrungen, die zu meiner neuen Aufgabe passten.“ Zum Abschied noch ein Blick zurück zu den Anfängen: „Schon nach meinem ersten kurzen Besuch damals nach dem Abitur in einer Sonderschule in Halver, der meiner beruflichen Orientierung dienen sollte, war ich fasziniert von dem ganzheitlichen Ansatz, mit dem die Kinder gesehen wurden“, erinnert sie sich.

Die Faszination hat kein bisschen nachgelassen. Daher überrascht der Wunsch nicht, den sie „ihrer“ Friedensschule für die Zukunft mitgibt: „Ich wünsche mir, dass dieser Förderort bleibt, dass es Platz gibt für Kinder, die etwas anderes brauchen – einen guten Ort, an dem sie wachsen und sich entwickeln können.“ - von Martin Messy

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