Begegnung mit Schatten

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Anna Piechotta stellte ihr Programm „Komisch im Sinne von seltsam“ vor.

LÜDENSCHEID - Man geht zu einem Lüsterklemmen-Abend, um mal so richtig zu lachen. Am besten anderthalb Stunden lang. Das allerdings war am Mittwochabend schwierig. Zu Gast in der Garderobenhalle des Kulturhaus war mit Anna Piechotta eine Art Chanson-Sängerin mit deutschsprachigen Texten. Bei denen beschlich allerdings den geneigten Zuhörer schnell das Gefühl, die Reime seien geradezu erzwungen lustig.

Von Jutta Rudewig

„Komisch im Sinne von seltsam“ war der Abend überschrieben, und das Programm erwies sich als genau so: Komisch nicht im Sinne von komisch, sondern eher etwas seltsam. Singen kann sie, am Piano ist sie gut, aber am Zwischenmenschlichen, an dem amüsanten Zwiegespräch zwischen einem Kabarettisten und seinem Publikum, das einen gelungenen Abend ausmacht, muss Anna Piechotta noch arbeiten. Sich selbst moderierend lieferte die Sängerin zunächst im schlichten schwarzen Kleid ein Lied über eine Begegnung via Flirtline im Internet oder eine solche mit dem eigenen Schatten. Und gerade, wenn man sich so richtig entspannt nach einem langen Arbeitstag im Stuhl zurück sinken ließ, kamen Laute und Kraftausdrücke über die Lippen der Protagonistin, bei denen man der zierlichen Person mit dem Schneewittchen-Outfit gar nicht zugetraut hätte, solche zu kennen. Bösartige Zungenschläge, dazwischen wieder düstere Töne, traurige Melodien, um dann wieder den Permanent-Vortrag am Klavier mit frauenfeindlichen Flachwitzen aufzulockern: „Was hält Frauen in der Küche fest? Na, die Herd-Anziehung!“

Nach der Pause dann die Chansonette im roten Dress, was auf mehr Feuer im Programm hoffen ließ. Am Klavier trug sie ein Stück über den Facebook-Vorgänger „StudiVZ“ vor, später dann eine Komposition über den Friedhofsgärtner und das, was er über seine „Schäfchen“ so alles weiß. Nach eigenem Bekunden kommt Anna Piechotta aus einem 40-Seelen-Dorf in der Eifel, das passende Lied hatte sie auch gleich parat: „So schön ist es am Arsch der Welt“.

Nett anzuhören zwar, aber ein so ganz anderer Lüsterklemmen-Auftritt, der nach zweimal 50 Minuten und zwei, drei Zugaben zu Ende war und ohne Zweifel nicht so ganz das bot, was das Lüdenscheider Publikum an einem Mittwochabend so richtig auf Trab gebracht hätte.

Freitagabend tritt ab 19.30 Uhr an gleicher Stelle Michael Feindler auf.

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