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Anlieger-Kontrollen wegen A45: Kunden „haben Angst“, zum Supermarkt zu fahren

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Von: Thomas Machatzke

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Cezary Dobrowolski vom polnischen Markt „Lukullus“ im Olpendahl. © Privat

Die Polizei hat die Aufgabe, nur die Anlieger in die Anliegerbereiche der A45-Umleitungen zu lassen. Doch was ist, wenn im Anliegerbereich Kunden ein Geschäft erreichen wollen?

Lüdenscheid (NRW) – Der Anliegerverkehr auf den Umleitungsstrecken der A45-Sperrung hat viele Facetten. Erst kürzlich legte die Polizei eine Bilanz vor, in der sie darlegte, dass sehr großflächig eben dieser Verkehr überwacht worden sei – mit den entsprechenden Ergebnissen.

Doch so sehr die Anliegerregelung für viele Anwohner ein Segen ist, so ist sie für andere auch ein Fluch. Für Cezary Dobrowolski zum Beispiel und sein Lebensmittelgeschäft „Polnische Spezialitäten Lukullus“ im Olpendahl. Die verschärften Polizeikontrollen haben seine Kunden verunsichert.

„Dass auswärtige Kennzeichen ausgesiebt werden, das ist klar, aber bei MK-Kennzeichen?“, fragt Dobrowolski und berichtet davon, dass seine Kundschaft inzwischen in Teilen sogar Angst habe, zu ihm zu kommen. „Die Kunden sagen, dass sie zu mir ins Geschäft wollen“, sagt Dobrowolski, „und dann sagt die Polizei: Das kann ja jeder sagen, ob sie das beweisen könnten.“

Anlieger-Kontrollen wegen A45: Kunden „haben Angst“ zum Supermarkt zu fahren

Für den Polen ein echtes Problem. Der langen Corona-Flaute folgte das Brückendesaster. Es geht nicht um ein paar Prozente auf der Gewinnseite, es geht um die pure Existenz. „Ich muss schon überlegen, ob ich mit meinen Personal so weiter klarkomme. Am Ende des Jahres werden wir uns die Bilanzen anschauen“, sagt Dobrowolski. Er habe bereits im Februar nach den ersten zwei Monaten Brückensperrung einen Hilferuf gesendet: 50 Prozent Umsatzeinbußen. Es ist eng, ganz eng. Aber sehen lassen hat sich niemand von der Stadt. „Auch kein Bürgermeister“, sagt er, „denen ist doch alles scheißegal.“

Volker Mürmann, Chef der Polizei-Hauptwache in Lüdenscheid, weiß um die Sorgen der Geschäftsleute im Olpendahl. „Die sind doch ohnehin gekniffen. Wir wollen ihnen von Seite der Polizei auf gar keinen Fall in die Parade fahren“, sagt Mürmann. Einen Spruch wie jenen, den Dobrowolski zitiert, kann er sich eigentlich nicht vorstellen. „Aber ich kann es natürlich nicht ausschließen, dass diese Worte gefallen sind“, sagt er.

Gleichwohl ist die Direktive für die Polizei natürlich, dass die Kunden der Geschäfte im Olpendahl – in direkter Nachbarschaft zum Beispiel der Schreibwarenladen Sasse, aber auch der Orestis-Grill – ihre Ziele auch erreichen sollen. Ohne Angst, ohne Probleme.

Polizeichef: „Natürlich ist es gerade im Olpendahl eine schwierige Situation“

„Allerdings ist es natürlich gerade im Olpendahl eine schwierige Situation“, gesteht der Polizeichef ein. Letztlich ist es ja tatsächlich so, dass ein Autofahrer immer behaupten kann, eines der Geschäfte, den Grill oder auch die Sportanlagen (Tischtennis, Handball, Fußball) am Eulenweg anzusteuern. Widerlegen können die Beamten dies kaum. „Neulich hat ein Autofahrer gesagt, dass er zum Orestis-Grill wollte“, sagt Mürmann. Die Kollegen hätten ihn darauf hingewiesen, dass der Grill noch gar nicht geöffnet sei. Ja, habe der Fahrer geantwortet, aber er öffne um 11 Uhr. Da war es 10.50 Uhr.

Für Cezary Dobrowolski ist klar: Die Polizei übertreibt bei ihren Kontrollen. Das habe ihm die Rückmeldung seines Kunden gespiegelt. Auf dem Hinweg zum Laden könne noch niemand eine Rechnung als Beweis vorzeigen. „Die Leute sollen keine Angst haben, wenn sie bei mir einkaufen wollen“, sagt er und hat selbst Angst, wie es weitergehen soll mit seinem Laden. Bis die neue Brücke steht, wird es gewiss noch viele Kontrollen geben am Wehberg.

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