Anlagebetrug: Verluste bis zu 35.000 Euro

+

Lüdenscheid - Weil sie Anleger mit durch Hochrisikoanlagen in den Jahren 2010 und 2011 reihenweise um ihr Erspartes gebracht hatten, sollten sich am Donnerstag drei Angeklagte wegen Anlagebetruges vor dem Erweiterten Schöffengericht in Lüdenscheid verantworten.

Ein 69-Jähriger, dessen Status als Hauptangeklagter die Beweisaufnahme nachdrücklich unterstrich, verzichtete auf das Erscheinen im Amtsgericht. Zwei Mitarbeiter aus der ehemaligen Niederlassung der Anlagefirma am Lüdenscheider Buckesfeld, ein 43-jähriger Unternehmensberater und ein 40-jähriger Betriebswirt, stellten sich hingegen dem Verfahren. Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie ihre Kunden nicht hinreichend über die Risiken der von ihnen vermittelten Geldanlageform informiert hatten.

Die Verluste zwischen rund 2300 und 35 000 Euro schienen nicht jene getroffen zu haben, die mit Geld, das sie eigentlich nicht brauchen, spielen, um noch mehr Geld zu haben, mit dem sie spielen können. Vielmehr handelte es sich um eher kleine Leute, die auf Empfehlung des 69-Jährigen und seiner Mitarbeiter ihre Lebensversicherungen und Bausparverträge gekündigt hatten, um das Geld bei einer windigen Investitionsgesellschaft anzulegen.

Mit einem kleinen Film und vielen guten Worten hatte der 69-Jährige den Geschädigten die Anlage schmackhaft gemacht. Während der zehnjährigen Laufzeit sollte sich das Geld verdoppeln. Das eingesammelte Kapital sollte angeblich dazu verwendet werden, billige Schrottimmobilien anzukaufen, diese zu sanieren und gewinnbringend weiterzuverkaufen. Aus diesen Erträgen sollten angeblich die Darlehen und die Zinsen zurückgezahlt werden.

Doch nach wenigen Monaten blieben die versprochenen Zahlungen aus, und die Immobilienfirma meldete Insolvenz an. Auch eine im Vertrag enthaltene Ausfallversicherung zahlte die Anlagebeträge nicht zurück. Anleger, die daraufhin zivilrechtlich gegen die Anlagefirma des 69-Jährigen vorgingen, siegten zwar. Einige blieben aber auf den Gerichtskosten sitzen, weil bei ihm angeblich nichts zu holen war.

Dem Gericht drängte sich bei all dem der Eindruck auf, dass jener Zeuge nicht weit von der Wahrheit war, der bekundet hatte, dass der 43-Jährige in den Beratungen keine große Rolle gespielt hatte und nun den Kopf für den Hauptangeklagten hinhalten solle. Sein Verfahren wurde deshalb gegen eine Geldauflage von 3000 Euro vorläufig eingestellt. Der 40-jährige Betriebswirt kam sogar mit einer Einstellung ohne Auflagen davon, weil er sehr zeitnah wieder ausgestiegen war.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare