Fall "Vassili": Anklägerin fordert elf Jahre Gefängnis

Lüdenscheid - „Vassili“ macht es kurz. „Meine Taten sind mir bewusst und klar.“ Er wolle sich besonders bei Frau S. entschuldigen. Damit meint er die erpresste und traumatisierte Hauptbelastungszeugin. Das sind die letzten Worte des Angeklagten vor der Urteilsverkündung am Freitag.

Von Olaf Moos

Zuvor hatte Staatsanwältin Beatriz Föhring in ihrem Plädoyer dargelegt, welches Strafmaß sie für gerecht hält. Ihr Antrag lautet auf elf Jahre Gefängnis. Der Angeklagte ringt sichtlich um Fassung, als er das hört.

In ihrem 40-minütigen Schlussvortrag sagt die Anklägerin, der 29-Jährige habe „in Lüdenscheid den Ruf gehabt, extrem gefährlich zu sein“. Dieses auch selbstproduzierte Image hat er sich nach Überzeugung Föhrings zunutze gemacht, wehrlose junge Menschen „mit absoluter Bedenkenlosigkeit, ohne Rücksicht und mit hoher Aggressivität“ für seine Zwecke unter Druck zu setzen.

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert. Der Prozess soll bis Mitte Januar dauern und wird am 6. Januar um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Die Staatsanwältin: „Er hat den Geschädigten die Hölle auf Erden bereitet.“ Die junge Frau sei noch heute psychisch massiv beeinträchtigt. Im Fall des jungen Werkzeugmechanikers in Ausbildung, dessen Konten „Vassili“ mit Drohungen und Gewalt systematisch geplündert hat, sei das „wahre Ausmaß des Gesamtschadens noch gar nicht bekannt“.

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Der Vertreter der Nebenklage, Rechtsanwalt Dominik Petereit, der die Interessen der zierlichen Hauptbelastungszeugin wahrnimmt, beschreibt das „erhebliche Martyrium“ und die „gravierenden Folgeschäden“, unter denen seine Mandantin leidet, und nennt das „System Vassili“ als „planvolles Vorgehen: Anbahnungsphase, Druckaufbau, Erpressung“. Die Erklärungen des Angeklagten, bei den Geldforderungen habe es sich um Drogenschulden gedreht, seien nichts weiter als „Nebelkerzen“.

Angesichts der Tatsache, dass der Angeklagte zu Beginn des Prozesses ein Teilgeständnis abgelegt hat und zahlreiche Zeugen ihn zudem schwer belastet haben, sagt Strafverteidiger Andreas Trode: „Es hat wenig Sinn, zu sagen, das war alles nicht so.“

Im Kerngeschehen seien die Vorwürfe gewiss zutreffend. Aber Angaben zu Hintergründen offenbaren nach Trodes Einschätzung Widersprüche, Missverständnisse und Unwahrheiten. Der Verteidiger beantragt für „Vassili“ eine Verurteilung zu sechs Jahren und zehn Monaten.

Das Urteil wird am Freitag um 9.30 Uhr im Saal 201 verkündet.

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