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Angst vor dem Winter: Brennholz und Öfen im MK gefragt

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Von: Leon Malte Cilsik

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Die Lieferzeiten für Brennholz belaufen sich teilweise schon auf sechs bis acht Wochen – für nasses Holz.
Die Lieferzeiten für Brennholz belaufen sich teilweise schon auf sechs bis acht Wochen – für nasses Holz. © Christin Klose / DPA

Obwohl während des Sommers normalerweise Flaute herrscht im Brennholzhandel, steht bei Karsten Emmich das Telefon momentan kaum still. Der Lüdenscheider habe so etwas „Verrücktes“ in 15 Geschäftsjahren noch nicht erlebt.

Lüdenscheid – Obwohl während des Sommers normalerweise Flaute herrscht im Brennholzhandel, steht bei Karsten Emmich das Telefon momentan kaum still. Der Lüdenscheider hat sein Unternehmen an der Lösenbacher Landstraße. Die steigenden Energiepreise und die Sorge, dass Russland den Gashahn bald ganz zudrehen könnte, scheinen auch die Menschen in der Bergstadt zu beschäftigen. Denn auch Öfen sind gefragter denn je – mitten im Juli.

„Die Anfragen haben sich bestimmt verfünffacht, alle fünf bis zehn Minuten klingelt mein Telefon“, sagt Emmich. Anfang Juni habe die Nachfrage langsam an Fahrt aufgenommen, in der vergangenen Woche habe sich die Situation zugespitzt. „Wir hacken und liefern so schnell wir können – haben aber nicht ansatzweise genug Holz“, klagt Emmich, der so etwas „Verrücktes“ in rund 15 Jahren Geschäftstätigkeit noch nicht erlebt habe.

Lange Lieferzeiten für trockenes Holz

Die Lieferzeiten beliefen sich mittlerweile schon auf sechs bis acht Wochen – für nasses Holz. „Vor dem Winter noch an trockenes Holz zu kommen, könnte vielerorts schwierig werden“, schätzt Emmich. Und teuer: Auf eine Preiserhöhung von etwa zehn Prozent Anfang des Jahres werde bald eine weitere folgen müssen.

„Ich bezahle selbst zehn bis 15 Euro mehr für den Festmeter, irgendwann muss ich die Einkaufspreise weitergeben“, sagt Emmich. Aktuell nimmt er noch 100 Euro für 1,2 Schüttraummeter Laubhartholz. Fichtenholz bietet er indes derzeit nicht an: „Die Unmengen an Schadholz werden zu großen Anteilen für gutes Geld als Baustoff ins Ausland verkauft. Dadurch wäre Fichtenholz aktuell etwa genauso teuer wie Laubholz, bei schlechterem Brennwert“, erklärt Emmich. Dass Fichtenholz aktuell bei den Holzproduzenten häufig den Vorrang vor Laubholz genieße – die Aufbereitung von Schadholz für Bauzwecke ist nur in einem begrenzten Zeitraum möglich –, verschärfe die zunehmende Brennholzknappheit.

Wenn man bei seinem Ofen keine Kompromisse eingehen möchte, sollte man sich besser beeilen.

Michael Schulte, Möbelhaus Massives Wohnen

Doch sind es anscheinend nicht nur langjährige Stammkunden, die sich bei Emmich einfach etwas früher als sonst mit ihrem Jahresvorrat eindecken. Immer mehr Lüdenscheider steigen mit der Anschaffung eines Ofens auf den festen Brennstoff um. „Für den Frühling und Sommer ist die Nachfrage außergewöhnlich hoch“, bestätigt Michael Schulte, der in seinem Möbelhaus „Massives Wohnen“ auch Kaminöfen skandinavischer Anbieter verkauft. Die Marktlage sei angespannt: „Zwei unserer Lieferanten können dieses Jahr nicht mehr liefern, bei den anderen beiden müssen Kunden rund zwei Monate auf ihre Bestellung warten“, sagt Schulte. Damit kämen die Öfen aber noch gerade rechtzeitig für den Winter.

„Wenn man keine Kompromisse eingehen möchte, sollte man sich beeilen“, rät der Möbelhändler. Auch er musste bereits zum Jahresanfang die Preise anziehen: „Gussöfen sind in ihrer Produktion sehr energieintensiv, wir mussten die Preiserhöhungen in den Gießereien von sechs bis acht Prozent zumindest teilweise an unsere Kunden weitergeben.“

Trend hat sich etabliert

Und noch etwas habe sich auf dem Ofenmarkt getan, eine ehemalige Trenderscheinung habe sich inzwischen fest etabliert: „Ein Backfach und/oder Kochplatten sind mittlerweile ein oft geäußerter Wunsch. Denn sie sind ein weiterer guter Weg, um Energie zu sparen“, sagt Schulte.

Das Interesse am Heizen mit Holz wird in absehbarer Zeit noch weiter zunehmen, glaubt Felix Strecker. Als Bezirksschornsteinfeger nimmt er in Lüdenscheid Kaminöfen baurechtlich ab. „Neben den Abnahmen führe ich auch immer öfter Beratungsgespräche“, sagt Strecker. „Kürzlich hatte ich vier an einem Tag – so viele wie sonst in einem halben Jahr.“

Lohnenswerte Vorabgespräche

Er empfehle jedem, ein solches Angebot vor dem Ofenkauf wahrzunehmen: „Häufig kommen wir zu dem Ergebnis, dass die Anschaffung mit zu hohen Kosten oder einem zu komplizierten Schornsteinbau verbunden ist.“ Dafür mitverantwortlich seien 2022 neu in Kraft getretene Vorschriften, die teilweise sehr hohe Schornsteine verlangen – abhängig vom Abstand zum Dachfirst.

„Optimal für einen Ofen ist ein freier Schacht, mittig an dem First“, sagt Strecker. Diese Voraussetzungen seien aber nur selten gegeben, häufig liegen bereits Kunststoffabgasrohre an den entsprechenden Stellen. „Viele wollen daher einen Edelstahl-Außenkamin. Diese sind dann aber meistens so weit vom First entfernt, dass sie sehr hoch werden müssen.“ Dann wiederum werde eine aufwändige Befestigung notwendig – ein weiterer Kostenfaktor. Daher wirbt Strecker für eine Beratung im Voraus, statt eines möglicherweise erfolglosen Abnahmetermins

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