35-Jährige räumt alle Anklagevorwürfe ein 

Angst vor "Leuten aus dem Rockermilieu" als Motiv für Betrügereien: "Die bringen mich um!"

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Angeblich hat sich die Angeklagte mit Leuten aus dem Rockermilieu eingelassen. Unter anderem sei ihr wegen diverser „Zahlungsrückstände“ das Knie zertrümmert worden. (Symbolfoto)

Entweder ist die Angeklagte (35) eine durchtriebene Lügnerin und Betrügerin, die jahrelang skrupellos das Vertrauen ihrer Lebensgefährtin missbraucht hat. Oder sie ist selbst eine Getriebene – und stand unter dem Druck, für Erpresser aus dem Rockermilieu immer wieder Geld beschaffen zu müssen.

Lüdenscheid - Das Erweiterte Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsrichter Andreas Lyra verhandelt über 57 Anklagepunkte. Die auffällig tätowierte Frau, von Beruf Fahrlehrerin, wird aus dem Gefängnis in Willich am Niederrhein hergebracht

Dort verbüßt sie gerade eine fast zweieinhalbjährige Freiheitsstrafe. Ihr Verteidiger, Rechtsanwalt Philipp Muffert aus Köln, gibt eine Erklärung für seine Mandantin ab. „Wir wollen das Verfahren verkürzen. All' die Vorwürfe werden vollumfänglich eingeräumt.“ 

Neuwagen gekauft, aber nicht bezahlt

Laut Anklage hat die Frau „unter Verwendung von Drittpersonalien“ im Internet Waren bestellt. Es ist ein Sammelsurium von Schmuck über Sportartikel und Kleidung bis zu Elektrogeräten. Die Rechnungen landeten stets bei ihrer Freundin, mit der sie zusammenwohnte. 

Die Staatsanwältin beziffert den Schaden auf 12.848,51 Euro. 

Dass die Fahrlehrerin das Golf-Cabrio ihrer Freundin für 8600 Euro verhökerte anstatt es, wie besprochen, zur Reparatur in eine Werkstatt zu bringen, ist ein weiterer Vorwurf. 

Im Juni 2017 kaufte die Angeklagte für sich und ihre Liebste einen Neuwagen für 26.000 Euro, ohne zu bezahlen. Zwei Monate und ein paar tausend Kilometer später holte der geprellte Händler das Auto wieder ab. Mit der Mastercard ihrer Gefährtin hob die 35-Jährige außerdem nach und nach 10.800 Euro von deren Konto ab. 

"Die hätten mich überall gefunden"

„Das stimmt alles“, sagt sie. Doch was nach Habgier und Betrug riecht, war nach den Worten ihres Verteidigers die Folge schlechten Umgangs. Muffert: „Sie hat sich mit Leuten aus dem Rockermilieu eingelassen.“ 

Unter anderem sei seiner Mandantin wegen diverser „Zahlungsrückstände“ das Knie zertrümmert worden. Auch der Bruch eines Gesichtsknochens gehe auf das Konto der Schutzgelderpresser. 

Auf die Frage des Richters, warum sie sich nicht eher aus dem Umfeld gelöst habe, sagt die Angeklagte: „Die hätten mich überall gefunden.“ Rechtsanwalt Muffert betont, seine Mandantin habe „kein Interesse, das alles weiter aufzudecken“. 

Die Angeklagte ergänzt: „Die bringen mich um!“ In einem Strafprozess gegen sie sei sogar von einem Zeugenschutzprogramm die Rede gewesen. 

Die Richter bleiben skeptisch

Die ergaunerten Waren will die Frau zum Großteil verkauft haben, um Geld für die Rocker zu beschaffen. Zwischendurch seien kleine Geschenke an die Freundin dabei gewesen, um die Beziehung zu retten. „95 Prozent waren nicht für mich, das habe ich nur durchgeleitet.“ 

Doch die Richter bleiben skeptisch. Lyra nennt die Geschichte mit dem Zeugenschutz „ziemlicher Kappes“ und moniert ihre „immer neuen Erklärungen“, durch die „nur scheibchenweise etwas ans Licht“ komme. „Sie wirken nicht mit.“ Ein paar Jahre Gefängnis drohen. 

Jetzt endlich stimmt die Angeklagte, einschlägig wegen vielfachen Betruges vorbestraft und deshalb in Haft, zu. Ihre Handys sollen ausgewertet, ärztliche Befunde besorgt werden. Der Verteidiger: „Sie will die Karten auf den Tisch legen.“

Fortsetzung Anfang März im Amtsgericht

Der Prozess wird am 4. März um 9 Uhr im Saal E 29 des Amtsgerichts fortgesetzt.

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