„Die Labore sind komplett überlastet"

Angst vor Legionellen: Sportler dürfen nach Auswärtsspiel nicht duschen

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In vielen Sportstätten Lpüdenscheids sind die Duschen derzeit nicht freigegeben.

Lüdenscheid - Die Fußballer des Kiersper SC II, die ein Jahr lang nicht am Spielbetrieb teilgenommen hatten, hatten sich ihre Rückkehr in den Pflichtspielbetrieb am Sonntag gewiss anders vorgestellt. Nicht einmal das Ergebnis – ein 0:0 beim Alevitischen FC Lüdenscheid – war es, das sie störte.

Vielmehr hatten sie 90 Minuten Fußball gespielt und wurden dann ohne eine warme Dusche gen Kierspe verabschiedet. Verschwitzt in die Autos, mitten in der Corona-Pandemie… 

In der LüWo-Arena kann derzeit nicht geduscht werden. „Am Eulenweg hatten wir eine Auffälligkeit bei der Legionellen-Prüfung. Es war nicht schlimm, aber wir mussten etwas machen“, sagt Björn Randewig von der Zentralen Gebäude-Wirtschaft der Stadt. Eine thermische Desinfektion (eine Art Durchspülen aller Rohre mit 70 Grad heißem Wasser) ist inzwischen erfolgt, doch bevor wieder geduscht werden darf, steht am 16. September noch eine weitere Beprobung an. Zwei Wochen später hofft Randewig aufs Ergebnis. Erst dann wird am Wehberg nach dem Sport auch wieder geduscht werden können. 

Die LüWo-Arena ist zwar ein Einzelfall mit Blick auf alle Fußball-Anlagen der Stadt, aber kein Einzelfall mit Blick auf alle Sportstätten. In keiner einzigen Sporthalle sind derzeit die Duschen freigegeben. Handballer, Tischtennis-Spieler, Turner, Badminton-Spieler – niemand darf in der Halle duschen nach dem Sport. Für die Highlander ein echtes Problem: Sie könnten Ende September in eine Kurzsaison im Inline-Skaterhockey einsteigen, aktuell laufen die Meldungen. Aber nur, wenn geduscht werden kann. Gerade im Skaterhockey kommen die Gäste von weither, irgendwo ist die Grenze des Zumutbaren erreicht. 

Björn Randewig spricht auch von Grenzen. „Die Firma, die die Analysen erstellt, macht das aktuell für sehr viele Kommunen“, sagt Randewig, „überall sind Duschen Corona-bedingt lange Zeit nicht genutzt worden. Danach müssen Proben genommen, gerade jetzt in der Corona-Zeit. Aber die Labore sind komplett überlastet, deshalb kommt es zu Verzögerungen. Wenn ich normal eineinhalb bis zwei Wochen auf ein Ergebnis warte, sind es heute gerne dreieinhalb bis vier Wochen. Natürlich mache ich Druck, weil ich die Ergebnisse haben will, aber dieses Druckmachen hat Grenzen. Alle arbeiten unter Hochdruck und sind überlastet.“ Die Stadt hat Prioritäten gesetzt, was die Legionellen-Prüfungen angeht. Zuerst sollten Schulen und Sportstätten beprobt werden. Das geschah im Mai, die Ergebnisse waren gut. Doch dann kamen die Sommerferien, wieder standen die Duschen still. Sie nun einfach freizugeben, haben sich Randewig und seine Mitstreiter nicht getraut. „Gerade jetzt nicht in der Corona-Zeit, da will man doch sicher sein. Es war mir zu unsicher, die Duschen einfach so freizugeben.“ 

Die Fußballer haben in diesem Kontext insofern Glück gehabt, dass es bei den meisten Fußball-Anlagen noch einen Platzwart gibt. Diese Platzwarte haben zwischendurch einfach die Duschen laufen lassen. „Das Beste ist Bewegung im System“, sagt Randewig. 

Im Fall der BGL-Sporthalle sind die Prüfungen abgeschlossen. Sobald das Ergebnis da ist und keine Auffälligkeiten aufweist, wird das Duschen für die Highlander und die Handballer dort freigegeben. In anderen Hallen sieht es ähnlich aus. Nur am Wehberg wird man wohl noch ein bisschen mehr Geduld brauchen. Wenn sich die Verzögerungen bei den Analysen bestätigen, kann es leicht Mitte Oktober werden, bis dort geduscht werden kann. Am Wochenende hat der Sport-Club dort fünf Heimspiele, die Gäste kommen aus Schalksmühle, Neuenrade, Herscheid, Menden und Erndtebrück. Sie sind nicht zu beneiden.

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