Aus Angst vor Corona: Patienten meiden Fachärzte

Zahnarzt
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Unter anderem Zahnärzte spüren die Zurückhaltung der Patienten. 

 Ob Zahnarzt, Frauenarzt oder Hautarzt, bei vielen Fachärzten sind die Behandlungszahlen in den niedergelassenen Praxen seit Beginn der Pandemie zurückgegangen. Das liegt in der Regel nicht an den Praxen, sondern an den Patienten. Zahnarzt Dr. Stephan Seuster hat beobachtet: „Viel Unsicherheit ist bei den Patienten wegen des Coronavirus unterwegs.“

  • Coronavirus schreckt Menschen vor Arztbesuch ab
  • Sie haben Angst, sich in Praxis anzustecken
  • Arzt meldet Kurzarbeit an

Lüdenscheid – Das kann Dr. Seuster in gewisser Weise verstehen. Allerdings sei der Hygienestandard sehr hoch. „Die Zahnärzte und deren Mitarbeiterinnen tragen schon immer Schutzmasken, Brillen und Handschuhe. Alle Instrumente werden sterilisiert und frisch aufgelegt, der Behandlungsraum sorgfältig desinfiziert“, informiert die Kassenzahnärztliche Vereinigung Westfalen Lippe

Trotzdem sagen viele Patienten ihre Termine ab oder erscheinen einfach nicht. Dr. Stephan Seuster musste daher wie viele andere Ärzte Kurzarbeit anmelden. Die Folge sind häufig Einschränkungen in der Präsenzzeit. Die Behandlungszeit bliebe jedoch unverändert. Dass heißt, wenn keine Sprechstunde stattfindet, muss die Praxis mitteilen, wo und wie der Arzt bis 18 Uhr zu erreichen ist oder namentlich eine Vertretung nennen. „Unsere Öffnungszeiten bleiben uneingeschränkt. Aber wir arbeiten abwechselnd mit dem halben Team“, sagt Stephan Seuster.

Coronavirus in Praxis: Arzt meldet Kurzarbeit an

Die Zahnärzte sind nicht die einzigen Ärzte, die davon betroffen sind. Ungefähr die Hälfte seiner Patienten suchen noch seine Praxis auf, sagt Frauenarzt Dr. Jörn Tornow. Das betrifft vor allem Vorsorgeuntersuchungen. Die Patientinnen, die schwanger sind, nehmen ihre Termine wahr. Für Dr. Jörn Tornow bedeutet das, dass keine Wartezeiten für die übrigen Patienten entstehen und wenn doch, ausreichend Platz im Wartezimmer ist. Kurzarbeit kann er nicht anmelden, da ihm das vertraglich nicht möglich sei und auch die Öffnungszeiten seien gleich geblieben. Eine Änderung sei durch Corona jedoch, dass werdende Väter ihre schwangere Partnerin nicht mehr beim Untersuchungstermin begleiten dürfen. 

Teilweise sagt die Hautarztpraxis von Dr. Ilona Dlugosz-Wolf die Termine von Patienten selbst ab.

Ausnahmen gibt es nur dann, wenn für die Ansprache der Patientin eine Übersetzerin erforderlich ist sowie bei Minderjährigen. „Das akzeptieren die Patienten, auch wenn es für die Schwangeren nicht schön ist. Wir können und sollen das derzeit aber nicht leisten“, sagt Dr. Jörn Tornow. 

Auch die Anzahl der Operationen hat der Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe reduziert. Diese fänden nur noch statt, wenn kein Aufschub möglich ist, wie zum Beispiel bei einem Schwangerschaftsabbruch oder Blutungen. 

Coronavirus in der Praxis: Angst, sich anzustecken

Dass Patienten Angst haben, sich in der Praxis mit dem Coronavirus anzustecken, bestätigt auch die Kassenärztliche Vereinigung. „Das kann aber eigentlich gar nicht passieren, weil die Coronafälle aus den Praxen rausgehalten werden“, sagt Dr. Martin Junker, Leiter der Bezirksstelle Lüdenscheid der Kassenärztlichen Vereinigung.

So gebe es bereits in Olpe und Siegen Behandlungszentren für Coronakranke, damit diese nicht die normalen Praxen aufsuchen. Auch im Märkischen Kreis ist die Einrichtung eines Behandlungszentrum geplant. Bereits im März hatte die Kassenärztliche Vereinigung allen Ärzten empfohlen, aus Infektionsschutzgründen den Praxisbetrieb anzupassen und zum Beispiel Routineuntersuchungen und andere Termine, die nicht medizinisch dringend sind, zu verschieben. 

Coronavirus im MK: Sprechstunde kaum besucht

So handhabt es auch Hautärztin Dr. Ilona Dlugosz-Wolf. Auch sie merkt, dass das Interesse an der Sprechstunde in ihrer Praxis am Rathausplatz durch die Verunsicherung durch Corona geringer geworden ist. „Einige haben ihre Termine abgesagt, andere sind einfach nicht gekommen, ohne abzusagen. Teilweise haben aber auch wir abgesagt, wenn es sich bei den Patienten um ältere Personen handelt“, berichtet die Ärztin. 

Grundsätzlich sollten Patienten die Praxen nur bei akuten Beschwerden aufsuchen. So sollten Vorsorgetermine verschoben werden. Auch die Wahrnehmung von Nachsorge-Terminen sei nicht unbedingt notwendig, wenn alles in Ordnung sei. Zur Sicherheit dürfte auch nur eine bestimmte Anzahl Patienten die Praxis betreten. Zu Anfang seien noch mehr Patienten gewesen, die von sich aus absagen, berichtet die Lüdenscheider Hautärztin. In den vergangenen Wochen habe sich das geändert. „Wir sind auf jeden Fall für unsere Patienten da. Wir haben weder eingeschränkte Öffnungszeiten noch Kurzarbeit beantragt“, sagt Dlugosz-Wolf. 

Coronavirus in der Arztpraxis: Chirurg nicht betroffen

Dr. Göral Altun, Facharzt für Chirurgie, hat ebenfalls keine Kurzarbeit anmelden müssen. „Unsere Patienten kommen nach wie vor. Wir haben viel zu tun“, sagt der Mediziner. Auch ambulante Operationen werden in seiner Praxis an der Knapper Straße noch durchgeführt. Abgesagt werden müssten nur Operationen in Krankenhäusern – und die führe er ohnehin nicht durch.

Alle Neuigkeiten zur Corona-Krise im Märkischen Kreis gibt es in unserem News-Ticker

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