Menschen fordern "Mehr Respekt"

Angriffe auf Einsatzkräfte im MK - Video "Ist ein Selfie mein Leben wert?" 

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Strafen für Menschen, die etwa Unfallopfer fotografieren, wurden bei der Soko Respekt diskutiert.

Lüdenscheid – Übergriffe gegen Einsatzkräfte, fehlende Rettungsgassen und Gaffer, die Fotos von Unfallopfern machen, sind nicht zu tolerieren. Doch das eine Mittel gegen Respektlosigkeit gibt es nicht - was man aber tun könnte, war nun bei der Soko Respekt Thema. Hunderte Menschen versammelten sich dafür in Lüdenscheid.

Zu einem Schulterschluss zwischen haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften, Politik und Justiz gegen Angriffe auf Einsatzkräfte wurde die Podiumsdiskussion, zu der die Soko Respekt am Samstag ins Kulturhaus eingeladen hatte. 

Wie wichtig das Thema für viele Menschen ist, zeigte sich an der Resonanz: Mehr als 320 Zuhörer hatten sich angemeldet. „Das sprengte alles, was wir uns vorgestellt haben“, sagte Jens Hoffmann, Vorsitzender der Soko Respekt. Und auch der Zuspruch, den der Lüdenscheider Verein bundesweit erfährt, ist eine Bestätigung für die große Bedeutung dieses Themas – die Mitgliederzahlen steigen stetig, inzwischen sind es schon mehr als 750, Tendenz fast täglich steigend.

Mehr als 320 Zuhörer hatten sich zu der ersten großen Veranstaltung angemeldet, die die Soko Respekt zum Thema organisiert hatte: Mehr Respekt für diejenigen, die haupt- und ehrenamtlich im Einsatz sind, um Menschen zu helfen und Leben zu retten.

Allein: Das eine Mittel gegen Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft gibt es nicht – auch das war eine Botschaft der Veranstaltung. Einigkeit herrschte bei den Teilnehmern der Diskussionsrunde, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein müsse, Menschen beizubringen, dass körperliche und verbale Übergriffe gegen Einsatzkräfte, die haupt- und ehrenamtlich ihren Dienst tun, um Menschen zu helfen und Leben zu retten, nicht zu tolerieren sind. Genauso wenig wie Behinderungen durch fehlende Rettungsgassen und Gaffer, die Fotos von Unfallopfern ins Internet stellen und die Arbeit der Retter behindern. 

In der von Hanno Grundmann moderierten Runde trafen Rettungsdienste, Polizei, Politik und Justiz aufeinander: Neben den Landtagsabgeordneten Angela Freimuth (FDP) und Gordan Dudas (SPD) diskutierten Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli, Rechtsanwalt Jan Lukas Kemperdiek aus Hagen, Michael Kuchenbecker, Leitender Direktor der Polizei im Märkischen Kreis, sowie Simon Heußen und Jörg Döring, Leiter der Feuerwehren Bochum und Iserlohn, Notfallmediziner Dr. Mimoun Azizi und Richard Krings, Fachbereichsleiter Einsatzdienste der Johanniter in Nordrhein-Westfalen. 

Politiker, Juristen und Vertreter der Einsatzkräfte diskutierten unter der Moderation von Hanno Grundmann (links).

Um die Brisanz aufzuzeigen, galt das Wort zunächst den Betroffenen: Ein Imagefilm, den die Soko Respekt erstmals präsentierte, ließ Einsatzkräfte zu Wort kommen. Marvin Barabo, Polizist im Märkischen Kreis, erzählte von verbalen und körperlichen Angriffen, denen seine Kollegen und er im Dienst bei ganz alltäglichen Einsätzen immer wieder ausgesetzt sind, und die nicht selten Verletzungen zur Folge haben. 

Hanno Grundmann listete Berichte über Übergriffe auf. „Es wird viel diskutiert, aber es kommt nichts dabei raus“, klagte Azizi in Richtung Politik. Sein Vorschlag, nach einem verpflichtenden Sozialen Jahr „für jeden, der hier lebt“, fand Anklang. Das Publikum applaudierte lang anhaltend, als Döring betonte: „Wer das gemacht hat, schlägt keine Sanitäter mehr.“ 

Während Juristen und Politiker betonten, dass es durch Verschärfungen von Gesetzen inzwischen mehr Möglichkeiten gebe, Übergriffe und Beleidigungen zu ahnden, wurde deutlich, dass Einsatzkräfte oftmals vieles schlucken, weil es schon Alltag geworden sei. Wichtig sei es, so der Tenor, wenn sie die Rückmeldung bekommen, dass Anzeigen auch zu Strafen führten.

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