Angeklagter schwänzt: Das Lachen soll ihm vergehen

LÜDENSCHEID ▪ Wenigstens das verächtliche Grinsen des Angeklagten bleibt dem Jugendrichter heute erspart. Denn der 19-Jährige ist gar nicht erst erschienen. Und seine beiden Kumpels, die im März den jüngsten Prozess ihres Freundes im Gerichtssaal sichtlich amüsiert und hörbar feixend verfolgt haben, fehlen zum Glück auch. Also wird’s diesmal kurz und sachlich.

Der junge Lüdenscheider soll – ’mal wieder – in schräge Machenschaften rund ums Handy verstrickt sein. Im Frühjahr hat er zugegeben, ein geklautes Mobiltelefon angekauft und weiterverhökert zu haben. Die Hehlerei hat ihm eine Woche Dauerarrest eingebracht. Diesmal, so der Anklagevorwurf, hat er auf einem Schulhof einem Jugendlichen dessen I-Phone4 unter einem Vorwand abgeluchst – wohl, um „’mal was nachzugucken“, wie es heißt. Nur zurückgegeben hat er das Gerät dem Eigentümer nicht. Damit ist der Straftatbestand der Unterschlagung erfüllt. Der Richter verzerrt sein Gesicht: „Er macht immer so was. Und jetzt lässt er uns hier sitzen.“ Der kleine Erfahrungsaustausch zwischen den Juristen lässt tief blicken. Die Mutmaßung wird laut, ein Bruder oder Vater des Angeklagten betreibe „doch am ’Knapp’ so’n Laden“. Gemeint ist einer der Händler, die gebrauchte Handys oder Computerspiele an- und verkaufen.

Einen Haftbefehl gegen den abwesenden Angeklagten zu verhängen und ihn polizeilich vorführen zu lassen, hält der Jugendrichter dennoch für „unangemessen“, wie er sagt. Die Staatsanwältin macht stattdessen von der Möglichkeit Gebrauch, auf die Hauptverhandlung zu verzichten und stattdessen einen Strafbefehl zu beantragen. Er lautet: 450 Euro Geldstrafe.

Für einen arbeitslosen Streuner eine Menge Geld. Das Lachen soll ihm vergehen. Der Richter erinnert sich: „Na ja, er hat schon nach dem letzten Arrest nicht mehr gelacht.“

Olaf Moos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare