Geständnisse zum Prozessauftakt

Landgericht: Angeklagte geben bewaffnete Raubüberfälle auf Spielhallen zu

+

Hagen/Lüdenscheid/Halver/Altena/Meinerzhagen - Mit umfangreichen Geständnissen hat der Prozess gegen sechs junge Männer begonnen, die im Spätsommer ‘16 laut Staatsanwaltschaft vier Spielhallen in Lüdenscheid, Halver, Altena und Drolshagen überfallen und ausgeraubt haben. Dabei, so die Anklage, haben sie etwa 20.000 Euro erbeutet.

Fünf Verhandlungstage waren geplant. Doch die 1. große Jugendkammer des Hagener Landgerichts unter Vorsitz von Richter Jörg Weber-Schmitz rechnet angesichts der Aussagen mit einer Verkürzung des Verfahrens. Nach Erkenntnissen der Etmittlungsbehörden und den Angaben der Angeklagten haben sich die sechs Männer in unterschiedlicher Besetzung jeweils als Bande zusammengeschlossen. Tatmotiv war unter anderem der Wunsch, Schulden zurück zu zahlen. 

Demnach trafen sich die Männer stets am Tattag, verabredeten sich für den späten Abend und verteilten die Aufgaben für den bevorstehenden Überfall. Wer steht wo Schmiere, wer geht rein und begeht den schweren Raub, wer fährt das Fluchtauto? Insoweit stimmen die Geständnisse überein. Doch während die mutmaßlichen Anführer behaupten, dass die Beute stets zu gleichen Teilen unter den Mitwirkenden aufgeteilt wurde, sagt ein 19-Jähriger, er habe weniger bekommen als die anderen. „Ich wollte ja nicht mit rein, aus Angst.“ 

"Ich wusste, was auf mich zukommt"

Ein gleichaltriger Komplize, der schon drei Jahre im Jugendgefängnis zugebracht hat und bei dem Überfall in Lüdenscheid an der Karlstraße dabei war, sagt: „Ich wusste, was auf mich zukommt, wenn das schiefgeht.“ Er ist einer der beiden, die seit Anfang Oktober in Untersuchungshaft sitzen. Vier der Angeklagten, wohnhaft in Lüdenscheid, Meinerzhagen und Köln, sind derzeit auf freiem Fuß, müssen aber mit längeren Freiheitsstrafen rechnen. 

Denn die Bande war bewaffnet unterwegs und hat in den vier Spielhallen mit Pistolen und einer Machete Angst und Schrecken verbreitet. 

In einem Betrieb an der Karlstraße in Lüdenscheid erlitt eine junge Kassiererin einen schweren Schock. Einer der Angeklagten erinnert sich: „Sie schrie und hatte Luftnot. Ich habe ihr ein Glas Wasser gegeben und ihr gesagt, sie soll sich beruhigen, es ist gleich vorbei.“ Die Frau tritt als Nebenklägerin auf und lässt sich von dem Lüdenscheider Rechtsanwalt Dominik Petereit vertreten. 

So klar die Sachlage für die Prozessbeteiligten erscheint, so unsicher ist, ob es für einen der Angeklagten nicht doch noch dicker kommt als befürchtet. Denn Staatsanwalt Christoph Bußmann bringt einen 20-jährigen Lüdenscheider offenbar in Verbindung mit einem Überfall auf eine Tankstelle an der Altenaer Straße. Ein Mitangeklagter sagt, sein Komplize habe sich damit gerühmt.

Der Prozess wird am Dienstag um 9.30 Uhr im Saal 201 fortgesetzt.

Lesen Sie auch: 

Landgericht: Strafprozess nach Raubüberfällen auf vier Spielhallen

Raubserie auf Spielhallen geklärt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare