Behinderten-Rollstuhlsportgruppe in Lüdenscheid

Angebot seit 20 Jahren sehr beliebt

Die gesamte Gruppe an einer Wippe, über die die Teilnehmer im Rahmen eines kleinen Hindernisparcours fahren müssen. - Fotos: Othlinghaus

Lüdenscheid - Viele Menschen, die an den Rollstuhl gefesselt sind, möchten sportlich aktiv sein und Spaß mit anderen haben, doch die Möglichkeiten hierzu sind vielerorts rar gesät. Bis vor etwa 20 Jahren war dies auch noch in Lüdenscheid der Fall.

„Ich wollte mit meiner Tochter Mareike nicht immer nach Dortmund fahren, wo sich damals die nächstgelegene Möglichkeit befand, Rollstuhlsport zu betreiben“, erinnert sich Monika Schwanz, die Vorsitzende des Kreisverbandes MK für Körper- und Mehrfachbehinderte. Somit gründete sie eine Rollstuhlsportgruppe innerhalb ihres Vereins.

Das Angebot in der Turnhalle der Tinsberger Grundschule erfreut sich nun seit zwei Jahrzehnten großer Beliebtheit. An jedem Freitag zwischen 16.30 und 18 Uhr treffen sich die Rolli-Fahrer dort, um gemeinsam Sport zu treiben. Geleitet wird die Gruppe, die derzeit zwischen sechs und acht Mitglieder umfasst, heute von Brigitte Schwanz und Katrin Steinmann.

„Das Angebot richtet sich an junge Menschen im Alter bis 30 Jahren“, erklärt Monika Schwanz. „Wir hatten zwar geplant, auch eine separate Gruppe für ältere Menschen ins Leben zu rufen, konnten hierfür aber leider keine Übungsleiter finden“, bedauert die Vorsitzende.

Obwohl in der Gruppe der Spaß und die Bewegung im Vordergrund stehen, soll der Rollstuhlsport für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch einen praktischen Nutzen für den Alltag bringen. Deshalb unterteilt sich das Angebot in die beiden Kategorieen „Alltagstraining“ und „Spiel und Spaß“. „Das Alltagstraining soll dazu führen, dass der Rollstuhl im Alltag besser kontrolliert und gesteuert werden kann“, erklärt Monika Schwanz. Dabei müssen die Teilnehmer der Rollstuhlsportgruppe zum Beispiel im Rahmen eines Hindernisparcours über eine Wippe zu fahren, eine Turnmatte überqueren oder um Pylonen herum Slalom fahren. „Über Fertigkeiten, die hier geübt werden, muss ein Rollstuhlfahrer auch im täglichen Leben verfügen, wenn es zum Beispiel gilt, einen Bordstein mit dem Rollstuhl zu überwinden oder Hindernisse wie unachtsame Fußgänger zu umfahren“, betont Monika Schwanz.

Menschen, die sich neu mit der Situation, sich nur noch in einem Rollstuhl fortbewegen zu können, auseinandersetzen müssen, würden oft nur unzureichend oder gar nicht mit der Handhabung des neuen Gerätes vertraut gemacht, bedauert die Vorsitzende. „Hier möchten wir ein Stück weit Abhilfe schaffen.“

Zahlreiche Mannschaftsspiele, die auf Menschen im Rollstuhl abgestimmt sind, runden das Angebot ab und bringen Spaß und Erholung für die jungen Leute, die mit viel Begeisterung bei der Sache sind. Mit den entsprechenden Hilfsmitteln ist fast alles möglich. Spezielle Basketballkörbe und Schaumstoffbälle machen das gefahrlose Basketballspiel möglich, und Boccia wird mit Leder- und nicht mit Edelstahlkugeln gespielt, ebenfalls, um das Verletzungsrisiko zu verringern.

„Anschaffungen von Sportgeräten und -utensilien versuchen wir durch Aktionen wie zum Beispiel einen Waffelverkauf im Sportkrankenhaus zu finanzieren, den wir zwei bis dreimal im Jahr durchführen“, erklärt Monika Schwanz. Andere Spiele, die zum Teil auch völlig ohne Hilfsmittel auskommen, heißen „Komm mit, fahr weg“, „Der Riese schläft“ (Fangspiel) oder „Feuer, Wasser, Luft“.

Über Zuwachs freuen sich die Teilnehmer der Gruppe ebenso wie die Gruppenleiterinnen und die 1. Vorsitzende des Kreisverbandes MK für Körper- und Mehrfachbehinderte. „Voraussetzung ist, auch aus versicherungstechnischen Gründen, der Beitritt in den Verein“, betont Monika Schwanz. Für weitere Informationen ist die 1. Vorsitzende unter Tel. 0 23 51/4 28 79 erreichbar. Weitere Infos: www.kreisverband-mk.com.

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